Aldesleukin
Aldesleukin ist ein rekombinanter humaner Interleukin-2 (IL-2) Wirkstoff, der die Immunantwort verstärkt, indem es die Proliferation und Aktivität von Lymphozyten, einschließlich natürlicher Killerzellen und T-Lymphozyten, stimuliert. Es wird zur Behandlung des metastasierten Nierenzellkarzinoms eingesetzt.
Aldesleukin: Übersicht
Anwendung
Aldesleukin wird zur Behandlung von Erwachsenen mit metastasiertem Nierenzellkarzinom angewendet.
Bei der Behandlung des metastasierten Nierenzellkarzinoms mittels Aldesleukin sind bestimmte Risikofaktoren identifiziert worden, die eine verringerte Ansprechrate und eine reduzierte mittlere Überlebenszeit zur Folge haben können. Diese Risikofaktoren umfassen:
- Allgemeinzustand des Patienten: Ein ECOG (Eastern Cooperative Oncology Group) Performance-Status von 1 oder höher deutet auf eine eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit hin. Der ECOG-Status reicht von 0, was normale Aktivität ohne Einschränkungen bedeutet, bis zu 4, bei dem der Patient vollständig pflegebedürftig ist und nicht zur Selbstversorgung fähig.
- Ausmaß der Metastasierung: Patienten, bei denen Metastasen in mehr als einem Organ festgestellt wurden, zeigen ein schlechteres Ansprechen auf die Therapie.
- Zeitintervall seit der Erstdiagnose: Ein Intervall von weniger als 24 Monaten zwischen der Erstdiagnose des Nierenzellkarzinoms und dem Beginn der Aldesleukin-Therapie ist ebenfalls mit einem reduzierten Therapieansprechen und einer geringeren mittleren Überlebenszeit assoziiert.
Wirkmechanismus
Aldesleukin ist ein rekombinantes humanes Interleukin-2 (IL-2), das eine zentrale Rolle in der Aktivierung des Immunsystems spielt. Es bindet an den IL-2-Rezeptor auf der Oberfläche von Lymphozyten, insbesondere T-Helferzellen, natürlichen Killerzellen (NK-Zellen) und regulatorischen T-Zellen, und fördert deren Proliferation, Differenzierung und Überleben. Durch die Aktivierung dieser Immunzellen verstärkt Aldesleukin die körpereigene Immunantwort gegen Krebszellen, indem es die Zytotoxizität der NK-Zellen und die zytotoxische Aktivität der T-Lymphozyten gegen Tumorzellen erhöht.
Dosierung
Aldesleukin wird zur Behandlung von Erwachsenen mit metastasiertem Nierenzellkarzinom angewendet und kann sowohl intravenös als kontinuierliche Infusion als auch subkutan injiziert werden.
Intravenöse Infusion:
- Induktionsphase: 18 × 106 IE/m² Körperoberfläche pro Tag, verabreicht als kontinuierliche Infusion über 5 Tage, gefolgt von einer Pause von 2 bis 6 Tagen. Anschließend erneut 5 Tage mit kontinuierlicher Infusion, danach eine Therapiepause von 3 Wochen.
- Erhaltungstherapie: Bis zu vier Erhaltungszyklen mit 18 × 106 IE/m² als Dauerinfusion über fünf Tage alle vier Wochen für Patienten mit Remission oder Krankheitsstillstand.
Subkutane Injektion:
- Induktionsphase: Täglich 18 × 106 IE subkutan über 5 Tage, gefolgt von einer 2-tägigen Pause. In den folgenden 3 Wochen wird am 1. und 2. Tag jeder Woche 18 × 106 IE s.c. verabreicht, gefolgt von 9 × 106 IE an den Tagen 3 bis 5, mit behandlungsfreien Tagen 6 und 7. Nach einer einwöchigen Pause wird der 4-wöchige Zyklus wiederholt.
- Erhaltungstherapie: Der oben beschriebene Zyklus wird für Patienten mit Therapieansprechen oder Krankheitsstillstand fortgesetzt.
Dosisanpassungen:
- Bei Unverträglichkeit sollte die Dosis reduziert oder die Therapie pausiert werden, bis die Toxizität akzeptabel ist. Die Auswirkungen von Dosisreduktionen auf Ansprechraten und Überlebenszeit sind unbekannt.
Spezielle Patientengruppen:
- Nieren- oder Leberfunktionsstörungen: Es liegen keine Studien zur Anwendung von Aldesleukin bei vorbestehenden Nieren- oder Leberfunktionsstörungen vor.
- Ältere Patienten: Vorsicht ist geboten, da ältere Patienten anfälliger für Nebenwirkungen sein können, insbesondere wenn die Nieren- und Leberfunktion mit dem Alter nachlässt.
- Kinder und Jugendliche: Die Sicherheit und Wirksamkeit von Aldesleukin in dieser Patientengruppe ist nicht erwiesen.
Nebenwirkungen
Sehr häufige Nebenwirkungen von Aldesleukin umfassen:
- Anämie, Thrombozytopenie
- Hypothyreose
- Anorexie
- Angstgefühl, Verwirrtheit, Depression
- Schlaflosigkeit
- Schwindel
- Kopfschmerzen
- Parästhesie
- Somnolenz
- Tachykardie, Arrhythmie
- Brustschmerzen
- Hypotonie
- Dyspnoe
- Husten
Kontraindikationen
Aldesleukin darf nicht angewendet werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile.
- Patienten mit einem Allgemeinzustand von ECOG 2 oder mehr.
- Patienten, die gleichzeitig einen Allgemeinzustand von ECOG 1 oder mehr und metastatischen Befall in mehr als einem Organ sowie ein Intervall von weniger als 24 Monaten zwischen Primärdiagnose und Indikationsstellung zur Aldesleukin-Therapie aufweisen.
- Patienten mit bestehender oder anamnestisch bekannter schwerer Herzkrankheit. Bei fraglichen Fällen sollte ein Belastungstest durchgeführt werden.
- Patienten mit einer akuten schweren Infektion, die eine antibiotische Behandlung erfordert.
- Patienten mit einem PaO2 < 60 mmHg in Ruhe.
- Patienten mit bestehender schwerer organischer Erkrankung.
- Patienten mit Metastasierung im zentralen Nervensystem (ZNS) oder mit Anfallsleiden, ausgenommen Patienten mit erfolgreich behandelter ZNS-Metastasierung (unauffällige Computertomographie (CT), unauffälliger neurologischer Befund).
Zusätzlich wird empfohlen, folgende Patienten von der Behandlung mit Aldesleukin auszuschließen:
- Patienten mit Leukozytenwerten < 4.000/mm³, Thrombozytenwerten < 100.000/mm³ oder einem Hämatokrit < 30%.
- Patienten mit Serumbilirubin- oder Kreatininwerten außerhalb der Norm.
- Patienten mit allogenen Organtransplantaten.
- Patienten, die möglicherweise Kortikosteroide benötigen.
- Patienten mit bestehender Autoimmunkrankheit.
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Aldesleukin zu beachten:
- Patientenauswahl: Aldesleukin ist nicht geeignet für Patienten mit hohem Risikoprofil, definiert durch spezifische Risikofaktoren wie schlechter Allgemeinzustand, multiple Organmetastasen und kurzes Intervall zwischen Diagnose und Therapiebeginn.
- Kapillarlecksyndrom (CLS): Aldesleukin kann CLS verursachen, gekennzeichnet durch Hypotonie und Tachykardie, was eine intensive Überwachung und manchmal Notfallinterventionen erfordert.
- Autoimmunerkrankungen: Kann bestehende Autoimmunerkrankungen aktivieren oder verschlimmern.
- ZNS-Effekte: Schwere Lethargie oder Somnolenz können zum Absetzen der Behandlung führen. Eine vorherige Kontrolle von ZNS-Metastasen ist erforderlich.
- Organfunktionsstörungen: Vorsicht bei vorbestehenden Nieren- oder Leberfunktionsstörungen; regelmäßige Überwachung der Organfunktionen ist notwendig.
- Dosierung und Anwendung: Sollte nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen, mit besonderer Vorsicht bei der intravenösen Verabreichung. Dosierungsanpassungen bei schweren Nebenwirkungen sind wichtig.
- Infektionen und Glukosestoffwechsel: Vorbestehende Infektionen behandeln und Blutzuckerspiegel überwachen, besonders bei Diabetikern.
- Laboruntersuchungen: Regelmäßige hämatologische und biochemische Tests, Thoraxröntgen, EKG und Organfunktionsüberwachung sind erforderlich.
- Fachinformation Proleukin S
- Geisslinger, Gerd, et al. "Mutschler Arzneimittelwirkungen."










