Acemetacin
Acemetacin ist ein nicht-steroidales Antirheumatikum, das bei entzündlichen Erkrankungen und Schmerzen eingesetzt wird. Es ist das Prodrug von Indometacin.
Acemetacin: Übersicht

Anwendung
Acemetacin ist indiziert zur symptomatischen Behandlung von Schmerz und Entzündung bei:
- akuten Arthritiden (einschließlich Gichtanfall)
- chronischen Arthritiden, insbesondere bei rheumatoider Arthritis (chronische Polyarthritis)
- Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) und anderen entzündlich-rheumatischen
- Wirbelsäulenerkrankungen
- Reizzuständen bei Arthrosen und Spondylarthrosen
- entzündlichen weichteilrheumatischen Erkrankungen
- schmerzhaften Schwellungen oder Entzündungen nach Verletzungen
Wirkmechanismus
Acemetacin ist das Prodrug von Indometacin und entfaltet seine therapeutische Wirkung durch die Hemmung der Cyclooxygenase (COX)-Enzyme, die für die Synthese von Prostaglandinen verantwortlich sind. Diese Enzyme existieren in zwei Isoformen, COX-1 und COX-2. COX-1 spielt eine Rolle bei der Aufrechterhaltung physiologischer Funktionen in verschiedenen Geweben, während COX-2 hauptsächlich bei entzündlichen Prozessen und Schmerzreaktionen exprimiert wird. Acemetacin und sein aktiver Metabolit, Indometacin, reduzieren die Prostaglandinsynthese durch eine nicht-selektive Hemmung beider COX-Isoformen. Diese Hemmung führt zu einer verminderten Produktion von Prostaglandinen, die als Mediatoren von Entzündung, Schmerz und Fieber fungieren.
Dosierung
Acemetacin wird in der Regel in Dosierungen von 30 mg bis 180 mg pro Tag für Erwachsene angewandt, aufgeteilt in zwei bis drei Einzeldosen.
Nebenwirkungen
Acemetacin, wie andere Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), kann eine Reihe von Nebenwirkungen haben, die von mild bis schwer reichen können. Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Patienten diese Nebenwirkungen erfahren und dass die Verträglichkeit individuell sehr unterschiedlich sein kann. Einige der bekannteren Nebenwirkungen von Acemetacin umfassen:
- Magen-Darm-Trakt: Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Blähungen, Verstopfung, Dyspepsie (Verdauungsbeschwerden) und Bauchschmerzen. Ernstere, aber seltenere Nebenwirkungen umfassen Magen- oder Darmgeschwüre, die zu Blutungen und Perforation führen können.
- Zentrales Nervensystem: Kopfschmerzen, Schwindel, Schläfrigkeit und Müdigkeit sind relativ häufig. Seltenere Nebenwirkungen können Verwirrtheit, Reizbarkeit, Depressionen oder Halluzinationen sein.
- Haut: Hautausschläge, Juckreiz und in seltenen Fällen schwere Hautreaktionen wie das Stevens-Johnson-Syndrom oder die toxische epidermale Nekrolyse.
- Herz-Kreislauf-System: NSAR können das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen, insbesondere bei längerer Anwendung und bei Patienten mit bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ödeme (Schwellungen) und Bluthochdruck können ebenfalls auftreten.
- Nierenfunktion: Beeinträchtigung der Nierenfunktion, die sich in seltenen Fällen bis zum akuten Nierenversagen entwickeln kann, insbesondere bei Patienten mit vorbestehenden Nierenerkrankungen oder bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten, die die Nierenfunktion beeinflussen können.
- Leber: Erhöhungen der Leberenzyme können auftreten und in seltenen Fällen zu schweren Leberschäden führen.
- Blutbild: NSAR können das Blutbild beeinflussen und zu Störungen wie Anämie, Leukopenie und Thrombozytopenie führen.
- Sehstörungen: In seltenen Fällen können Sehstörungen auftreten.
- Hörverlust: Tinnitus und in sehr seltenen Fällen Hörverlust können auftreten.
Wechselwirkungen
Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Acemetacin zu beachten:
- Andere NSAR einschließlich Salicylate: Die gleichzeitige Einnahme von Acemetacin mit anderen NSAR kann das Risiko für Magen-Darm-Geschwüre und Blutungen erhöhen, da ein synergistischer Effekt auftritt. Daher wird empfohlen, die Kombination mit anderen NSAR zu vermeiden.
- Digoxin, Phenytoin, Lithium: Die gemeinsame Verwendung von Acemetacin mit diesen Medikamenten kann deren Konzentration im Blut erhöhen. Besonders bei Lithium ist eine Überwachung des Serumspiegels erforderlich.
- Diuretika, ACE-Hemmer, Angiotensin-II-Antagonisten: NSAR wie Acemetacin können die Wirkung dieser Blutdrucksenker und Diuretika verringern. Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion kann dies zu einer weiteren Verschlechterung der Nierenfunktion führen. Eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme und regelmäßige Kontrolle der Nierenwerte sind ratsam.
- Kaliumsparende Diuretika: Die Kombination mit Acemetacin kann zu erhöhten Kaliumwerten im Blut führen, was eine Überwachung der Kaliumspiegel erfordert.
- Glukokortikoide: Das Risiko für Magen-Darm-Geschwüre oder Blutungen ist erhöht.
- Thrombozytenaggregationshemmer und SSRI: Es besteht ein erhöhtes Risiko für Magen-Darm-Blutungen.
- Methotrexat: Die Einnahme von Acemetacin in einem Zeitfenster von 24 Stunden vor oder nach der Gabe von Methotrexat kann zu erhöhten Methotrexatspiegeln im Blut und einer verstärkten toxischen Wirkung führen.
- Ciclosporin: Die nierenschädigende Wirkung von Ciclosporin kann durch die gleichzeitige Gabe mit Acemetacin verstärkt werden.
- Antikoagulanzien: Die Wirkung von Blutgerinnungshemmern wie Warfarin kann durch NSAR verstärkt werden, was eine sorgfältige Überwachung des Gerinnungsstatus erfordert.
- Sulfonylharnstoffe: Bei gleichzeitiger Einnahme mit Acemetacin sollte der Blutzuckerspiegel überwacht werden, da Wechselwirkungen zwischen NSAR und oralen Antidiabetika bekannt sind.
- Probenecid, Sulfinpyrazon: Diese Medikamente können die Ausscheidung von Acemetacin verzögern.
- Furosemid: Die Ausscheidung von Acemetacin wird durch Furosemid beschleunigt.
- Triamteren: Die gleichzeitige Anwendung mit Acemetacin sollte vermieden werden, da es Fälle von akutem Nierenversagen gab.
- Diflunisal: Sollte nicht zusammen mit Acemetacin eingenommen werden, um einen Anstieg der Plasmaspiegel von Indometacin zu vermeiden.
- Penicillin-Antibiotika: Acemetacin kann die Ausscheidung dieser Antibiotika verzögern.
Kontraindikation
Acemetacin darf nicht angewendet werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder Indometacin
- bekannten Reaktionen von Bronchospasmus, Asthma, Rhinitis oder Urtikaria nach der Einnahme von Acetylsalicylsäure oder anderen NSAR
- ungeklärten Blutbildungsstörungen
- bestehenden oder in der Vergangenheit wiederholt aufgetretenen peptischen Ulzera oder Hämorrhagien (mindestens 2 unterschiedliche Episoden nachgewiesener Ulzeration oder Blutung)
- gastrointestinaler Blutung oder Perforation in der Anamnese im Zusammenhang mit einer vorherigen Therapie mit NSAR
- zerebrovaskulären oder anderen aktiven Blutungen
- schwerer Herzinsuffizienz
- Schwangerschaft im letzten Drittel
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Acemetacin zu beachten:
- Gastrointestinale Risiken: Kombination mit anderen NSAR vermeiden; Risiko für Blutungen, Ulcera oder Perforationen besonders bei höheren Dosen, bei älteren Patienten oder bei Patienten mit Ulcusanamnese.
- Ältere Patienten: Höheres Risiko für Nebenwirkungen; Beginn mit der niedrigsten Dosis.
- Kardiovaskuläre Vorsicht: Bei Patienten mit Hypertonie oder Herzinsuffizienz sorgfältige Überwachung; Risiko für thrombotische Ereignisse.
- Hautreaktionen: Risiko für schwerwiegende Hautreaktionen; bei ersten Anzeichen der Therapieabbruch.
- Besondere Patientengruppen: Vorsicht bei Porphyrien, systemischem Lupus erythematodes oder bei schweren Nieren- und Leberfunktionsstörungen.
- Überempfindlichkeitsreaktionen: Bei Anzeichen sofortige medizinische Maßnahmen erforderlich.
- Langzeitüberwachung: Regelmäßige Kontrolle der Leberwerte, der Nierenfunktion und des Blutbildes bei längerer Anwendung.
- Vorsicht vor operativen Eingriffen: Hemmung der Thrombozytenaggregation möglich.
- Kopfschmerzen durch Schmerzmittel: Nicht durch erhöhte Dosen behandeln; Risiko bei gewohnheitsmäßiger Einnahme von Schmerzmitteln.
- Alkohol: Kann Nebenwirkungen, insbesondere die des Gastrointestinaltrakts und des zentralen Nervensystems, verstärken.
- Augenuntersuchungen: Bei Langzeittherapie regelmäßig, bei Auftreten von Veränderungen Therapieabbruch empfohlen.
Wirkstoff-Informationen
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