Amfepramon

Amfepramon ist ein Appetitzügler, der durch Stimulation des zentralen Nervensystems den Appetit unterdrückt. Es wird zur kurzzeitigen Behandlung von Adipositas eingesetzt, indem es die Freisetzung von Noradrenalin fördert und somit das Sättigungsgefühl verstärkt.

Amfepramon

Anwendung

 Im Oktober 2022 empfahl die Europäische Arzneimittelagentur (EMA), die Zulassung Amfepramon-haltiger Arzneimittel zur Gewichtsreduktion europaweit zurückzuziehen.

Wirkmechanismus

Amfepramon zählt zur Wirkstoffgruppe der indirekten Alpha-Sympathomimetika. Es entfaltet aktivierende Wirkung durch Bindung an Alpha-Rezeptoren des zentralen Nervensystems. Dadurch kommt es unter anderem zu einer erhöhten Ausschüttung der Neurotransmitter Dopamin und Noradrenalin, die den appetitmindernden Effekt erklären soll.

Dosierung

Amfepramon wurde als Tablette mit verlängerter Freisetzung mit 75 mg einmal täglich, morgens, angewendet.

Anwendungsdauer

Die Behandlungsdauer mit Amfepramon beträgt in der Regel 4 bis 6 Wochen und sollte nicht länger als drei Monate andauern. Wenn nach 3 bis 4 Wochen keine Gewichtsabnahme beobachtet wird, sollte die Therapie abgebrochen werden. Zeigt sich jedoch während dieser Zeit eine kontinuierliche Gewichtsreduktion, sollte das Medikament trotzdem nicht länger als insgesamt 12 Wochen eingenommen werden.

Kontraindikationen

Amfepramon darf nicht angewendet werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • pulmonaler Hypertonie
  • schwerer arterieller Hypertonie
  • kardiovaskulären oder zerebrovaskulären Erkrankungen
  • Anorexia nervosa und Depressionen
  • Neigung zu Arzneimittelmissbrauch, bestehender Medikamenten-, Drogen- oder Alkoholabhängigkeit
  • Kindern unter 12 Jahren
  • Schilddrüsenüberfunktion
  • Phäochromozytom
  • Engwinkelglaukom
  • Anwendung von anderen zentral wirksamen Appetitzüglern

Schwangerschaft/Stillzeit

Amfepramon darf während der Schwangerschaft und Stillzeit nicht angewendet werden.

Verkehrstüchtigkeit

Amfepramon kann selbst bei bestimmungsgemäßer Anwendung das Reaktionsvermögen so stark beeinträchtigen, dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen eingeschränkt wird. Diese Beeinträchtigung verstärkt sich noch in Kombination mit Alkohol.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Amfepramon zu beachten:

  • Lungenhochdruck: Es wurden Fälle von schwerem, oft tödlichem Lungenhochdruck (pulmonale arterielle Hypertonie) bei Patienten berichtet, die Amfepramon eingenommen hatten.
  • Behandlungsrichtlinien: Angaben zum Anwendungsgebiet und zur Behandlungsdauer müssen genau beachtet werden.
  • Behandlungsdauer und BMI: Eine Behandlungsdauer über drei Monate und ein BMI von 30 oder mehr erhöhen das Risiko für Lungenhochdruck.
  • Atemnot bei Belastung: Auftreten oder Verschlimmerung von Atemnot bei Belastung deutet auf Lungenhochdruck hin und erfordert sofortigen Abbruch der Behandlung und fachärztliche Untersuchung.
  • Gewöhnung und Abhängigkeit: Längere Behandlungsdauer kann zu Gewöhnung und Abhängigkeit führen; selten auch zu schweren psychischen Störungen.
  • Herz- und Gefäßzwischenfälle: Kardiale und zerebrovaskuläre Zwischenfälle, besonders bei schneller Gewichtsabnahme, wurden berichtet. Übergewichtige Patienten sollten eine allmähliche Gewichtsabnahme anstreben.
  • Kontraindikation bei Herz-Kreislauf- und Gehirnerkrankungen: Nicht bei Patienten mit bekannten Herz-Kreislauf- oder Gehirnerkrankungen anwenden.
  • Vorsicht bei Epilepsie: Patienten mit Epilepsie sollten sorgfältig überwacht werden; Dosistitration oder Absetzen des Medikaments kann erforderlich sein.
  • Abruptes Absetzen: Nach längerem hochdosiertem Gebrauch kann abruptes Absetzen zu Erschöpfung und Depression führen.
  • Spezielle Erkrankungen: Bei Bluthochdruck, Herzkrankheiten, Epilepsie, Prostataerkrankungen mit Restharnbildung sowie Stoffwechselerkrankungen (Diabetes mellitus) nur mit besonderer Vorsicht anwenden.
  • Dopingkontrollen: Anwendung kann zu positiven Dopingtests und gesundheitlichen Risiken führen.

Alternativen

Die wirksamsten Arzneimittel zur Behandlung von Übergewicht sind Inkretinmimetika, welche die Wirkung von im Darm gebildeten Inkretinen wie dem Glucose dependent Insulinotropic Peptide (GIP) oder dem Glucagon-like Peptide 1 (GLP-1) nachahmen. 

Innerhalb dieser Wirkstoffgruppe sind bisher Semaglutid, Liraglutid und Tirzepatid zugelassen.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
205.3 g·mol-1
Kindstoff(e):
Autor:
Stand:
29.05.2024
Quelle:

Fachinformation Tenuate

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