DGU 2025: Erste Verlaufsdaten aus dem nationalen ProNAT-Register zum Prostatakarzinom

Seit 2022 dokumentiert das nationale Register ProNAT die Versorgung des Prostatakarzinoms. Auf dem DGU 2025 wurden nun erstmals Verlaufsdaten vorgestellt, die wichtige Impulse für Diagnostik, Therapie und Versorgungsstrukturen liefern.

Eintragung Registerdaten

Kongressrelevanz und Hintergrund

Das Prostatakarzinom ist mit über 60.000 Neuerkrankungen jährlich eine der häufigsten malignen Tumorerkrankungen des Mannes in Deutschland. Für eine verbesserte Versorgung sind aktuelle, praxisnahe Daten entscheidend. Das nationale Register ProNAT, initiiert von den Deutschen Uro-Onkologen (d-uo), erfasst seit 2022 umfassend klinische und versorgungsrelevante Parameter. Auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie in Hamburg wurden nun erste Verlaufsdaten vorgestellt, die umfassender sind als bisherige Erhebungen, etwa im Vergleich zur VERSUS-Studie.

Struktur des Registers

Das Register basiert auf einer webbasierten Eingabemaske und steht allen Urologen und Onkologen offen. Die Teilnahme ist nicht an eine d-uo-Mitgliedschaft gebunden und ist mit bis zu 275 Euro pro dokumentiertem Fall vergütet. Seit September 2024 ist ProNAT zudem als AUO-Studie (AP 133-24) anerkannt.

Patientenkollektiv und Baseline-Daten

Bis Ende November 2024 wurden 2.116 Patienten eingeschlossen, von denen 1.725 für die Auswertung zur Verfügung standen.

  • Medianes Alter: 69,9 Jahre (Spanne: 38,9–94,8)
  • Medianer BMI: 27,0 (N=1.093)
  • Performance-Status: 89 % ECOG 0–1 (N=1.725)

Häufigste Begleiterkrankungen waren Hypertonie (33,5 %), Diabetes mellitus (10,3 %) und weitere Herz-Kreislauf-Erkrankungen (8,6 %).

Diagnostik und Tumorcharakteristika

Bei fast der Hälfte der Patienten (49,5 %) wurde das Karzinom im Rahmen der Früherkennung entdeckt, bei 19,0 % aufgrund von Symptomen.

  • Multiparametrisches MRT (mpMRT): in 20,6 % durchgeführt
  • Diagnose: in 90,2 % histologisch, in 85,6 % durch Prostatabiopsie
  • Gradgruppen-Verteilung: GG1 24,9 %, GG2 29,2 %, GG3 16,1 %, GG4 13,8 %, GG5 13,7 %

Eine primäre Metastasierung lag bei 8,6 % der Patienten vor, am häufigsten in Knochen (41,8 %) und Lymphknoten.

Therapiestrategien

Die initialen Therapieentscheidungen verdeutlichen die Vielfalt der urologischen Versorgung:

  • Operation: 46,1 %
  • Bestrahlung: 20,3 %
  • Medikamentöse Therapie: 32,1 %
  • Aktive Überwachung: 13,1 %
  • Watchful Waiting: 6,3 %

Bedeutung und Ausblick

ProNAT stellt erstmals in Deutschland ein umfassendes Bild der Versorgungssituation beim Prostatakarzinom bereit. Durch die Einbindung von Praxis und Klinik sowie die systematische Erfassung von Diagnostik, Komorbiditäten und Therapien liefert das Register eine wertvolle Grundlage für künftige Versorgungsentscheidungen und Leitlinienentwicklungen. Die kommenden Auswertungen werden zeigen, wie sich Therapiepfade und Behandlungsergebnisse in der realen Versorgung entwickeln.

Autor:
Stand:
02.10.2025
Quelle:

F. König, J. Klier, R. Schönfelder, M. Johannsen, R. Eichenauer, J. Schröder, E. Hempel, C. Doehn: Highlights und erste Verlaufsdaten vom nationalen Register Prostatakarzinom (ProNAT). Vortrag, DGU 2025, Deutsche Urologen-Onkologen (d-uo).

  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden
Orphan Disease Finder
Orphan Disease Finder

Hier können Sie seltene Erkrankungen nach Symptomen suchen: