Amylase

Amylase unterstützt als Bestandteil von Pankreasenzympräparaten die Verdauung bei exokriner Pankreasinsuffizienz – etwa bei chronischer Pankreatitis, Mukoviszidose oder nach Pankreasresektion – durch Spaltung von Stärke in kleinere Zuckerbausteine.

Anwendung

Amylase ist in Kombination mit anderen Pankreasenzymen wie Lipase und Protease indiziert bei Störungen der exokrinen Pankreasfunktion, die mit einer Maldigestion einhergehen.

Anwendungsart

Amylase wird oral eingenommen. Die Tabletten oder Kapseln sollen unzerkaut und mit reichlich Flüssigkeit geschluckt werden, idealerweise zur Mitte der Mahlzeit. Ein Zerkauen der Präparate ist zu vermeiden, da die Enzymwirkung dadurch beeinträchtigt werden kann und freigesetzte Enzyme die Mundschleimhaut reizen oder schädigen könnten.

Wirkmechanismus

Amylase ist ein Verdauungsenzym, dessen Hauptfunktion darin besteht, glukosehaltige Polysaccharide wie Stärke rasch in kleinere Oligosaccharide und Disaccharide zu spalten.
Bei Erkrankungen wie der chronischen Pankreatitis bleibt die Aktivität der Amylase meist weitgehend erhalten, sodass die Spaltung von Nahrungspolysacchariden oft weiterhin effektiv erfolgt. Die amylolytische Aktivität ist vor allem bei der Behandlung der Mukoviszidose von Bedeutung, da hier eine umfassendere Unterstützung der Kohlenhydratverdauung notwendig ist.

Pharmakokinetik

Resorption

  • Präparate, die Amylase enthalten, werden nicht resorbiert.
  • Ein magensaftresistenter Überzug der Enzym-Präparate schützt die Enzyme während der Magenpassage vor der Inaktivierung durch Magensäure.
  • Nach Erreichen des neutralen bis leicht basischen pH-Wertes im Dünndarm löst sich die Schutzschicht auf und die Enzyme werden freigesetzt.

Metabolismus

  • Der größte Teil des Amylase-Proteins wird durch die Verdauungssäfte oder bakteriell abgebaut und denaturiert.

Elimination

  • Nicht abgebautes Amylase-Protein wird zusammen mit den Fäzes ausgeschieden.

Dosierung

  • Präparate, die Amylase enthalten, werden in der Regel in Kombination mit den Pankreasenzymen Lipase und Protease verabreicht.
  • Die Dosierung ist dabei abhängig von den individuellen Bedürfnissen, der Schwere der Erkrankung und der Zusammensetzung der Mahlzeit. 
  • Richtdosis pro Mahlzeit: Als Richtwert für die Dosistitration der Pankreasenzyme dient der Lipase-Anteil pro Mahlzeit. Dieser sollte bei 20.000 bis 40.000 Ph. Eur.-Einheiten Lipase liegen, was einem Amylase-Anteil von etwa 15.000 bis 30.000 Ph. Eur.-Einheiten entspricht.
  • Anpassung: Eine Erhöhung der Dosis erfolgt nur unter ärztlicher Aufsicht und orientiert sich an der Symptomkontrolle (z. B. Reduktion von Steatorrhoe oder Bauchschmerzen).
  • Tageshöchstdosis: 15.000 bis 20.000 Ph. Eur.-Einheiten Lipase pro kg Körpergewicht. Diese sollte insbesondere bei Mukoviszidose-Patienten eingehalten werden.
  • Kinder: Die Dosierung für Kinder und Jugendliche sollte in enger Absprache mit einem fachkundigen Arzt erfolgen.

Nebenwirkungen

Zu den häufigen Nebenwirkungen, die während einer Therapie mit Amylase auftreten können, zählen:

  • Bauchschmerzen
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Obstipation
  • Völlegefühl
  • Diarrhö

Die vollständigen Angaben können der jeweiligen Fachinformation entnommen werden.

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Amylase zu beachten: 

  • Folsäure: Die Aufnahme von Folsäure kann vermindert sein; gegebenenfalls ist eine zusätzliche Folsäurezufuhr notwendig.
  • Acarbose und Miglitol: Die blutzuckersenkende Wirkung dieser oralen Antidiabetika kann durch gleichzeitige Einnahme abgeschwächt werden.

Kontraindikationen

Die Anwendung von Amylase ist generell kontraindiziert bei: 

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • akuter Pankreatitis und akutem Schub einer chronischen Pankreatitis während der floriden Erkrankungsphase. In der Abklingphase während des diätetischen Aufbaus ist jedoch gelegentlich die Gabe bei weiterhin bestehenden Verdauungsstörungen sinnvoll.

Schwangerschaft

Aufgrund unzureichender Daten und Erfahrungen sollte Amylase während der Schwangerschaft nur eingenommen werden, wenn es unbedingt erforderlich ist, da das Risiko für mögliche Auswirkungen auf Schwangerschaft, embryonale oder fetale Entwicklung, Geburt und nachgeburtliche Entwicklung unbekannt ist.

Stillzeit

Es liegen keine ausreichenden Daten zur Anwendung bei stillenden Frauen vor, weshalb das potenzielle Risiko für das gestillte Kind unbekannt ist.

Verkehrstüchtigkeit

Amylase hat keinen oder nur einen zu vernachlässigenden Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen.

Anwendungshinweise

Bei der Anwendung von Amylase sind folgende Warnhinweise zu beachten:

  • Fibrosierende Kolonopathie: Bei Patienten mit Mukoviszidose kann nach der Einnahme hoher Dosen von Verdauungsenzymen eine Verengung der Ileozökalregion oder des Colon ascendens (fibrosierende Kolonopathie) auftreten. Bei ileusähnlichen Symptomen sollte diese Möglichkeit berücksichtigt werden.
  • Gefahr von Schleimhautschädigungen: Bei Freisetzung der Enzyme in der Mundhöhle, etwa durch Zerkauen der Tabletten, können Ulzerationen der Mundschleimhaut entstehen. Daher sollten Amylase-haltige Präparate stets unzerkaut geschluckt werden.
  • Erhöhte Harnsäureausscheidung: Unter der Einnahme hoher Dosen kann bei Mukoviszidose-Patienten die Harnsäureausscheidung im Urin steigen. Zur Vermeidung von Harnsäuresteinen wird eine regelmäßige Kontrolle empfohlen.
  • Vorsicht bei ungewöhnlichen Bauchbeschwerden: Besonders bei Patienten, die mehr als 10.000 Ph. Eur.-Einheiten Lipase pro Kilogramm Körpergewicht täglich einnehmen, sollten ungewöhnliche abdominelle Beschwerden sorgfältig abgeklärt werden, um eine Schädigung des Darms auszuschließen.

Alternativen

Alternative Therapieoptionen bei exokriner Pankreasinsuffizienz sind:

  • Diätetische Anpassungen (z. B. fettarme Ernährung, häufige kleine Mahlzeiten)
  • Bei funktionellen Dyspepsien können zusätzlich pflanzliche Enzympräparate oder Prokinetika erwogen werden.
Autor:
Stand:
05.08.2025
Quelle:
  1. Freissmuth et al., Pharmakologie und Toxikologie, 2020, Springer.
  2. Fachinformationen ausgewählter Amylase Hersteller (z. B. Mezym F Magensaftresistent).
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