Benfotiamin
Benfotiamin ist eine fettlösliche Vorstufe von Thiamin (Vitamin B1), die nach Umwandlung in aktives Thiamin als Coenzym im Kohlenhydratstoffwechsel wirkt. Es wird zur Behandlung von Vitamin-B1-Mangelzuständen und damit verbundenen Nervenerkrankungen wie diabetischer Polyneuropathie eingesetzt.
Benfotiamin: Übersicht

Anwendung
Benfotiamin ist indiziert zur Behandlung und Vorbeugung von klinischen Vitamin-B1-Mangelzuständen, die nicht durch die Ernährung ausgeglichen werden können. Dies umfasst Mangel- und Fehlernährung (wie bei Beriberi), langanhaltende parenterale Ernährung, Null-Diäten, Hämodialyse, Malabsorptionszustände und chronischen Alkoholismus (inklusive alkoholtoxischer Kardiomyopathie, Wernicke-Enzephalopathie und Korsakow-Syndrom). Zudem wird es bei erhöhtem Bedarf, wie während der Schwangerschaft und Stillzeit, und zur Behandlung von Neuropathien und kardiovaskulären Störungen, die durch Vitamin-B1-Mangel verursacht werden, eingesetzt.
Wirkmechanismus
Benfotiamin ist eine fettlösliche Vorstufe von Thiamin (Vitamin B1), die effizienter vom Körper aufgenommen wird als wasserlösliches Thiamin. Im Körper wird Benfotiamin zu Thiamin umgewandelt, das als Coenzym bei der Decarboxylierung von Alpha-Ketosäuren eine wichtige Rolle im Kohlenhydratstoffwechsel spielt. Es trägt dazu bei, den Glukosestoffwechsel zu regulieren und übermäßige Bildung von fortgeschrittenen Glykationsendprodukten (AGEs) zu verhindern. Dadurch kann es Nervenschäden, insbesondere bei diabetischer Neuropathie, und vaskulären Komplikationen entgegenwirken. Benfotiamin wirkt somit antioxidativ und neuroprotektiv.
Dosierung
Für die Dosierung von Benfotiamin gelten folgende Empfehlungen:
- Zur Vorbeugung eines Vitamin-B1-Mangels: 1-mal täglich 1 Tablette (150 mg).
- Zur Behandlung eines Vitamin-B1-Mangels: 1-2 Tabletten (150-300 mg) täglich, in seltenen Fällen auch mehr.
- Bei Polyneuropathien durch Vitamin-B1-Mangel: Anfangs mindestens 2-mal täglich 1 Tablette (150 mg), in besonderen Fällen bis zu 3-mal täglich. Nach einem Zeitraum von mindestens 3 Wochen kann die Weiterbehandlung mit 1-2 Tabletten täglich erfolgen.
Nebenwirkungen
Die Nebenwirkungen von Benfotiamin können selten Überempfindlichkeitsreaktionen wie Hautausschlag (Urtikaria) oder allergische Reaktionen umfassen. Auch gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit oder Magen-Darm-Störungen wurden in einigen Fällen berichtet. Die genaue Häufigkeit und ein kausaler Zusammenhang mit der Einnahme von Benfotiamin sind jedoch nicht vollständig geklärt.
Wechselwirkungen
Das Chemotherapeutikum 5-Fluorouracil kann die Wirkung von Thiamin (Vitamin B1) inaktivieren. Dies geschieht, weil 5-Fluoruracil die Umwandlung von Thiamin zu Thiaminpyrophosphat (der aktiven Form von Thiamin) blockiert. Diese Hemmung tritt kompetitiv auf, was bedeutet, dass 5-Fluoruracil mit Thiamin um die Bindung an das Enzym konkurriert, das für die Phosphorylierung von Thiamin verantwortlich ist. Dies kann den Effekt von Thiamin beeinträchtigen.
Kontraindikationen
Benfotiamin darf nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff.
Schwangerschaft
Während der Schwangerschaft beträgt der empfohlene Tagesbedarf an Vitamin B1 1,2 mg im zweiten Trimester und 1,3 mg im dritten Trimester. Eine höhere Dosierung sollte nur bei einem nachgewiesenen Vitamin-B1-Mangel erfolgen, da die Sicherheit höherer Dosierungen nicht belegt ist.
Wirkstoff-Informationen
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