Asfotase alfa

Asfotase alfa ist ein Enzymersatztherapeutikum zur Behandlung von Folgeerscheinungen der Erbkrankheit Hypophosphatasie (HPP). HPP ist eine sehr seltene vererbte Stoffwechselerkrankung mit einem angeborenen Phosphatasemangel.

Anwendung

Asfotase alfa (Handelsname Strensiq, Hersteller: Alexion Pharmaceuticals) wird angewendet, um bei Erwachsenen und Kindern Knochenmanifestationen der Erbkrankheit Hypophosphatasie (HPP) zu behandeln, sofern sich eine Erstmanifestation im Kindes- oder Jugendalter zeigt. HPP ist eine sehr seltene, vererbte Stoffwechselerkrankung, der ein Mangel an gewebeunspezifischer alkalischer Phosphatase zugrunde liegt. Die Erkrankung ist mit einer hohen Morbidität und einer starken Minderung der Lebensqualität verbunden. Insbesondere bei Säuglingen führt Hypophosphatasie durch schwere Skelettfehlbildungen und mangelhaft entwickelte innere Organe häufig zu Atemversagen und Tod.

Asfotase alfa wurde im September 2015 als Orphan Drug in einem beschleunigten Verfahren zugelassen.

Anwendungsart

Strensiq darf nur subkutan angewendet werden und ist nicht für die intravenöse oder intramuskuläre Anwendung vorgesehen.

Wirkmechanismus

Natürliche, gewebeunspezifische alkalische Phosphatase (ALP) ist wesentlich am Knochenstoffwechsel beteiligt, indem sie anorganisches Pyrophosphat spaltet und dadurch Monophosphat zur Bildung von Hydroxylapatit zur Verfügung stellt.

Phosphat wird von den knochenbildenden Osteoblasten benötigt, um den Knochen ausreichend mit Calcium zu mineralisieren. Wenn aufgrund eines Mangels an Phosphatase nicht genügend Phosphat zur Verfügung steht, bleibt auch die Knochenmineralisierung aus. Je länger dieser Mangel anhält bzw. je früher er beginnt, desto ausgeprägter sind die Fehlbildungen von Skelett und Zähnen. Auch in inneren Organen wie Leber und Niere erfüllt die Phosphatase verschiedene Funktionen.

Durch den Mangel an Phosphatase kommt es nicht nur zur Akkumulation von anorganischem Pyrophosphat, sondern auch andere Substrate wie Pyridoxal-5´-phosphat (PLP) und Phosphoethanolamin (PEA) reichern sich an und führen zu dem breit gefächerten klinischen Bild – es kann auch zu Muskelschwäche, Gelenk- und Muskelschmerzen sowie neurologischen und gastrointestinalen Beschwerden kommen.

Asfotase alfa ist ein humanes, rekombinantes, gewebeunspezifisches alkalisches Phosphatase-Fc-Deca-Aspartat-Fusionsprotein mit enzymatischer Aktivität, das den Mangel ausgleicht und das gestörte Wachstum sowie potenziell weitere Folgen bei Hypophosphatasie normalisieren kann.

Dosierung

Für Asfotase alfa wird ein Dosierungsschema von 2 mg/kg Körpergewicht bei 3 x wöchentlicher subkutaner Injektion oder ein Dosierungsschema von 1 mg/kg Körpergewicht bei 6 x wöchentlicher subkutaner Injektion empfohlen. Die empfohlene Höchstdosis beträgt 6 mg/kg/Woche.

Nebenwirkungen

Die häufigste Nebenwirkung unter der Anwendung von Asfotase alfa sind Reaktionen an der Injektionsstelle. Auch von Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Hitzewallungen und Übelkeit als mögliche Nebenwirkungen von Asfotase alfa wurde berichtet.

Wechselwirkungen

Asfotase alfa enthält eine katalytische Domäne der gewebeunspezifischen alkalischen Phosphatase. Bei Routinemessungen der Serumspiegel der alkalischen Phosphatase können so Messwerte der alkalischen Phosphatase-Aktivität im Serum von mehreren tausend Einheiten pro Liter gemessen werden. Diese Ergebnisse dürfen jedoch nicht auf die gleiche Weise interpretiert werden wie die Werte für die Aktivität der alkalischen Phosphatase im Serum, da sich diese Enzyme in ihren Merkmalen unterscheiden.

Kontraindikationen

Asfotase alfa darf nicht angewendet werden bei schwerer oder lebensbedrohlicher Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile, wenn die Überempfindlichkeitsreaktion nicht kontrollierbar ist.

Anwendungshinweise

  • Unter der Behandlung mit Asfotase alfa sollen die Parathormon-Spiegel im Serum und die Calciumspiegel der Patienten überwacht werden.
  • Generell werden bei HPP-Patienten regelmäßige augenärztliche Untersuchungen und Ultraschalluntersuchungen der Nieren empfohlen, um eine Calcifizierung des Auges sowie Nephrokalzinose vorzubeugen bzw. adäquat reagieren zu können.
  • Bei Hypophosphatasie-Patienten unter fünf Jahren werden eine regelmäßige (u.a. mittels Funduskopie auf Anzeichen für ein Papillenödem) und eine prompte Intervention bei einer intrakraniellen Druckerhöhung empfohlen.
  • Eine unverhältnismäßige Gewichtszunahme ist unter der Therapie möglich, weshalb eine Überwachung der Ernährung empfohlen wird.

Alternativen

Asfotase alfa ist die einzige zugelassene medikamentöse Behandlung der Hypophosphatasie.

Autor:
Stand:
08.08.2025
Quelle:
  1. EMA: Fachinformation Strensiq
  2. Gemeinsamer Bundesausschuss: Nutzenbewertungsverfahren zum Wirkstoff Asfotase alfa
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