Belimumab
Belimumab ist ein rekombinant hergestellter monoklonaler Antikörper, der als Immunsuppressivum zur Behandlung des systemischen Lupus erythematodes (SLE) eingesetzt wird. SLE ist eine seltene Autoimmunerkrankung (orphan disease), bei der durch eine Fehlregulation des Immunsystems Organsysteme geschädigt werden.
Belimumab: Übersicht
Anwendung
Belimumab (Benlysta) wird als Zusatztherapie bei erwachsenen Patienten mit aktivem, Autoantikörper-positiven systemischen Lupus erythematodes (SLE) angewendet, die trotz Standardtherapie eine hohe Krankheitsaktivität (z.B. positiver Test auf Anti-dsDNA-Antikörper und niedriges Komplement) aufweisen.
Darüber hinaus ist Belimumab in Kombination mit immunsuppressiven Basistherapien zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit aktiver Lupusnephritis indiziert.
Anwendungsform
Belimumab ist in Form von Pulver zur Herstellung eines Infusionslösungskonzentrats auf dem deutschen Markt verfügbar.
Wirkmechanismus
Belimumab ist ein rekombinanter, humaner monoklonaler Antikörper, der gezielt gegen das lösliche Zytokin B-Lymphozyten-Stimulator (BLyS), auch bekannt als BAFF (B-cell activating factor), wirkt. BLyS spielt eine zentrale Rolle in der Überlebens- und Differenzierungsregulation der B-Zellen. Indem Belimumab BLyS bindet, inhibiert es dessen Interaktion mit den Rezeptoren auf der B-Zellen-Oberfläche, speziell dem BAFF-Rezeptor (BAFF-R), dem Transmembran-Aktivator und CAML-Interaktor (TACI) sowie dem B-Zell-Maturations-Antigen (BCMA). Durch die Blockade dieser Signale verringert Belimumab die Überlebensrate der B-Zellen, insbesondere der autoreaktiven B-Zellen, die bei Autoimmunerkrankungen eine pathogene Rolle spielen. Dies führt zur Reduzierung der B-Zell-Mediierten Entzündung und Autoantikörperproduktion.
Pharmakokinetik
- Nach intravenöser Infusion wird Belimumab mit einem Gesamtverteilungsvolumen von 5,29 Litern in die Gewebe verteilt.
- Belimumab wird vermutlich durch proteolytische Enzyme zu kleinen Peptiden und einzelnen Aminosäuren abgebaut.
- Die Belimumab-Serumkonzentrationen nimmt mit einer Verteilungshalbwertzeit von etwa 1,75 Tagen und einer terminalen Halbwertzeit von 19,4 Tagen biexponentiell ab.
- Die systemische Clearance beträgt ca. 215 ml/Tag (Spanne: 69-622 ml/Tag).
Nebenwirkungen
Zu den sehr häufig auftretenden Nebenwirkungen (≥1/10) zählen:
- Bakterielle Infektionen, z.B. Bronchitis, Zystitis
- Diarrhö
- Übelkeit
Zu den häufig auftretenden Nebenwirkungen (≥ 1/100, < 1/10) zählen:
- virale Gastroenteritis, Pharyngitis, Nasopharyngitis
- Leukopenie
- Überempfindlichkeitsreaktionen
- Depression, Schlaflosigkeit
- Migräne
- Schmerzen in den Extremitäten
- Infusionsreaktionen, Fieber
Die vollständigen Angaben zu unerwünschten Arzneimittelwirkungen können der Fachinformation entnommen werden.
Wechselwirkungen
Es liegen keine spezifischen in vivo-Studien zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten vor. Chronische Entzündungen können durch erhöhte Spiegel bestimmter Zytokine die Produktion einiger CYP450-Enzyme beeinträchtigen. Ob Belimumab indirekt solche Zytokine beeinflusst, ist nicht bekannt. Daher lässt sich eine indirekte Verringerung der CYP-Aktivität durch Belimumab nicht ausschließen. Bei Patienten, die CYP-Substrate mit einem schmalen therapeutischen Fenster und individuell angepasster Dosierung einnehmen (wie Warfarin), sollte bei Beginn oder Absetzen von Belimumab eine engmaschige Überwachung in Betracht gezogen werden.
Kontraindikationen
Belimumab soll nicht angewendet werden bei einer Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff.
Schwangerschaft
Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung mit Belimumab und mindestens 4 Monate nach der letzten Behandlung eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden. Während der Schwangerschaft sollte Belimumab nicht angewendet werden, es sei denn, der potentielle Nutzen rechtfertigt das potentielle Risiko für das ungeborene Kind.
Stillzeit
Es ist nicht bekannt, ob Belimumab in die Muttermilch gelangt oder nach oraler Aufnahme vom Säugling systemisch aufgenommen wird. Bei Affenweibchen, die alle zwei Wochen eine Dosis von 150 mg/kg erhielten, wurde jedoch Belimumab in der Muttermilch nachgewiesen. Da mütterliche Antikörper (IgG) in die Muttermilch übergehen, sollte sorgfältig abgewogen werden, ob das Stillen unterbrochen oder die Behandlung mit Belimumab vermieden wird. Dabei sollte der Nutzen des Stillens für das Kind gegen den Nutzen der Therapie für die Mutter abgewogen werden.
Verkehrstüchtigkeit
Es wurden keine Studien durchgeführt, um die Auswirkungen von Belimumab auf die Fahrtüchtigkeit oder die Bedienung von Maschinen zu untersuchen. Aufgrund der pharmakologischen Eigenschaften von Belimumab werden jedoch keine negativen Auswirkungen auf solche Tätigkeiten erwartet. Bei der Beurteilung der Fähigkeit eines Patienten, Aufgaben auszuführen, die klares Urteilsvermögen sowie motorische oder kognitive Fähigkeiten erfordern, sollten jedoch sowohl der klinische Zustand des Patienten als auch das Nebenwirkungsprofil von Belimumab berücksichtigt werden.
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Belimumab zu beachten:
- Rückverfolgbarkeit: Arzneimittelbezeichnung und Chargennummer sollten dokumentiert werden, um die Rückverfolgbarkeit zu gewährleisten.
- Nicht ausreichend untersuchte Patientengruppen: Belimumab wird nicht empfohlen bei schwerem aktivem ZNS-Lupus, HIV, Hepatitis B oder C, Hypogammaglobulinämie, IgA-Mangel oder nach Organ-/Knochenmarktransplantation.
- Gleichzeitige B-Zell-Therapie: Bei der gemeinsamen Verabreichung von Rituximab und Belimumab sollte Vorsicht walten, da die Sicherheit unklar ist.
- Infusionsreaktionen und Überempfindlichkeit: Schwerwiegende, auch tödliche Reaktionen sind möglich. Die Patienten sollten überwacht und angemessen behandelt werden. Eine Prämedikation mit Antihistaminika oder Antipyretika kann erwogen werden.
- Infektionen: Belimumab kann das Risiko für Infektionen erhöhen, insbesondere bei Kindern. Es sollte nicht bei Patienten mit aktiven schweren Infektionen angewendet werden.
- Depressionen und Suizidalität: Ärzte sollten Patienten auf neue oder verschlechterte psychiatrische Symptome überwachen. Bei Auftreten sollte ein Therapieabbruch erwogen werden.
- Progressive multifokale Leukoenzephalopathie (PML): Patienten müssen auf kognitive, neurologische oder psychiatrische Symptome überwacht werden, die auf PML hindeuten könnten.
- Immunisierung: Während der Therapie und in den letzten 30 Tagen davor sollten keine Lebendimpfstoffe verabreicht werden. Belimumab könnte die Immunantwort auf Impfstoffe beeinträchtigen.
- Malignome und lymphoproliferative Erkrankungen: Vorsicht ist bei Patienten mit einer Malignom-Anamnese geboten, da Belimumab das Risiko für Krebs erhöhen kann.
Wirkstoff-Informationen
- Fachinformation Benlysta
- Sanz, Inaki, Uma Yasothan, and Peter Kirkpatrick. "Belimumab." Nature Reviews Drug Discovery 10.5 (2011): 335-337.
- Hahn, Bevra Hannahs. "Belimumab for systemic lupus erythematosus." New England Journal of Medicine 368.16 (2013): 1528-1535.
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Benlysta 120 mg Pulver zur Herstellung eines Infusionslösungskonzentrats
GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG
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Benlysta 200 mg Abacus Injektionslösung im Fertigpen
Abacus Medicine A/S
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Benlysta 200 mg axicorp Injektionslösung im Fertigpen
axicorp Pharma B.V.
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Benlysta 200 mg CC Pharma Injektionslösung im Fertigpen
CC Pharma GmbH
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Benlysta 200 mg Eurim Injektionslösung im Fertigpen
Eurim-Pharm Arzneimittel GmbH
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Benlysta 200 mg Injektionslösung im Fertigpen
GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG
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Benlysta 200 mg kohlpharma Injektionslösung im Fertigpen
kohlpharma GmbH
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Benlysta 200 mg Orifarm Injektionslösung im Fertigpen
Orifarm GmbH
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Benlysta 200 mg Paranova Injektionslösung im Fertigpen
Paranova Pack A/S
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Benlysta 400 mg Pulver zur Herstellung eines Infusionslösungskonzentrats
GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG










