Bictegravir

Bictegravir ist ein integrasehemmendes antiretroviraler Wirkstoff, der zur Behandlung von HIV-1-Infektionen eingesetzt wird. Es gehört zur Gruppe der Integrase-Strangtransfer-Inhibitoren und wird meist in Kombination mit anderen antiretroviralen Wirkstoffen verwendet, um die Virusreplikation zu unterdrücken und die Progression der HIV-Infektion zu verhindern.

Bictegravir

Anwendung

Bictegravir wird zur Behandlung der HIV-1-Infektion bei Erwachsenen und Jugendlichen über 12 Jahren angewendet. Es ist in fixen Kombinationstherapien mit Emtricitabin und Tenofoviralafenamid enthalten, wodurch eine hochwirksame Dreifachtherapie entsteht.

Anwendungsart

Bictegravir wird oral als einmal tägliche Tablette verabreicht, in der fixen Kombination Biktarvy® (Bictegravir/Emtricitabin/Tenofoviralafenamid). Die feste Kombination verbessert die Therapieadhärenz und minimiert das Risiko einer Resistenzentwicklung.

Wirkmechanismus

Bictegravir hemmt die HIV-Integrase, ein für die Virusreplikation essenzielles Enzym, indem es die Integration der viralen DNA in das Genom der Wirtszelle blockiert. Dadurch wird die Bildung neuer Viruskopien verhindert und die Viruslast im Körper gesenkt. Bictegravir weist eine hohe Resistenzbarriere auf und bleibt gegen viele Integrasehemmer-resistente HIV-Stämme wirksam.

Pharmakokinetik

Bictegravir wird nach oraler Gabe schnell resorbiert, mit einer maximalen Plasmakonzentration etwa 3 Stunden nach Einnahme. Es wird in der Leber primär über CYP3A4 und UGT1A1 metabolisiert und hauptsächlich über die Fäzes ausgeschieden, mit einer Eliminationshalbwertszeit von ca. 17 Stunden.

Dosierung

Die empfohlene Dosierung von Bictegravir beträgt 50 mg täglich in Kombination mit Emtricitabin (200 mg) und Tenofoviralafenamid (25 mg). Die Einnahme kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen. Eine Dosisanpassung ist bei leichter bis mäßiger Niereninsuffizienz nicht erforderlich.

Nebenwirkungen

Häufige Nebenwirkungen umfassen:

  • Gastrointestinale Beschwerden: Übelkeit, Durchfall
  • Zentrale Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, Schwindel, Schlafstörungen
  • Metabolische Effekte: Geringe Erhöhungen der Serumlipide
    Selten wurden schwere Nebenwirkungen wie Hepatotoxizität oder Überempfindlichkeitsreaktionen beobachtet.

Wechselwirkungen

Bei der Anwendung von Bictegravir sind folgende Wechselwirkungen zu beachten:

CYP3A- und UGT1A1-Interaktionen:

  • Induktoren (z. B. Rifampicin, Johanniskraut): Senken die Bictegravir-Konzentration, was zu Wirkverlust und Resistenz führen kann. Gleichzeitige Anwendung ist kontraindiziert.
  • Inhibitoren (z. B. Atazanavir): Erhöhen die Bictegravir-Konzentration, was das Risiko für Nebenwirkungen steigert. Nicht empfohlen.

P-gp- und BCRP-Interaktionen:

OCT2- und MATE1-Interaktionen:

  • Bictegravir hemmt diese Transporter, jedoch ohne klinisch relevante Effekte, z. B. bei Kombination mit Metformin. Gleichzeitige Anwendung möglich.

CYP-Enzyme:

  • Bictegravir ist kein Inhibitor oder Induktor von CYP-Enzymen, daher geringe Wechselwirkungsgefahr über diesen Weg.

Kontraindikation

Bictegravir darf nicht angewendet werden bei:

Schwangerschaft

Es gibt nur begrenzte Erfahrungen mit Bictegravir und Tenofoviralafenamid bei Schwangeren. Für Emtricitabin liegen mehr Daten vor, die kein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen zeigen. Tierstudien ergaben keine Hinweise auf gesundheitsschädliche Wirkungen.

Biktarvy sollte während der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn der Nutzen das potenzielle Risiko überwiegt.

Stillzeit

Es ist unklar, ob Bictegravir und Tenofoviralafenamid in die Muttermilch übergehen. Emtricitabin passiert nachweislich die Muttermilch. Tierstudien zeigten keine negativen Effekte auf Jungtiere. Biktarvy wird in der Stillzeit nicht empfohlen. Zur Vermeidung einer HIV-Übertragung sollten HIV-positive Frauen nicht stillen.

Verkehrstüchtigkeit

Unter der Anwendung von Bictegravir kann es zu Schwindelgefühlen kommen, die unter Umständen die Verkehrstüchtigkeit beeinträchtigen können.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung des Kombinationspräparates Biktarvy zu beachten:

  • HIV-Übertragung: Trotz erfolgreicher Therapie bleibt ein Restrisiko der Übertragung bestehen. Schutzmaßnahmen gemäß nationalen Leitlinien sind weiterhin notwendig.
  • Hepatitis-B/C-Koinfektion: Erhöhtes Risiko für schwere Leberschäden. Nach Absetzen von Biktarvy sind regelmäßige Kontrollen erforderlich, um akute Hepatitis-Exazerbationen zu erkennen.
  • Lebererkrankung: Bei bestehenden Leberproblemen kann es zu Funktionsstörungen kommen. Regelmäßige Überwachung ist empfohlen, bei Verschlechterung Therapieüberprüfung.
  • Stoffwechselveränderungen: Gewichtszunahme sowie Anstieg von Blutfett- und Blutzuckerwerten möglich. Kontrolluntersuchungen sind ratsam.
  • Mitochondriale Dysfunktion: Bei Kindern, die in der Schwangerschaft exponiert waren, können Stoffwechsel- und neurologische Störungen auftreten.
  • Immun-Reaktivierungs-Syndrom: Mögliche überschießende Immunreaktionen nach Therapiebeginn, auch Autoimmunerkrankungen wie Morbus Basedow möglich.
  • Opportunistische Infektionen: HIV bleibt trotz Therapie bestehen, das Risiko für opportunistische Infektionen bleibt.
  • Osteonekrose: Risiko für Knochenschäden, insbesondere bei Langzeit-ART oder Risikofaktoren wie Alkoholkonsum.
  • Nierenschäden: Potenzielles Risiko für Nephrotoxizität bei Langzeitanwendung; Nierenfunktion regelmäßig kontrollieren.
  • Wechselwirkungen: Keine gleichzeitige Einnahme mit Antazida, Eisenpräparaten oder bestimmten Medikamenten (z. B. Rifampicin, Carbamazepin) ohne ärztlichen Rat. Keine Kombination mit anderen antiretroviralen Therapien.

Alternativen

Zu den alternativen Integrasehemmern gehören:

  • Dolutegravir: Ähnlich wirksam, mit einem leicht erhöhten Risiko für neuropsychiatrische Nebenwirkungen wie Schlafstörungen und Depressionen.
  • Raltegravir: Gut verträglich, jedoch in der einmal täglichen Dosierung weniger resistenzrobust.
  • Elvitegravir: Erfordert pharmakologische Verstärkung mit Cobicistat, was das Risiko für Arzneimittelwechselwirkungen erhöht.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
449.38 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 17.3 H
Q0-Wert:
0.99
Kindstoff(e):
Autor:
Stand:
05.02.2025
Quelle:
  1. Fachinformation Biktarvy®
  2. Spagnuolo, Vincenzo, Antonella Castagna, and Adriano Lazzarin. "Bictegravir." Current Opinion in HIV and AIDS 13.4 (2018): 326-333.
  3. Markham, Anthony. "Bictegravir: first global approval." Drugs 78 (2018): 601-606.
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