Kaum Daten als Entscheidungshilfe für die Prostatakrebs-Vorsorge und Behandlung
Die U.S. Preventive Services Task Force empfiehlt Männern im Alter von 55 bis 69 Jahren, sich von ihrem behandelnden Arzt über die Möglichkeit eines PSA (Prostata-spezifisches Antigen)-Tests beraten zu lassen. Dies betrifft etwa 30 Millionen Männer. Sowohl das Screening als auch weitere Maßnahmen, wie eine Biopsie und gegebenenfalls die Therapie von Prostatakrebs bergen potenzielle Risiken.
Im Rahmen der Behandlung von Prostatakrebs wurden folgende Komplikationen und Nebenwirkungen beobachtet: Harnröhrenstriktur, Platzierung eines künstlichen Harnschließmuskels (bei schwerer Inkontinenz), Platzierung einer Penisprothese, Harninkontinenz, erektile Dysfunktion, Strahlenzystitis, Strahlenproktitis, Blasenkrebs, Blasenkrebs gefolgt von Zystektomie und Rektumkrebs.
Da Prostatakrebs häufig nur langsam voranschreitet, besteht auch die Option, zunächst auf eine Behandlung zu verzichten. Viele Männer entscheiden sich für eine aktive Überwachung des Krankheitsgeschehens.
Um eine fundierte Entscheidung treffen zu können, ist es für Männer unerlässlich, das Ausmaß der potenziellen Risiken und der Vorteile aller Maßnehmen zu kennen. "Frühere Studien zu Komplikationen bei der Behandlung von Prostatakrebs umfassten nur kleine Stichprobengrößen, die Nachbeobachtung war zeitlich begrenzt oder eine valide Kontrollgruppe fehlte", kritisierte Dr. Joseph Unger vom SWOG Statistics and Data Management Center des Fred Hutchinson Cancer Center in Seattle, USA, die Datenlage.
Wie groß sind die Langzeit-Risiken von Nebenwirkungen und Komplikationen bei der Behandlung von Prostatakrebs?
Unger erstellte zusammen mit Kollegen nun ein umfassendes Risikoprofil, indem sie Männer, die wegen Prostatakrebs behandelt wurden, mit unbehandelten Männern ähnlichen Alters in der Allgemeinbevölkerung verglichen. Die Forscher publizierten die Ergebnisse im Fachjournal JAMA Oncology.
Für die Studie griffen die Forscher auf Daten aus zwei großen Präventionsstudien des National Cancer Institute zurück - die Prostatakrebs-Präventionsstudie (PCPT) und die Selen- und Vitamin-E-Krebspräventionsstudie (SELECT) – und verknüpften diese mit Medicare-Daten.
In der Stichprobe von nahezu 30.000 Personen identifizierten die Forscher 3.946 Männer, bei denen Prostatakrebs diagnostiziert worden war. 655 Männer hatten sich als erster Behandlung einer Prostatektomie unterzogen, 1.056 Männer einer Strahlentherapie.
Die Männer, bei denen Prostatakrebs diagnostiziert worden war, die aber keine Behandlung erhalten hatten, dienten zusammen mit den Männern, bei denen kein Prostatakrebs diagnostiziert worden war, als unbehandelte Vergleichsgruppe.
Risiko für Komplikationen nach Prostatektomie und Strahlentherapie erhöht
Die Inzidenz pro 1.000 Personenjahre für eine der zehn oben genannten behandlungsbedingten Komplikationen und Nebenwirkungen betrug 124 für die Prostatektomie, 62 für die Strahlentherapie und 24 für Männer ohne Prostatakrebsbehandlung.
Im Vergleich der Gruppen hatten Männer nach einer Prostatektomie gegenüber Männern ohne Behandlung ein mehr als sechsmal höheres Risiko, dass innerhalb von zwölf Jahren eine der zehn Komplikationen auftrat.
Nach einer Strahlentherapie war das Risiko für das Auftreten von Komplikationen gegenüber unbehandelten Männern verdreifacht.
Risiko für Blasenkrebs und Nebenwirkungen der Strahlentherapie erhöht
Darüber hinaus war die Wahrscheinlichkeit, dass bei Männern nach einer Strahlentherapie nach zwölf Jahren Blasenkrebs diagnostiziert wurde, fast dreimal so hoch wie bei unbehandelten Männern. Zudem war das Risiko für Strahlenzystitis und Strahlenproktitis hundertfach erhöht.
Bedeutung der Patientenberatung vor dem Screening und vor der Behandlung
Die Autoren sind der Meinung, dass diese Ergebnisse angesichts der ungewissen Nutzenlage der Prostatakrebsbehandlung für die meisten Patienten die Bedeutung einer umfassenden Patientenberatung vor dem Screening und vor der Behandlung unterstreicht.
Sie empfehlen, quantitative Informationen über die Risiken und den Nutzen der Behandlung von Prostatakrebs in die nationalen Leitlinien zur Krebsvorsorge und -behandlung aufzunehmen. Derzeit stellt keine nationale Organisation solche quantitativen Informationen in ihren Leitlinien zur Verfügung.










