Afamelanotid

Afamelanotid ist ein synthetisches Analogon des natürlichen Hormons a-Melanozyten-stimulierendes Hormon (a-MSH), das die Melaninproduktion in der Haut stimuliert und zu einer verstärkten Pigmentierung führt. Es wird angewendet zur prophylaktischen Behandlung der seltenen Lichtkrankheit Erythropoetische Protoporphyrie (EPP).

Afamelanotid

Anwendung

Der Wirkstoff Afamelanotid wird angewendet zur Prävention von Phototoxizität bei erwachsenen Patienten mit erythropoetischer Protoporphyrie (EPP).

Wirkmechanismus

Afamelanotid imitiert die Wirkung des natürlichen α-Melanozyten-stimulierenden Hormons (α-MSH) durch Bindung an den Melanocortin-1-Rezeptor (MC1R) auf Melanozyten, wodurch die Produktion von Melanin, dem Hautpigment, stimuliert wird. Die Aktivierung des MC1R führt zu einem Anstieg des intrazellulären cAMP, das die Melanogenese durch Hochregulation von Enzymen wie der Tyrosinase ankurbelt. Dies führt zu einer erhöhten Melaninproduktion und -verteilung, was die Hautpigmentierung verstärkt und somit die UV-Resistenz erhöht. Afamelanotid wird zur Behandlung der Erythropoetischen Protoporphyrie (EPP) eingesetzt, um die Lichtempfindlichkeit der Haut zu verringern und den Patienten eine verbesserte Lebensqualität zu ermöglichen.

Dosierung

  • Alle 2 Monate wird ein Afamelanotid-Implantat subkutan eingesetzt.
  • Die Anwendung erfolgt vorzugsweise vor der erwarteten stärkeren Sonneneinstrahlung, typischerweise vom Frühjahr bis zum Frühherbst.
  • Empfohlen werden bis zu drei Implantate pro Jahr, basierend auf dem Bedarf an UV-Schutz.
  • Die maximale Anzahl der Implantate beträgt vier pro Jahr.
  • Die Gesamtdauer der Behandlung wird vom behandelnden Spezialisten festgelegt.

Nebenwirkungen

Die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen von Afamelanotid sind:

  • Übelkeit
  • Kopfschmerzen
  • Reaktionen an der Implantationsstelle

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Afamelanotid zu beachten:

  • Keine spezifischen Studien: Für Afamelanotid wurden keine speziellen Studien durchgeführt, um mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu untersuchen.
  • Begrenzte pharmakokinetische Daten: Die Informationen über die Pharmakokinetik von Afamelanotid und seinen Metaboliten sind sehr begrenzt. Es wird angenommen, dass Afamelanotid, ein Oligopeptid mit einer kurzen Halbwertszeit, schnell in kleinere Peptidfragmente und letztlich in die einzelnen Aminosäuren abgebaut wird. Aufgrund dieser unvollständigen Datenlage ist bei der Kombination mit anderen Medikamenten Vorsicht geboten.
  • Risiko bei Gerinnungshemmern: Bei Patienten, die gerinnungshemmende Medikamente wie Vitamin-K-Antagonisten (z.B. Warfarin), Acetylsalicylsäure oder nicht-steroidale Entzündungshemmer (NSAR) einnehmen, besteht ein erhöhtes Risiko für verstärkte Hämatome oder Blutungen an der Stelle, wo das Afamelanotid-Implantat eingesetzt wird.

Kontraindikationen

Afamelanotid darf nicht angewendet werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • schwerer Lebererkrankung
  • Leberinsuffizienz
  • Niereninsuffizienz

Schwangerschaft

Frauen im gebärfähigen Alter sollten während der Behandlung mit Afamelanotid und für drei Monate nach der letzten Dosis zuverlässige Verhütungsmethoden anwenden. Für Schwangere gibt es kaum Informationen über die Sicherheit von Afamelanotid, daher wird von einer Anwendung während der Schwangerschaft abgeraten.

Stillzeit

Es ist unklar, ob Afamelanotid oder dessen Abbauprodukte in die Muttermilch gelangen. Es gibt keine Studien zur Anwendung während der Stillzeit. Aus Vorsicht sollte Afamelanotid von stillenden Müttern gemieden werden, da ein Risiko für das Baby nicht ausgeschlossen werden kann.

Verkehrstüchtigkeit

Afamelanotid kann innerhalb der ersten 72 Stunden nach Implantation einen mäßigen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit sowie die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen ausüben. Symptome wie Schläfrigkeit, Müdigkeit, Schwindel und Übelkeit wurden nach der Applikation berichtet. Patienten, die diese Nebenwirkungen erfahren, wird dringend empfohlen, von der Bedienung von Fahrzeugen und Maschinen Abstand zu nehmen.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Afamelanotid zu beachten:

  • Langzeitanwendung: Die Langzeitdaten zur Sicherheit von Afamelanotid sind begrenzt. Klinische Studien haben eine Anwendungsdauer von nicht mehr als 2 Jahren untersucht.
  • Nicht untersuchte Begleiterkrankungen: Klinische Studien haben Afamelanotid nicht in Verbindung mit Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts, Herz-Kreislauf-Systems, der Atemwege, des endokrinen Systems (inklusive Diabetes), neurologischen oder hämatologischen Erkrankungen untersucht. Eine sorgfältige Abwägung ist erforderlich, bevor Patienten mit solchen Erkrankungen Afamelanotid erhalten. Nach jeder Implantation ist eine Überwachung dieser Patienten notwendig.
  • Sonnenschutz: Patienten sollten während der Behandlung ihre üblichen Sonnenschutzmaßnahmen fortsetzen, um der durch EPP bedingten Lichtempfindlichkeit angemessen zu begegnen.
  • Überwachung der Haut: Die Anwendung von Afamelanotid kann bestehende pigmentierte Hautveränderungen verdunkeln. Es wird eine regelmäßige Hautuntersuchung (alle 6 Monate) empfohlen, um Pigmentläsionen und andere Hautanomalien zu überwachen. Bei Verdacht auf Hautkrebs oder unklaren Hautveränderungen sollte ein Dermatologe konsultiert werden.
  • Ganzkörperuntersuchungen: Zweimal jährlich sollte eine Ganzkörperhautuntersuchung durchgeführt werden, um UV-induzierten Hautkrebs frühzeitig zu erkennen und pigmentierte Hautveränderungen zu überwachen, insbesondere da EPP-Patienten möglicherweise ihre Sonnenexposition erhöhen.
  • Besondere Aufmerksamkeit: Patienten mit persönlicher oder familiärer Vorgeschichte von Melanom, Basalzellkarzinom, Plattenepithelkarzinom oder anderen malignen/prämalignen Hautveränderungen erfordern besondere Aufmerksamkeit.
  • Ältere Patienten: Die Anwendung von Afamelanotid wird bei Personen über 70 Jahren aufgrund begrenzter Daten nicht empfohlen. Wenn eine Behandlung stattfindet, ist eine sorgfältige Überwachung dieser Patienten erforderlich.
  • Kinder und Jugendliche: Die Anwendung von Afamelanotid bei Kindern und Jugendlichen wird aufgrund fehlender Daten und einer für Kinder ungeeigneten Implantatgröße nicht empfohlen.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
1646.85 g·mol-1
Kindstoff(e):
Autor:
Stand:
09.04.2024
Quelle:

Fachinformation Scenesse

  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden
1 Präparate mit Afamelanotid