Bromperidol

Bromperidol ist ein Butyrophenon und gehört zu der Gruppe der typischen Antipsychotika. Der Wirkstoff findet Anwendung in der Therapie von akuten, subakuten und chronischen Schizophrenien bei Erwachsenen ab 18 Jahren.

Bromperidol

Anwendung

Der Wirkstoff Bromperidol ist ein typisches Antipsychotikum, welches in der Behandlung von akuten, subakuten sowie chronischen Schizophrenien bei Erwachsenen ab 18 Jahren angewendet wird. Bei besonders ausgeprägten Erregungszuständen ist der Einsatz von Bromperidol in der Regel nicht geeignet.

Anwendungsart

Bromperidol sollte in Form von Tropfen als Einzeldosis, üblicherweise nach dem Abendessen, mit etwas Flüssigkeit eingenommen werden. Die Behandlungsdauer wird durch die Schwere des Krankheitsbildes bestimmt und die Notwendigkeit einer fortgesetzten Therapie sollte nach einigen Wochen reevaluiert werden.

Wirkmechanismus

Der Wirkstoff Bromperidol ist ein Butyrophenon-Derivat und fungiert primär als potenter Dopamin-D2-Antagonist, der ausgeprägte antipsychotische Effekte, wie die Reduktion von Wahnvorstellungen und Halluzinationen, bewirkt. Diese Wirkung resultiert vor allem aus der Dopaminblockade in mesokortikalen, limbischen und nigrostriatalen Bahnen, was auch zu extrapyramidalmotorischen Symptomen führen kann. Zusätzlich zeigt Bromperidol schwache α1-adrenerge und moderate serotonerge Aktivität an den 5-HT2-Rezeptoren, ohne anticholinerge oder antihistaminerge Effekte zu besitzen. Peripher verringert der Wirkstoff Übelkeit und erhöht die Prolaktinproduktion durch Hemmung des prolaktininhibierenden Faktors.

Pharmakokinetik

Resorption

  • Nach etwa 4 Stunden werden bei oraler Verabreichung von Bromperidol die Spitzenplasmakonzentrationen erreicht. 
  • Die absolute Bioverfügbarkeit von Bromperidol beträgt etwa 30%, was auf eine ausgeprägte präsystemische Eliminierung zurückzuführen ist.

Verteilung

  • Der Wirkstoff Bromperidol weist eine hohe Plasmaproteinbindung von über 90% auf.

Metabolismus (Biotransformation)

  • Bromperidol unterliegt einem umfangreichen Metabolismus, hauptsächlich über das Cytochrom-P450-Enzymsystem (CYP3A4), sowie durch Ketonreduktion und Glukuronidierung. Die dabei entstehenden Metaboliten sind pharmakologisch nicht aktiv.

Elimination

  • Die terminale Halbwertszeit von Bromperidol liegt im Durchschnitt bei 36 Stunden.
  • Weniger als 1% der verabreichten Dosis wird unverändert renal eliminiert.

Dosierung

  • Standarddosierung: Individuell angepasst; Start mit der niedrigsten wirksamen Dosis.
  • Erhaltungsdosis: Üblicherweise 1-10 mg täglich, Durchschnitt ist 5 mg.
  • Titration: Anpassung täglich möglich, um die gewünschten Effekte innerhalb von 3 Tagen zu erreichen.
  • Maximale Dosisanpassung: Erhöhung um maximal 10 mg pro Woche, bis zu einer täglichen Höchstdosis von 50 mg.
  • Dosisreduktion: Nach Erreichen der gewünschten Wirkung schrittweise Reduktion um 10 mg wöchentlich.
  • Anwendung bei extrapyramidalen Symptomen: Dosissenkung in Betracht ziehen.
  • Chronische Schizophrenie: Täglich 4–6 mg Bromperidol.
  • Ältere Patienten: Halbierung der Dosis.
  • Kinder und Jugendliche: Keine erwiesene Sicherheit und Wirksamkeit unter 18 Jahren.

Nebenwirkungen

Zu den sehr häufigen Nebenwirkungen, die während einer Therapie mit Bromperidol auftreten können, zählen:

  • Agitiertheit, Insomnie
  • Somnolenz, Schwindel und Akathisie
  • Extrapyramidale Störungen, Tremor und Dystonie
  • Verschwommenes Sehen
  • Tachykardie
  • Mundtrockenheit, Obstipation und Hypersalivation
  • Muskelsteifheit
  • Asthenie und Erschöpfung

Häufige Nebenwirkungen, die potenziell unter Bromperidol auftreten können, umfassen: 

  • Depression und Schlafstörung
  • Parkinsonismus und Dyskinesien
  • Sedierung, Zahnradphänomen und Ataxie
  • Okulogyre Krise
  • Bradykardie
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Sekretion aus der Brustdrüse
  • Anomales EKG und Gewichtserhöhung

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Bromperidol zu beachten:

  • QT-Intervall verlängernde Arzneimittel: Vorsicht ist geboten bei der gleichzeitigen Anwendung von Medikamenten, die das QT-Intervall verlängern.
  • Alkohol: Die Wirkung von Alkohol kann durch Bromperidol verstärkt werden und zu einer Blutdrucksenkung führen.
  • Antibiotika: Polypeptid-Antibiotika können eine Atemdepression hervorrufen, die durch Bromperidol verstärkt werden kann.
  • Elektrolythaushalt: Vorsicht bei Medikamenten, die den Elektrolythaushalt beeinflussen.
  • Leberenzym-induzierende Arzneimittel: Medikamente wie Carbamazepin können die Metabolisierung von Bromperidol beschleunigen, eine Dosisanpassung kann nötig sein.
  • CYP3A4-Inhibitoren: Itraconazol kann die Plasmakonzentration von Bromperidol erhöhen.
  • CYP2B6 und CYP3A4 Substrate: Die Wirksamkeit dieser Substrate kann durch Bromperidol verringert werden.
  • Antidepressiva: Die gleichzeitige Gabe von trizyklischen Antidepressiva kann deren Plasmaspiegel erhöhen.
  • Dopaminagonisten: Bromperidol kann die Wirkung von Dopaminagonisten wie Bromocriptin hemmen.
  • Lithium: Bei gleichzeitiger Gabe können neurotoxische Symptome verstärkt werden; es kann zu EEG-Veränderungen und erhöhtem Muskeltonus kommen.
  • Antikoagulanzien: Die Wirkung von Antikoagulanzien kann durch Bromperidol beeinflusst werden, regelmäßige Kontrollen des Gerinnungsstatus sind erforderlich.
  • Amphetamine und adrenerge Agonisten: Die Wirkung dieser Substanzen kann durch Bromperidol abgeschwächt oder verändert werden.

Kontraindikationen

Die Anwendung von Bromperidol ist kontraindiziert bei:

  •  Überempfindlichkeit oder Allergie gegen den Wirkstoff sowie die Wirkstoffgruppe (Butyrophenone)
  • Zentralnervöser Dämpfung
  • Komatösen Zuständen
  • Depressiven Erkrankungen

Schwangerschaft

Frauen im gebärfähigen Alter sollten vor Beginn der Behandlung mit Bromperidol auf eine Schwangerschaft getestet werden und während der Therapie effektive Verhütungsmethoden anwenden. Obwohl bei Ratten und Kaninchen keine teratogenen Effekte festgestellt wurden, sind die Auswirkungen auf den menschlichen Fötus nicht vollständig bekannt, da keine ausreichenden Daten vorliegen. Bei einer notwendigen Behandlung während der Schwangerschaft ist das Risiko gegen den Nutzen sorgfältig abzuwägen. Exposition gegenüber Bromperidol im letzten Trimester kann bei Neugeborenen zu schwerwiegenden Nebenwirkungen führen, daher ist eine sorgfältige Überwachung angezeigt.

Stillzeit

Es wurden extrapyramidale Symptome bei gestillten Kindern von Müttern beobachtet, die Bromperidol erhalten haben. Daher wird vom Stillen während der Behandlung mit Bromperidol abgeraten.

Verkehrstüchtigkeit

Patienten, die Fahrzeuge oder Maschinen bedienen, sollten auf das Risiko von Schläfrigkeit und verminderter Aufmerksamkeit hingewiesen werden. Die Kombination mit Alkohol kann diese Effekte verstärken.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Bromperidol zu beachten:

  • Besondere Vorsicht: Bei Patienten mit akuten Intoxikationen, hirnorganischen Erkrankungen, schwerer Hypotonie oder Erkrankungen des hämatopoetischen Systems.
  • Plötzlicher Tod: Vorsicht bei psychiatrischen Patienten unter Antipsychotika-Behandlung, da unerklärliche Todesfälle aufgetreten sind.
  • Erhöhte Mortalität: Bei älteren Menschen mit Demenz unter Antipsychotika-Behandlung wurde ein erhöhtes Mortalitätsrisiko beobachtet.
  • Zerebrovaskuläre Ereignisse: Erhöhtes Risiko bei Demenzpatienten unter atypischen Antipsychotika; Vorsicht bei Patienten mit erhöhtem Schlaganfallrisiko.
  • Thromboembolie-Risiko: Venöse Thromboembolien wurden berichtet; Risikofaktoren sollten vor und während der Behandlung überprüft werden.
  • Kardiovaskuläre Wirkungen: Vorsicht bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder bekannter QT-Verlängerung.
  • Malignes neuroleptisches Syndrom: Kann auftreten und erfordert sofortiges Absetzen der Medikation und medizinische Überwachung.
  • Tardive Dyskinesie: Langzeitanwendung kann zu unkontrollierbaren Körperbewegungen führen, besonders bei älteren Patienten.
  • Extrapyramidale Symptome: Tremor oder Akathisie können auftreten, besonders zu Behandlungsbeginn.
  • Leberfunktionsstörungen: Sorgfältige Überwachung der Leberfunktion bei Patienten mit vorbestehenden Leberproblemen ist notwendig.
  • ZNS-Effekte: Erhöhtes Risiko von Krampfanfällen bei Patienten mit Epilepsie oder anderen zentralnervösen Störungen.
  • Endokrine Wirkungen: Erhöhte Prolaktin-Ausschüttung kann zu Brusttumoren oder sexuellen Funktionsstörungen führen.
  • Notwendigkeit regelmäßiger Überwachung: Bluttests, Nieren- und Leberfunktion sowie Kreislaufkontrollen sollten regelmäßig durchgeführt werden.

Alternativen

Je nach Indikationsgebiet und patientenindividuellen Gegebenheiten kommen weitere typische Antipsychotika als Alternative in Frage: 

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
420.32 g·mol-1
Kindstoff(e):
Autor:
Stand:
30.07.2024
Quelle:
  1. Freissmuth et al., Pharmakologie und Toxikologie, 2020, Springer
  2. Scholz et al., Taschenbuch der Arzneibehandlung, 2005, Springer
  3. Fachinformationen des Bromperidol-Herstellers Janssen (IMPROMEN Tropfen 2 mg/ml Lösung) 
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1 Präparate mit Bromperidol