Bornaprin
Bornaprin ist ein anticholinerger Wirkstoff, der durch die Blockade von Acetylcholin-Rezeptoren im zentralen Nervensystem wirkt. Es wird hauptsächlich zur Behandlung von Parkinson-Symptomen wie Tremor, Steifheit und Bewegungsstörungen eingesetzt.
Bornaprin: Übersicht

Anwendung
Bornaprin ist indiziert bei:
- tremordominanten Parkinsonsyndromen
- durch Neuroleptika und ähnlich wirkende Arzneimittel bedingte extrapyramidale Symptome wie Frühdyskinesien, Akathisie, Parkinsonoid
- Hyperhidrosis
Anwendungsart
Bornaprin wird in Tablettenform verabreicht, die teilbar sind und mit etwas Flüssigkeit vorzugsweise während oder nach einer Mahlzeit eingenommen werden sollten. Unerwünschte Wirkungen auf den Magen-Darm-Trakt können durch die Einnahme nach den Mahlzeiten verringert werden.
Die Dauer der Anwendung hängt von der Art und dem Verlauf der Erkrankung ab und reicht von kurzfristiger Gabe bei medikamentös bedingten extrapyramidalen Symptomen (Frühdyskinesien, Akathisie, Parkinsonoid) bis hin zur Dauermedikation beim tremordominanten Parkinson-Syndrom.
Bei Hyperhidrose kann eine situationsbezogene, kurzfristige Einnahme sinnvoll sein. Das Absetzen von Bornaprin sollte schrittweise erfolgen, da abruptes Absetzen, außer bei vitalen Komplikationen, Gegenregulationen hervorrufen kann.
Wirkmechanismus
Bornaprin ist ein zentral und peripher wirkendes Anticholinergikum, das kompetitiv an muskarinerge Acetylcholinrezeptoren, insbesondere M1-Rezeptoren, bindet. Durch die Blockade dieser Rezeptoren verhindert es die Aktivierung der Phospholipase C, was die Bildung von Inositoltrisphosphat (IP3) und Diacylglycerol (DAG) hemmt. Diese Signalkaskade führt normalerweise zur Freisetzung von intrazellulärem Calcium und zur Aktivierung von Proteinkinase C, was neuronale Erregbarkeit fördert.
Bornaprin verringert somit die cholinerge Überaktivität im zentralen Nervensystem, die bei Parkinson-Symptomen wie Tremor und Rigor eine Rolle spielt. Die zentrale Wirkung überwiegt gegenüber der peripheren, wodurch die typischen Parkinson-Symptome reduziert werden, ohne starke periphere Nebenwirkungen wie bei Atropin zu verursachen.
Pharmakokinetik
Resorption
- Maximale Plasmakonzentration nach 1-2 Stunden
- Plasmakonzentration von 9,5 bis 14,5 ng/ml nach Einmalgabe
Verteilung
- 72% an Plasmaproteine gebunden
- Große Verteilung im gesamten Körper
Elimination
- Terminale Plasmaeliminationshalbwertszeit der Substanz und Metaboliten: circa 30 Stunden
- Renale Ausscheidung: 34,5-50,2% nach 24 Stunden, 69,3-86,2% nach 5 Tagen
- Fäkale Ausscheidung: 1,3-6,2% innerhalb von 5 Tagen
Metabolismus
- Umfangreiche Metabolisierung, hauptsächlich durch Hydroxylierung am Bicyclus
- Keine Hydroxylierung am aromatischen Ring, N-Desethylierung oder Esterspaltung
- Muttersubstanz nur in geringen Mengen nachweisbar
Spezielle Hinweise zur Pharmakokinetik und therapierelevante Schlussfolgerungen
- Bioverfügbarkeit: Unterschiede zwischen Tablettenform und Referenzlösung wurden festgestellt. Klinisch könnte dies relevant sein für die Wahl der Darreichungsform bei Patienten mit eingeschränkter Resorptionsfähigkeit.
- Lange Eliminationshalbwertszeit: Hinweis auf potenzielle Akkumulation bei langfristiger Therapie. Eine vorsichtige Dosistitration ist notwendig, um Nebenwirkungen zu minimieren.
- Hohe Plasmaproteinbindung: Bei Patienten mit Veränderungen in der Proteinbindung (z. B. Lebererkrankungen, Hypalbuminämie) ist eine Dosisanpassung zu erwägen, um eine Überdosierung zu vermeiden.
- Renale Ausscheidung: Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion sollte die Dosis angepasst werden, da die renale Clearance maßgeblich für die Elimination verantwortlich ist.
Dosierung
Beispielhafte Dosierungsangaben von Bornaprin für Erwachsene pro Tag (Tagesdosis):
- Anfangsdosis (alle Anwendungsgebiete): 2 mg
- Erhaltungsdosis (allgemein): 6 – 12 mg
- Erhaltungsdosis bei Hyperhidrose: 4 – 8 mg
- Verteilung der Tagesdosis: Auf 2 – 3 Einzelgaben aufteilen
Nebenwirkungen
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen treten insbesondere zum Therapieanfang und bei zu schneller Dosissteigerung auf. Es liegen keine Häufigkeitsangaben vor. Mögliche Nebenwirkungen von Bornaprin sind:
- Erregung
- Verwirrtheit
- Schlafstörungen
- Nervosität
- Unruhe
- Schwindelgefühl
- Benommenheit
- Kopfschmerzen
- Akkommodationsstörungen
- Mydriasis mit Photophobie
- Mundtrockenheit
- Obstipation
- Dyspepsie (Verdauungsstörungen)
- Übelkeit
- Müdigkeit
Wechselwirkungen
Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Bornaprin zu beachten:
- Verstärkung anticholinerger Nebenwirkungen bei Kombination mit Psychopharmaka, Antihistaminika, Antiparkinsonmitteln und Spasmolytika.
- Verstärkte Herz-Kreislauf-Wirkungen (insbesondere AV-Überleitung) bei gleichzeitiger Einnahme von Chinidin.
- Dyskinesien können durch die Kombination mit Levodopa verstärkt werden.
- Tardive Dyskinesien, die durch Neuroleptika ausgelöst werden, können verschlimmert werden.
- Bei Spätdyskinesien kann eine anticholinerge Therapie trotz Nebenwirkungen notwendig bleiben.
- Zunahme zentralnervöser Nebenwirkungen bei gleichzeitiger Anwendung von Pethidin (Meperidin).
- Verstärkung der Alkoholwirkung durch Bornaprin.
- Antagonisierung der Wirkung von Metoclopramid und ähnlichen Medikamenten auf den Magen-Darm-Trakt.
- Bei gleichzeitiger Gabe mit trizyklischen Antidepressiva oder Sympathomimetika kann es zu schwerwiegenden anticholinergen Effekten wie paralytischem Ileus und Hyperpyrexie kommen, was eine engmaschige Überwachung und Dosisanpassung erfordert.
- Vorsicht bei gleichzeitiger Anwendung von Monoaminooxidasehemmern (MAO-Hemmern) aufgrund begrenzter Erfahrung.
Kontraindikationen
Bornaprin darf nicht angewendet werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile
- Engwinkelglaukom
- Mechanischen Stenosen im Magen-Darm-Kanal
- Megakolon
- Ileus
- Gedächtnisstörungen
Schwangerschaft
Die Verabreichung von Bornaprin an Schwangere sollte vermieden werden, da keine ausreichenden Daten zur Sicherheit vorliegen.
Stillzeit
Anticholinergika können die Laktation hemmen. Obwohl keine spezifischen Daten zur Ausscheidung von Bornaprin in die Muttermilch vorliegen, sollte die Anwendung während der Stillzeit vermieden werden.
Verkehrstüchtigkeit
Bornaprin kann durch zentrale und periphere Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Schwindel und Benommenheit die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen. Dies gilt besonders bei gleichzeitiger Einnahme mit anderen zentral wirksamen Arzneimitteln, Anticholinergika oder Alkohol.
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Bornaprin zu beachten:
- Prostataadenom:
Bornaprin sollte bei Patienten mit Prostataadenom nur mit besonderer Vorsicht verwendet werden. - Tachykardien:
Vorsicht ist geboten bei Erkrankungen, die zu Tachykardien führen können aufgrund verstärkter Herz-Kreislauf-Wirkungen. - Kinder und Jugendliche:
Es liegen keine ausreichenden Erfahrungen zur Anwendung von Bornaprin bei Kindern und Jugendlichen vor. - Ältere Patienten:
Ältere Patienten, insbesondere mit vaskulären oder degenerativen hirnorganischen Veränderungen, können empfindlicher auf den Wirkstoff reagieren. Eine vorsichtige Dosierung ist daher erforderlich. - Zerebrale Anfallsbereitschaft:
Zentralwirksame Anticholinergika wie Bornaprin können die Anfallsbereitschaft erhöhen. Bei Patienten mit erhöhter Krampfbereitschaft ist eine vorsichtige Dosierung erforderlich. - Galactose-Intoleranz, Lactase-Mangel, Glucose-Galactose-Malabsorption:
Patienten mit diesen seltenen Stoffwechselstörungen sollten Bornaprin nicht einnehmen.
Alternativen
Neben Bornaprin können auch folgende Wirkstoffe verwendet werden:
Alle genannten Alternativen sind ebenfalls anticholinerge Medikamente, die zur Behandlung von Parkinson-Symptomen und extrapyramidalem Syndrom eingesetzt werden. Sie wirken durch Blockade der muskarinischen Acetylcholinrezeptoren und helfen, die cholinerg bedingten Symptome zu lindern.
Fachinformation Sormodren 4 mg Tabletten, (letzter Aufruf: 12.09.2024).
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Sormodren 4 mg ACA Tabletten
A.C.A. Müller ADAG Pharma AG
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Sormodren 4 mg Beragena Tabletten
Docpharm GmbH
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Sormodren 4 mg Emra Tabletten
Emra-Med Arzneimittel GmbH
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Eurim-Pharm Arzneimittel GmbH
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Pharma Gerke Arzneimittelvertriebs GmbH
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Sormodren 4 mg Orifarm Tabletten
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