Amisulprid
Amisulprid ist ein atypisches Antipsychotikum, das vorrangig durch die Blockade von Dopamin-D2- und D3-Rezeptoren im limbischen System wirkt. Es findet Anwendung bei der Behandlung von Schizophrenie und schizoaffektiven Störungen, indem es sowohl positive als auch negative Symptome reduziert.
Amisulprid: Übersicht

Anwendung
Amisulprid ist indiziert für die Behandlung von akuten und chronischen schizophrenen Störungen bei:
- produktiven Zuständen mit Wahnvorstellungen, Halluzinationen, Denkstörungen,Feindseligkeit, Misstrauen
- primär negativen Zuständen (Defektsyndrom) mit Affektverflachung, emotionalem und sozialem Rückzug
Wirkmechanismus
Eine hyperaktive Dopaminübertragung in den mesolimbischen Bereichen oder eine Dopamin-Dysregulation wird als Hauptursache für positive und negative Symptome der Schizophrenie angesehen. Amisulprid ist ein selektiver Dopamin-D2- und D3-Rezeptor-Antagonist. Es zeigt eine hohe bevorzugte Aktivität gegenüber Dopaminrezeptoren im limbischen System im Vergleich zum Striatum, was zu einem geringeren Risiko von extrapyramidalen Nebenwirkungen im Vergleich zu anderen atypischen Antipsychotika führt.
Bei niedrigen Dosen reduziert Amisulprid negative Symptome der Schizophrenie durch Blockierung präsynaptischer Dopamin-D2- und D3-Rezeptoren, erhöht die Dopaminkonzentration im synaptischen Spalt und fördert die dopaminerge Übertragung.
Bei höheren Dosen blockiert Amisulprid postsynaptische Rezeptoren und hemmt die dopaminerge Hyperaktivität: Dies erklärt die Verbesserung der positiven Symptome durch das Medikament.
Dosierung
Produktive Zustände
- Standarddosierung: 400 - 800 mg täglich
- Maximaldosis: Bis zu 1200 mg täglich in Ausnahmefällen, da Verträglichkeit über 1200 mg nicht belegt
- Einnahmehinweis: Bei Tagesdosen über 400 mg sollte die Dosis auf mehrere Einnahmen verteilt werden
- Anpassung: Dosisanpassung nach individuellem Patientenansprechen, optimale Einstellung bei gemischten Symptomen
Primär negative Zustände (Defektsyndrom)
- Standarddosierung: 50 - 300 mg täglich
- Maximaldosis: Bis zu 400 mg täglich in einer Einzeldosis
- Dosierung bei besonderen Patientengruppen
Niereninsuffizienz:
- Kreatinin-Clearance 30-60 ml/min: Tagesdosis halbieren
- Kreatinin-Clearance 10-30 ml/min: Tagesdosis auf ein Drittel reduzieren
- Kreatinin-Clearance < 10 ml/min: Anwendung kontraindiziert
Nebenwirkungen
Amisulprid zählt zu den Neuroleptika mit vergleichsweise gering ausgeprägten Nebenwirkungen. So verursacht der Wirkstoff nur selten Bewegungsstörungen oder anhaltende Müdigkeit. Dennoch kommt es durchaus zu Nebenwirkungen wie Schlafstörungen, Angst oder Unruhe.
Kontraindikationen
Amisulprid darf nicht angewendet werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
- bestehenden prolaktinabhängigen Tumoren (wie z. B. hypophysäre Prolaktinome oder Brustkrebs)
- Phäochromozytom
- stark eingeschränkter Nierenfunktion (Kreatinin-Clearance unter 10 ml/min; hier liegen keine Erfahrungen vor)
- Anwendung von Levodopa
- Anwendung von Arzneimitteln, die schwerwiegende Herzrhythmusstörungen (Torsade de pointes) auslösen können
- Anwendung von Arzneimittel zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen der Klasse Ia (wie z. B. Chinidin und Disopyramid)
- Anwendung von Arzneimittel zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen der Klasse III (wiez. B. Amiodaron und Sotalol)
- Anwendung anderer Arzneimittel, wie z. B. Bepridil, Cisaprid, Thioridazin, Methadon, intravenöse Gabe von Erythromycin, intravenöse Gabe von Vincamin, Halofantrin, Pentamidin, Sparfloxacin, Imidazol-Antimykotika
- Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Amisulprid zu beachten:
- Malignes neuroleptisches Syndrom: Kann lebensbedrohlich sein; bei Symptomen wie hohem Fieber und Muskelsteifheit sofort absetzen.
- Parkinson-Krankheit: Vorsicht bei Anwendung, kann Symptome verschlechtern.
- QT-Intervall-Verlängerung: Dosisabhängige Verlängerung möglich; vor Behandlung Risikofaktoren wie Elektrolytstörungen prüfen.
- Erhöhte Mortalität bei älteren Menschen mit Demenz: Nicht für die Behandlung von Demenz-bedingten Verhaltensstörungen zugelassen.
- Zerebrovaskuläre Ereignisse: Vorsicht bei Patienten mit Schlaganfallrisiko.
- Thromboembolie-Risiko: Venöse Thromboembolie-Risikofaktoren vor und während der Behandlung identifizieren.
- Hyperprolaktinämie: Überwachung bei Patienten mit Brustkrebs in der Vorgeschichte.
- Lebertoxizität: Bei Anzeichen wie Gelbsucht sofort melden.
- Hyperglykämie: Blutzucker bei Diabetikern oder Risikopatienten überwachen.
- Epilepsie: Vorsicht bei bekannter Epilepsie; Überwachung nötig.
- Nierenfunktion: Dosisanpassung bei eingeschränkter Nierenfunktion.
- Anwendung bei älteren Patienten: Vorsicht wegen Hypotension und Sedierung.
- Entzugserscheinungen: Möglich nach abruptem Absetzen.
- Blutbildveränderungen: Bei Infektionen oder Fieber hämatologische Untersuchung durchführen.
Wirkstoff-Informationen
- Fachinformation Amisulprid neuraxpharm
- Geisslinger, Gerd, et al. "Mutschler Arzneimittelwirkungen."
- Steinhilber, Dieter, Manfred Schubert-Zsilavecz, and Hermann Roth. "Medizinische Chemie."
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