Alendronsäure

Alendronsäure gehört zu den Bisphosphonaten und wird zur Behandlung der Osteoporose angewendet.

Alendronsaeure

Anwendung

Der Wirkstoff Alendronsäure verfügt über folgende Indikationen:

  • Behandlung der postmenopausalen Osteoporose. Alendronsäure reduziert dabei das Risiko für Wirbel- und Hüftfrakturen.
  • Behandlung der Osteoporose bei Männern.
  • Prävention einer Glukokortikoid-induzierten Osteoporose.

Anwendungsart

Alendronsäure wird oral in Form von Tabletten angewendet. Die Einnahme soll morgens mindestens 30 Minuten vor der ersten Mahlzeit, dem ersten Getränk oder der ersten Einnahme anderer Arzneimittel erfolgen. Die Tablette wird unzerkaut mit Leitungswasser geschluckt, da andere Getränke die Aufnahme von Alendronsäure vermindern können. Nach der Einnahme sollen Patienten für mindestens 30 Minuten aufrecht bleiben und sich nicht hinlegen.

Während der Behandlung soll eine ausreichende Versorgung mit Calcium und Vitamin D sichergestellt und bei Bedarf ergänzt werden.

Wirkmechanismus

Arzneilich verwendet wird das Natriumsalz (Natriumalendronat) der Alendronsäure. Natriumalendronat ist ein Bisphonat, welches die Osteoklastenaktivität und die dadurch verursachte Knochenresorption hemmt. Eine direkte Wirkung auf die Knochenbildung scheint nicht zu bestehen. Die Qualität des gebildeten Knochens unter einer Therapie mit Alendronsäure ist von normaler Qualität.

Pharmakokinetik

Resorption

  • Alendronsäure weist nach oraler Einnahme eine sehr geringe Bioverfügbarkeit auf.
  • Bezogen auf eine intravenöse Referenzdosis beträgt die mittlere orale Bioverfügbarkeit bei Frauen 0,64 %, wenn Alendronsäure nach nächtlichem Fasten und zwei Stunden vor einem standardisierten Frühstück eingenommen wird.
  • Wird Alendronsäure eine Stunde vor einem standardisierten Frühstück eingenommen, sinkt die Bioverfügbarkeit auf ca. 0,46 %. Bei Einnahme 30 Minuten vor dem Frühstück beträgt sie ca. 0,39 %.
  • In Osteoporosestudien war Alendronsäure wirksam, wenn die Einnahme mindestens 30 Minuten vor der ersten Nahrungs- oder Flüssigkeitsaufnahme des Tages erfolgte.
  • Die Einnahme von oralem Prednisolon führte bei gesunden Probanden zu keiner klinisch relevanten Veränderung der Bioverfügbarkeit von Alendronsäure.


Verteilung

  • Nach intravenöser Gabe verteilt sich Alendronsäure zunächst vorübergehend in Weichteilgewebe.
  • Anschließend wird der Wirkstoff rasch in den Knochen umverteilt oder renal ausgeschieden.
  • Das mittlere Verteilungsvolumen im Steady State beträgt beim Menschen, ohne Berücksichtigung des Knochens, mindestens 28 l.
  • Nach oraler Anwendung therapeutischer Dosen sind die Plasmakonzentrationen sehr niedrig und analytisch kaum nachweisbar.
  • Die Plasmaproteinbindung von Alendronsäure beträgt beim Menschen 78 %.

Metabolismus

  • Es liegen keine Hinweise darauf vor, dass Alendronsäure beim Menschen oder im Tier metabolisiert wird.

Elimination

  • Nach intravenöser Gabe von radioaktiv markiertem Alendronat werden ca. 50 % der verabreichten Radioaktivität innerhalb von 72 Stunden über den Urin ausgeschieden.
  • In den Faeces wird keine oder nur sehr geringe Radioaktivität wiedergefunden.
  • Nach intravenöser Gabe einer Einzeldosis von 10 mg beträgt die renale Clearance 71 ml/Minute.
  • Die systemische Clearance liegt bei maximal 200 ml/min.
  • Nach intravenöser Anwendung sinken die Plasmakonzentrationen innerhalb von sechs Stunden um mehr als 95 %.
  • Die terminale Halbwertszeit wird beim Menschen aufgrund der langsamen Freisetzung aus dem Skelett auf über zehn Jahre geschätzt.
  • Alendronsäure wird nach tierexperimentellen Daten nicht über das saure oder basische renale Transportsystem ausgeschieden. Daher ist nicht davon auszugehen, dass der Wirkstoff beim Menschen die Ausscheidung anderer Arzneimittel über diese Transportsysteme beeinflusst. 

Dosierung

Zur Behandlung der postmenopausalen Osteoporose beträgt die empfohlene Dosis entweder 10 mg Alendronsäure einmal täglich oder 70 mg einmal wöchentlich. Die 70-mg-Dosierung wird als Wochentablette angewendet.

Bei Männern mit Osteoporose beträgt die empfohlene Dosierung 10 mg Alendronsäure einmal täglich.

Zur Behandlung und Prävention einer Glukokortikoid-induzierten Osteoporose wird bei postmenopausalen Frauen, die keine Hormonersatztherapie mit einem Östrogenpräparat erhalten, eine Dosierung von 10 mg Alendronsäure einmal täglich empfohlen.
glich der Unbedenklichkeit keine ausreichenden Daten zur Verfügung stehen.

Nebenwirkungen

Die Therapie mit Alendronat kann zu vielfältigen Nebenwirkungen führen. Es folgt eine Auflistung der Nebenwirkungen entsprechend ihrer Häufigkeit:

Sehr häufig (>1/10):

Muskuloskelettale Schmerzen.

Häufig (>1/100, <1/10):

  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Bauchschmerzen
  • Dyspepsie
  • Verstopfung und Diarrhoe
  • Blähungen
  • Dysphagie
  • Ösophageales Ulkus
  • Saures Aufstoßen
  • Alopezie
  • Pruritus
  • Gelenkschwellungen
  • Asthenie
  • peripheres Ödem.

Gelegentlich (>1/1.000, <1/100):

  • Augenentzündungen (Uveitis, Skleritis, Episkleritis)
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Gastritis
  • Ösophagitis
  • Ösophageale Erosionen
  • Melaena
  • Hautausschlag, Erythem
  • Vorrübergehende Symptome einer Akuten-Phase-Reaktion (Myalgie, Unwohlsein, Fieber).

Selten (>1/10.000, <1/1.000):

  • Überempfindlichkeitsreaktionen einschließlich Urtikaria und Angioödem
  • Symptomatische Hypocalciämie
  • Ösophagusstriktur
  • Oropharyngeale Ulzerationen
  • Perforationen
  • Ulzera
  • Blutungen im oberen Gastrointestinaltrakt
  • Ausschlag mit Photosensitivität
  • Schwere Hautreaktionen inklusive Stevens-Johnson-Syndrom und toxische epidermale Nekrolyse
  • Osteonekrose des Kiefers
  • Atypische subtrochantäre und diaphysäre Femurfrakturen.

Sehr selten (<1/10.000):

  • Knochennekrose des äußeren Gehörganges.

Wechselwirkungen

Die Resorption von Alendronat kann durch Nahrungsmittel und Getränke (inklusive Mineralwasser), Calcium-Ergänzungsmittel, Antacida und einige orale Arzneimittel reduziert werden, wenn sie zur gleichen Zeit eingenommen werden. Daher wird empfohlen, nach der Einnahme von Alendronat 30 Minuten zu warten, bevor andere Arzneimittel eingenommen werden.

Weitere klinisch relevante Wechselwirkung zwischen Alendronat und anderen Arzneimittel sind nicht bekannt.

Kontraindikation

Die Anwendung von Alendronsäure ist kontraindiziert bei:

  • Überempfindlichkeit oder Allergie gegen den Wirkstoff
  • Erkrankungen oder Veränderungen des Ösophagus, die die Entleerung verzögern können, beispielsweise Strikturen oder Achalasie.
  • Unfähigkeit, mindestens 30 Minuten aufrecht zu stehen oder zu sitzen.
  • Hypocalcämie.

Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft sollte Alendronat nicht verwendet werden, da keine ausreichenden Daten bezüglich der Anwendung bei schwangeren Frauen vorliegen.

Stillzeit

Das Präparat sollte während der Stillzeit nicht angewendet werden, da nicht bekannt ist, ob Alendronat in die Muttermilch übergeht.

Verkehrstüchtigkeit

Es liegen keine Studien zu den Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit bzw. das Bedienen von Maschinen vor. Bestimmte Nebenwirkungen von Alendronat können jedoch die Verkehrstüchtigkeit bzw. das Bedienen von Maschinen einschränken.

Anwendungshinweise

  • Reizungen des oberen Gastrointestinaltrakts: Alendronsäure kann die Schleimhäute des oberen Gastrointestinaltrakts lokal reizen. Bei aktiven gastrointestinalen Erkrankungen wie Dysphagie, Ösophaguserkrankungen, Gastritis, Duodenitis oder Ulzera ist besondere Vorsicht erforderlich.
  • Schwere gastrointestinale Vorerkrankungen: Bei kürzlich aufgetretenen schweren gastrointestinalen Erkrankungen, etwa peptischem Ulkus, aktiver gastrointestinaler Blutung oder Operationen am oberen Gastrointestinaltrakt, soll Alendronsäure nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung angewendet werden.
  • Barrett-Ösophagus: Bei Patienten mit bekanntem Barrett-Ösophagus ist vor der Verordnung individuell zu prüfen, ob der erwartete Nutzen die möglichen Risiken überwiegt.
  • Einnahmevorschriften: Das Risiko schwerer ösophagealer Nebenwirkungen ist erhöht, wenn Alendronsäure nicht korrekt eingenommen oder trotz Symptomen einer Ösophagusreizung weiter angewendet wird. Die Einnahmehinweise müssen daher sorgfältig erklärt und verstanden werden.
  • Osteonekrose des Kiefers: Unter Bisphosphonaten wurden Osteonekrosen des Kiefers beschrieben, insbesondere im Zusammenhang mit Zahnextraktionen oder lokalen Infektionen einschließlich Osteomyelitis. Fälle traten auch bei Osteoporosepatienten unter oraler Bisphosphonattherapie auf.
  • Risikofaktoren für Kieferosteonekrose: Zu berücksichtigen sind unter anderem die Potenz des Bisphosphonats, Applikationsart, kumulative Dosis, Krebserkrankungen, Chemotherapie, Strahlentherapie, Kortikosteroide, Rauchen, Zahnerkrankungen, schlechte Mundhygiene, Parodontitis, invasive zahnärztliche Eingriffe und schlecht sitzender Zahnersatz.
  • Zahnärztliche Untersuchung: Bei Patienten mit schlechter Zahngesundheit soll vor Beginn der Behandlung eine zahnärztliche Untersuchung mit geeigneten präventiven Maßnahmen erwogen werden.
  • Zahnärztliche Eingriffe: Während der Behandlung sollen invasive kieferchirurgische Eingriffe nach Möglichkeit vermieden werden. Entwickelt sich eine Kieferosteonekrose, kann ein kieferchirurgischer Eingriff zu einer Verschlechterung führen.
  • Muskel- und Skelettschmerzen: Unter Bisphosphonaten wurden Knochen-, Gelenk- und Muskelschmerzen berichtet. Diese können selten schwerwiegend sein und die Beweglichkeit einschränken. Die Beschwerden können innerhalb eines Tages bis mehrere Monate nach Therapiebeginn auftreten.
  • Wiederauftreten von Schmerzen: Bei den meisten Patienten besserten sich die Beschwerden nach Absetzen. Bei erneuter Anwendung desselben oder eines anderen Bisphosphonats können die Symptome erneut auftreten.
  • Knochennekrose des äußeren Gehörgangs: Unter Bisphosphonaten wurde vor allem bei Langzeitbehandlung über Knochennekrosen des äußeren Gehörgangs berichtet. Mögliche Risikofaktoren sind Steroidtherapie, Chemotherapie, lokale Infektionen oder Traumata.
  • Ohrsymptome: Bei Patienten unter Bisphosphonaten mit Ohrbeschwerden, insbesondere chronischen Ohrinfektionen, soll eine Knochennekrose des äußeren Gehörgangs differenzialdiagnostisch berücksichtigt werden.
  • Atypische Femurfrakturen: Unter Bisphosphonaten wurden atypische subtrochantäre und diaphysäre Femurfrakturen beschrieben, vor allem bei Langzeitbehandlung der Osteoporose. Diese Frakturen können ohne oder nach nur geringem Trauma auftreten.
  • Prodromalsymptome: Oberschenkel-, Hüft- oder Leistenschmerzen können Wochen bis Monate vor einer vollständigen Femurfraktur auftreten. Patienten sollen angewiesen werden, solche Beschwerden zu melden.
  • Eingeschränkte Nierenfunktion: Alendronsäure wird bei Patienten mit Niereninsuffizienz und einer glomerulären Filtrationsrate unter 35 ml/min nicht empfohlen.
  • Andere Osteoporoseursachen: Neben Östrogenmangel und Alter sollen weitere mögliche Ursachen einer Osteoporose berücksichtigt werden.
  • Hypocalcämie: Eine bestehende Hypocalcämie muss vor Beginn der Behandlung korrigiert werden.
  • Störungen des Mineralstoffwechsels: Erkrankungen wie Vitamin-D-Mangel oder Hypoparathyreoidismus sollen vor beziehungsweise während der Behandlung angemessen therapiert werden.
  • Calcium- und Phosphatabfall: Durch die Stimulation der Knochenmineralisation können Serumcalcium und Serumphosphat abnehmen. Dies betrifft besonders Patienten unter Glukokortikoidtherapie, da die Calciumresorption vermindert sein kann.
  • Calcium und Vitamin D: Eine ausreichende Versorgung mit Calcium und Vitamin D ist sicherzustellen, besonders bei Patienten unter Glukokortikoiden.

Alternativen

Als Alternative stehen andere Bisphosphonate zur Verfügung, wie beispielsweise Ibandronat, Zolendronat oder Risedronat. Ibandronat kann zusätzlich zur oralen Darreichungsform auch intravenös injiziert werden. Ferner stehen zur Osteoporosetherapie Bazodoxifen, Denosumab, Östrogene, Teriparatid und Raloxifen gemäß der Osteoporoseleitlinie zur Verfügung. Für nähere Informationen wird auf die Leitlinie verwiesen.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
249.1 g·mol-1
Q0-Wert:
0.0
Quelle:
  1. Freissmuth et al. (2020): Pharmakologie und Toxikologie. Springer.
  2. Scholz et al. (2005): Taschenbuch der Arzneibehandlung. Springer.
  3. Fachinformationen des Alendronsäure-Herstellers Heumann (Alendronsäure Heumann 10 mg Tabletten)  
  4. Fachinformationen des Alendronsäure-Herstellers ratiopharm (Alendronsäure-ratiopharm 70 mg Tabletten) 
  5. Leitlinie „Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen und bei Männern“ (Stand 2019)

Hinweis: Bei der Recherche, Strukturierung oder Erstellung dieses Beitrags können KI-gestützte Werkzeuge unterstützend eingesetzt worden sein. Die fachliche Verantwortung, Quellenprüfung und redaktionelle Freigabe erfolgen durch Autor:innen und Redaktion.

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