Benralizumab

Benralizumab ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper zur Behandlung von schwerem eosinophilem Asthma, eosinophiler Granulomatose mit Polyangiitis (EGPA) und hypereosinophilem Syndrom (HES).

Anwendung

Benralizumab (Fasenra) wird angewendet:

  • Schweres eosinophiles Asthma: Add-on-Erhaltungstherapie bei erwachsenen Patienten, deren Erkrankung trotz hochdosierter inhalativer Kortikosteroide plus langwirksamer Beta-Agonisten (LABA) unzureichend kontrolliert ist.
  • Eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis (EGPA): Add-on-Therapie bei erwachsenen Patienten mit rezidivierender oder refraktärer Erkrankung.
  • Hypereosinophiles Syndrom (HES): Add-on-Therapie bei erwachsenen und jugendlichen Patienten ab 12 Jahren mit einem Körpergewicht von mindestens 35 kg mit unzureichend kontrolliertem HES ohne erkennbare, nicht-hämatologische sekundäre Ursache.

Es sollte nicht zur Behandlung von akuten Asthma-Exazerbationen angewendet werden.

Wirkmechanismus

Benralizumab ist ein anti-eosinophiler, humanisierter, afucosylierter, monoklonaler Immunglobulin G1 (IgG1)-Antikörper, der hochaffin und spezifisch an die Alpha-Untereinheit des menschlichen Interleukin-5-Rezeptors (IL-5Rα) bindet. IL-5R wird spezifisch auf der Oberfläche von Eosinophilen und Basophilen exprimiert. Durch das Fehlen von Fucose im Fc-Bereich von Benralizumab hat der Arzneistoff eine hohe Affinität zu FcγRIII-Rezeptoren auf Immuneffektorzellen. Dazu gehören die natürlichen Killerzellen (NK-Zellen). Eine dadurch verstärkte antikörperabhängige zellvermittelte Zytotoxizität (ADCC) führt zur Apoptose von Eosinophilen und Basophilen und folglich zu einer Reduktion der eosinophilen Entzündung.

Antikörper eosinophiler Krankheiten

Pharmakokinetik

Die Pharmakokinetik von Benralizumab war bei Asthmatikern nach subkutaner Gabe im Dosierungsintervall von 2–200 mg dosisabhängig. Die Resorptionshalbwertzeit nach subkutaner Gabe betrug 3,5 Tage mit einer geschätzten absoluten Bioverfügbarkeit von 59 %. Es wurden keine klinisch relevanten Unterschiede bezüglich der relativen Bioverfügbarkeit bei Verabreichung in den Bauch, Oberschenkel oder Oberarm festgestellt.

Der Abbau von Benralizumab erfolgt  durch proteolytische Enzyme, die im Körper weit verbreitet und nicht auf das Lebergewebe beschränkt sind. Benralizumab zeigte in populationskinetischer Analyse eine lineare Pharmakokinetik. Die mittlere terminale Halbwertzeit nach subkutaner Gabe betrug 15,5 Tage.

Dosierung

Die empfohlene Dosis von Benralizumab beträgt:

  • Schweres eosinophiles Asthma: 30 mg subkutan, die ersten 3 Dosen in einem Abstand von 4 Wochen und anschließend alle 8 Wochen.
  • Eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis (EGPA): 30 mg subkutan alle 4 Wochen.
  • Hypereosinophiles Syndrom (HES): 30 mg subkutan alle 4 Wochen bei erwachsenen und jugendlichen Patienten ab 12 Jahren mit einem Körpergewicht von mindestens 35 kg.

Wenn eine Injektion am geplanten Termin versäumt wird, sollte die Anwendung schnellstmöglich gemäß dem Dosierungsschema fortgesetzt werden; es darf keine doppelte Dosis angewendet werden.

Nebenwirkungen

Die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen sind Asthma und Pharyngitis. Fälle von anaphylaktischen Reaktionen unterschiedlichen Schweregrads wurden berichtet.

Nachfolgend sind die Nebenwirkungen entsprechend ihrer Häufigkeit aufgeführt:

  • Sehr häufig (≥ 1/10): Kopfschmerzen (bei EGPA und HES)
  • Häufig (≥ 1/100, < 1/10): Kopfschmerzen (bei Asthma), Pharyngitis, Überempfindlichkeitsreaktionen (z.B. Urtikaria, papulöse Urtikaria und Hautausschlag) Pyrexie, Reaktionen an der Einstichstelle (z.B. Schmerzen, Erytheme, Pruritus).
  • Nicht bekannt: Anaphylaktische Reaktionen

Wechselwirkungen

Eine Wirkung von Benralizumab auf die Pharmakokinetik gleichzeitig angewendeter Arzneimittel ist nicht zu erwarten. Studien zur Erfassung von Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln wurden nicht durchgeführt. Häufig gleichzeitig angewendete Arzneimittel sind Montelukast, Paracetamol, Protonenpumpeninhibitoren, Makrolide sowie Theophyllin/Aminophyllin. Diese hatten keine Wirkung auf die Clearance von Benralizumab bei Patienten mit Asthma.

Kontraindikationen

Gegenanzeigen sind Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen anderen Bestandteil der Arzneiformulierung.

Schwangerschaft

Es existieren nur begrenzt Daten zur Anwendung von Benralizumab bei Schwangeren. Eine Anwendung während der Schwangerschaft sollte möglichst vermieden und nur dann in Erwägung gezogen werden, wenn der zu erwartende Nutzen für die Mutter das potenzielle Risiko für das ungeborene Kind überwiegt. Da monoklonale Antikörper mit fortschreitender Schwangerschaft linear durch die Plazenta transportiert werden, ist das Risiko im zweiten und dritten Trimester der Schwangerschaft entsprechend größer.

Stillzeit

Beim Stillen ist ein Risiko für den Säugling nicht auszuschließen. Deshalb sollte unter sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung entweder das Stillen oder die Behandlung mit Benralizumab unterbrochen werden.

Anwendungshinweise

siehe Fachinformation

Alternativen

Patienten mit diagnostiziertem Asthma sollen gemäß Stufenschema (siehe Leitlinie) behandelt werden.

Zur medikamentösen Therapie des Asthmas stehen in Abhängigkeit patientenindividueller Faktoren (Alter, Erkrankungsstadium, Begleiterkrankungen) diese Alternativen zur Verfügung:

Quelle:
  1. EMA: Fachinformation Fasenra
  2. Freissmuth et al., Pharmakologie und Toxikologie, 2020, Springer
  3. Mutschler et al., Mutschler Arzneimittelwirkungen, 2019, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart
  4. NVL Asthma (4. Auflage)
  5. Fachinformation Fasenra, AstraZeneca, Stand: Juli 2026.

 

Abbildung

Adapted from „Antibody Targeting in Eosinophil-Associated Diseases”, by BioRender.com

 

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