Bromhexin
Der Wirkstoff Bromhexin ist ein Expektorans, welches zur sekretolytischen Therapie bei bronchopulmonalen Erkrankungen eingesetzt wird. Es löst Schleim und fördert den Schleimtransport bei Husten und verschiedenen Atemwegserkrankungen.
Bromhexin: Übersicht

Anwendung
Der Wirkstoff Bromhexin gehört zur Arzneistoffklasse der Expektorantien und wird zur seketrolytischen Therapie bei akuten und chronischen bronchopulmonalen Erkrankungen, die mit einer Störung von Schleimbildung und -transport einhergehen, eingesetzt.
Anwendungsart
Als Tablette ist Bromhexin nach den Mahlzeiten mit ausreichend Flüssigkeit einzunehmen.
Bei der Anwendung von Bromhexin als Hustensaft sollte die Dosierung nach den entsprechenden Einteilungen des beigefügten Messbechers vorgenommen werden.
Wirkmechanismus
Bromhexin, ein synthetisches Analogon des pflanzlichen Wirkstoffs Vasicin, unterstützt durch seine sekretolytischen und sekretomotorischen Eigenschaften die Schleimlösung im Bronchialtrakt. Es verbessert die Husteneffizienz, fördert das Abhusten und erhöht den Anteil serösen Sekrets. Durch die Reduktion der Schleimviskosität und die Stimulierung des Flimmerepithels wird die Schleimeliminierung erleichtert. Klinisch erhöht Bromhexin zudem die Sputum- und Bronchialsekret-Konzentrationen von Amoxicillin, Erythromycin und Oxytetracyclin, wobei die klinische Bedeutung dieses Effekts unklar bleibt.
Pharmakokinetik
Der Wirkstoff Bromhexin weist im oralen Dosisbereich zwischen 8 mg und 32 mg eine dosisproportionale Pharmakokinetik auf.
Resorption
- Bromhexin wird nach oraler Gabe schnell und vollständig aus dem Gastrointestinaltrakt resorbiert.
- Die absolute Bioverfügbarkeit liegt zwischen 22,2 und 26,8%, beeinflusst durch den First-Pass-Effekt von 75-80%.
- Die gleichzeitige Einnahme von Nahrung erhöht die Plasmakonzentration von Bromhexin.
Verteilung
- Nach intravenöser Gabe verteilt sich Bromhexin im Körper mit einem Verteilungsvolumen von etwa 19 l/kg.
- Bromhexin reichert sich im Lungengewebe an und ist liquorgängig.
- Die Plasmaeiweißbindung beträgt 95%.
Metabolismus
- Bromhexin wird nahezu vollständig zu hydroxylierten Produkten und Dibromanthranilsäure metabolisiert, hauptsächlich zu N- und O-Glucuroniden umgewandelt.
Elimination
- Die Clearance liegt im Bereich des hepatischen Blutflusses.
- Nach oraler Gabe wird fast die gesamte Dosis im Urin ausgeschieden, weniger als 1% als unveränderte Muttersubstanz.
- Die terminale Halbwertszeit nach Einzeldosen beträgt 6,6 bis 31,4 Stunden.
- Es gibt keinen Hinweis auf Kumulation nach Mehrfachdosierung.
Dosierung
Tabletten
- Erwachsene und Jugendliche über 14 Jahre: 3-mal täglich 1 bis 2 Tabletten (entspricht 24 bis 48 mg Bromhexinhydrochlorid pro Tag).
- Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 14 Jahren, sowie Patienten unter 50 kg: 3-mal täglich 1 Tablette (entspricht 24 mg Bromhexinhydrochlorid pro Tag).
- Anwendungsdauer: Ohne ärztliche Anweisung nicht länger als 4 bis 5 Tage.
Hustensaft
- Erwachsene und Jugendliche über 14 Jahre: 3-mal täglich 5 bis 10 ml (entspricht 24 bis 48 mg Bromhexinhydrochlorid pro Tag).
- Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 14 Jahren, sowie Patienten unter 50 kg: 3-mal täglich 5 ml (entspricht 24 mg Bromhexinhydrochlorid pro Tag).
- Anwendungsdauer: Ohne ärztliche Anweisung nicht länger als 4 bis 5 Tage.
Nebenwirkungen
Zu den gelegentlichen Nebenwirkungen, die während einer Therapie mit Bromhexin auftreten können, zählen:
- Übelkeit
- Bauchschmerzen
- Erbrechen
- Diarrhö
- Fieber
Seltene Nebenwirkungen und Nebenwirkungen unbekannter Häufigkeit, die potenziell unter Bromhexin auftreten können, umfassen:
- Überempfindlichkeitsreaktionen einschließlich anaphylaktischen Reaktionen
- Urtikaria
- Hautausschlag einschließlich schwerer Hautausschläge wie Erythema multiforme und Stevens-Johnson-Syndrom bzw. toxische epidermale Nekrolyse
- Bronchospasmus einschließlich Dyspnoe
Wechselwirkungen
Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Bromhexin zu beachten:
- Bei gleichzeitiger Nutzung von Bromhexin und Hustenstillern kann es zu einem gefährlichen Sekretstau kommen, da der Hustenreflex eingeschränkt wird.
- Die Einnahme zusammen mit Ampicillin, Oxytetracyclin oder Erythromycin zeigt keine beeinflussenden Effekte auf die Pharmakokinetik von Bromhexin.
- Eine chemische Reaktion von Bromhexin zu Nitrosaminen im Magen ist möglich, aber es gibt keine Berichte über klinisch relevante Wechselwirkungen.
Kontraindikationen
Die Anwendung von Bromhexin ist kontraindiziert beiÜberempfindlichkeit oder Allergie gegen den Wirkstoff
Zudem ist der Wirkstoff Bromhexin aufgrund des hohen Wirkstoffgehalts nicht als Hustensaft bei Kindern unter 6 Jahren anzuwenden.
Schwangerschaft
Aufgrund der unzureichenden Studienlage sollte die Anwendung von Bromhexin während der Schwangerschaft nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen. Im ersten Trimenon ist der Einsatz von Bromhexin grundsätzlich nicht empfohlen.
Stillzeit
Da Bromhexin im Tierversuch in die Muttermilch übergeht, ist eine Anwendung des Wirkstoffs während der Stillzeit nicht empfohlen.
Verkehrstüchtigkeit
Es gibt keine Studien zur Auswirkung von Bromhexin auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen.
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Bromhexin zu beachten:
- Bei schweren Hautreaktionen wie Erythema multiforme oder Stevens-Johnson-Syndrom sollte die Anwendung sofort gestoppt und ärztlicher Rat eingeholt werden.
- Bei gestörter Bronchomotorik oder großen Sekretmengen ist Vorsicht geboten, um Sekretstau zu vermeiden.
- Bei eingeschränkter Nieren- oder schwerer Leberfunktion sollte Bromhexin nur unter besonderer Vorsicht verwendet werden.
Alternativen
Je nach Indikationsgebiet und patientenindividuellen Gegebenheiten kommen weitere Sekretolytika als Alternative in Frage:
- Acetylcystein
- Ambroxol
- S-Carboxymethylcystein
- Sobrerol
- Freissmuth et al., Pharmakologie und Toxikologie, 2020, Springer
- Scholz et al., Taschenbuch der Arzneibehandlung, 2005, Springer
- Fachinformationen des Bromhexin-Herstellers SANOFI (Bisolvon Hustensaft 8 mg/5 ml)
- Fachinformationen des Bromhexin-Herstellers SANOFI (Bisolvon Hustentabletten)
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Bisolvon® Hustensaft, 8 mg/5 ml
A. Nattermann & Cie GmbH K607
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Bisolvon® Hustentabletten, 8 mg/Tablette
A. Nattermann & Cie GmbH K607
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BROMHEXIN 8 Berlin-Chemie, 8 mg, überzogene Tabletten
Berlin-Chemie AG
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BROMHEXIN 12 BC, 12 mg/ml, Tropfen zum Einnehmen, Lösung
Berlin-Chemie AG
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Bromhexin Hermes Arzneimittel® 12 mg/ml Tropfen
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