Atovaquon
Atovaquon ist ein Antiprotozoikum, das die Elektronentransportkette in den Mitochondrien von Protozoen hemmt und dadurch die ATP-Synthese stört. Es wird zur Behandlung und Prophylaxe von Pneumocystis-jirovecii-Pneumonie und in Kombination mit Proguanil zur Malariaprophylaxe verwendet.
Atovaquon: Übersicht

Anwendung
Atovaquon ist für die folgenden Indikationen zugelassen:
- Behandlung und Prophylaxe der Pneumocystis-jirovecii-Pneumonie (PCP): Insbesondere bei Patienten mit HIV/AIDS, die eine Prophylaxe oder alternative Behandlung benötigen.
- Malariaprophylaxe und -behandlung: In Kombination mit Proguanil zur Prophylaxe und Behandlung von Malaria verursacht durch Plasmodium falciparum.
Wirkmechanismus
Atovaquon ist ein Hydroxynaphthochinon, das als Antiparasitikum wirkt, indem es die mitochondriale Elektronentransportkette des Parasiten hemmt. Es bindet an das Cytochrom-bc1-Komplex, wodurch es die Elektronenübertragung von Ubihydrochinon zu Cytochrom c1 verhindert, was zu einem Zusammenbruch des mitochondrialen Membranpotentials führt. Dies führt zur Hemmung der Pyrimidin-Biosynthese, da der Parasit nicht in der Lage ist, Pyrimidine von seinem Wirt zu gewinnen, was letztendlich zum Zelltod führt. Die spezifische Bindung an das Qo-Stelle des Cytochrom-bc1-Komplexes erklärt die hohe Wirksamkeit und die Spezies-spezifische Wirkung von Atovaquon. Mutationen im Cytochrom-b-Gen, die die Struktur der Bindungsstelle verändern, können zur Resistenz gegen Atovaquon führen.
Nebenwirkungen
Folgende Nebenwirkungen sind bei der Anwendung von Atovaquon zu beachten:
Sehr häufig:
- Übelkeit
- Hautausschlag
- Juckreiz
Häufig:
- Anämie
- Neutropenie
- Hyponatriämie
- Schlaflosigkeit
- Kopfschmerzen
- Diarrhö
- Erbrechen
- Erhöhte Leberenzymwerte
- Überempfindlichkeitsreaktionen (einschließlich Angioödem, Bronchospasmus und Enge im Rachen)
- Urtikaria
- Fieber
- Gelegentlich:
Wechselwirkungen
Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Atovaquon zu beachten:
- Rifampicin und Rifabutin: Verringern den Plasmaspiegel von Atovaquon um ca. 50% bzw. 34%. Eine gleichzeitige Anwendung wird nicht empfohlen.
- Metoclopramid: Reduziert die Atovaquon-Plasmakonzentrationen um ca. 50%. Alternative antiemetische Behandlungen sollten gewählt werden.
- Efavirenz und geboosterte Protease-Inhibitoren: Reduzieren die Atovaquon-Konzentration um 75 %. Diese Kombination sollte vermieden werden.
- Tetracyclin: Verringert die Plasmakonzentration von Atovaquon.
- Etoposid:Erhöht die Plasmakonzentrationen von Etoposid und seinem Metaboliten um 8,6 % bzw. 28,4%. Vorsicht ist geboten.
- Paracetamol, Benzodiazepine, Aciclovir, Opiate, Cephalosporine, Mittel gegen Diarrhö oder Laxanzien: Führen zu einem geringen Abfall der mittleren Atovaquon-Plasmakonzentrationen (< 3 μg/ml). Der Zusammenhang ist nicht bekannt.
- Zidovudin: Reduziert die Metabolisierungsgeschwindigkeit von Zidovudin. Patienten sollten auf Nebenwirkungen überwacht werden.
- Didanosin: Reduziert die AUC für Didanosin um 24%, was klinisch nicht relevant scheint.
- Indinavir: Verringert die Cmin (23% Abnahme) und die AUC (9% Abnahme) von Indinavir. Vorsicht ist geboten, um ein Behandlungsversagen zu vermeiden.
- Keine Veränderung der Plasmakonzentrationen: Fluconazol, Clotrimazol, Ketoconazol, Antazida, systemische Kortikoide, nicht-steroidale Entzündungshemmer, Antiemetika (außer Metoclopramid) und H2-Antagonisten.
- Stark an Plasmaproteine gebundene Arzneimittel: Sollten nur mit Vorsicht zusammen mit Wellvone Suspension angewendet werden.
- Phenytoin: Keine Beeinflussung der Pharmakokinetik, des Metabolismus oder der Proteinbindung in vivo.
- In vitro-Interaktionen: Keine Plasmabindungsinteraktionen mit Chinin, Phenytoin, Warfarin, Sulfamethoxazol, Indometacin oder Diazepam festgestellt.
Schwangerschaft
Es gibt keine Erfahrungen über die Anwendung von Atovaquon während der Schwangerschaft. Schwangere Frauen sollten Atovaquon nur einnehmen, wenn der therapeutische Nutzen für die Mutter die möglichen Risiken für das ungeborene Kind überwiegt.
Stillzeit
Es ist nicht bekannt, ob Atovaquon in die Muttermilch übergeht. Daher wird empfohlen, während der Behandlung mit Atovaquon nicht zu stillen.
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Atovaquon zu beachten:
- Diarrhö: Patienten mit bestehender Diarrhö haben verringerte Atovaquon-Plasmaspiegel, was zu höherem Therapieversagen führt. Alternative Therapien sollten in Betracht gezogen werden.
- Tetracyclin: Engmaschige Überwachung bei gleichzeitiger Anwendung erforderlich.
- Efavirenz und geboosterte Protease-Inhibitoren: Anwendung sollte vermieden werden.
- Rifampicin und Rifabutin: Anwendung wird nicht empfohlen.
- Metoclopramid: Anwendung wird nicht empfohlen, alternative Antiemetika sollten gewählt werden.
- Etoposid: Atovaquon kann die Plasmakonzentrationen von Etoposid und seinen Metaboliten erhöhen
- Alternative PCP-Therapien: Keine systematischen Untersuchungen bei erfolglosen anderen PCP-Therapien oder schweren PCP-Verläufen vorhanden.
- Nicht-HIV-bedingte Immunschwäche: Keine Daten vorhanden.
- Ältere Patienten: Anwendung sollte engmaschig überwacht werden.
- Pulmonale Erkrankung: Patienten sollten auf andere Ursachen als PCP untersucht und entsprechend behandelt werden.
Wirkstoff-Informationen
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