Brotizolam

Brotizolam ist ein kurz wirksames Benzodiazepin mit hypnotischen Eigenschaften, das über eine Modulation von GABA-Rezeptoren im ZNS wirkt, um die neuronale Erregbarkeit zu reduzieren. Es findet Anwendung in der Kurzzeitbehandlung von Schlafstörungen.

Brotizolam

Anwendung

Brotizolam wird angewendet bei Erwachsenen zur kurzzeitigen Behandlung von Ein- und Durchschlafstörungen.

Wirkmechanismus

Brotizolam gehört zur Wirkstoffgruppe der Benzodiazepine. Mit einer Wirkdauer von ungefähr 3 bis 6 Stunden gehört der Wirkstoff zu den kurz wirksamen Benzodiazepinen. Brotizolam wirkt als Agonist am GABAA-Rezeptor, einem ligandengesteuerten Chloridkanal, der in der Membran von Neuronen im Zentralnervensystem lokalisiert ist. Durch die Bindung von Brotizolam an diesen Rezeptor kommt es zur allosterischen Modulation des GABAA-Rezeptors, was die Affinität des endogenen Neurotransmitters GABA (Gamma-Aminobuttersäure) zum Rezeptor erhöht.

Die resultierende Verstärkung der GABAergen Inhibition führt zur Hyperpolarisation der Neuronenmembran, wodurch die neuronale Aktivität gedämpft wird. Dieser Mechanismus ist für die zentral dämpfenden Effekte von Brotizolam, einschließlich der hypnotischen, anxiolytischen, antikonvulsiven und muskelrelaxierenden Wirkungen, verantwortlich.
 

Benzodiazepine

Dosierung

Die empfohlene Dosis beträgt 0,125 - 0,25 mg Brotizolam einmal täglich vor dem Schlafengehen.

Nebenwirkungen

Untei der Anwendung von Brotizolam kommt es häufig zu Magen-Darm-Störungen, Benommenheit und Kopfschmerzen.

Kontraindikationen

Brotizolam darf nicht angewendet werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen Brotizolam oder andere Benzodiazepine
  • Myasthenia gravis
  • schwerer respiratorischer Insuffizienz
  • Schlaf-Apnoe-Syndrom
  • schwerer Leberinsuffizienz
  • Abhängigkeitsanamnese (Alkohol, Arzneimittel, Drogen)
  • akuter Alkohol-, Schlafmittel-, Schmerzmittel- (Opiattyp) sowie Psychopharmaka-Vergiftung (Neuroleptika, Antidepressiva, Lithium)
  • Schwangerschaft
  • Stillzeit
  • Kindern und Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahr

Verkehrstüchtigkeit

Die Einnahme von Brotizolam kann die Reaktionsfähigkeit soweit beeinträchtigen, dass das Führen von Fahrzeugen oder Bedienen von Maschinen gefährlich wird. Diese Gefahr erhöht sich, wenn gleichzeitig Alkohol oder andere zentralnervös dämpfende Mittel konsumiert werden.

Obwohl keine spezifischen Studien zu den Auswirkungen auf die Fahrtüchtigkeit oder das Arbeiten mit Maschinen vorliegen, sollten Patienten auf mögliche Nebenwirkungen wie Sedierung oder eingeschränkte psychomotorische Fähigkeiten vorbereitet sein. Diese können das Unfallrisiko im Straßenverkehr oder bei der Arbeit mit Maschinen erhöhen.

Besondere Vorsicht ist geboten, und bei Anzeichen solcher Beeinträchtigungen sollte von potenziell gefährlichen Tätigkeiten abgesehen werden, besonders wenn die Schlafdauer unzureichend war.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Brotizolam zu beachten:

  • Psychosen und Depression: Brotizolam ist nicht zur alleinigen Behandlung von Psychosen oder schweren Depressionen geeignet. Bei schwer depressiven oder suizidalen Patienten sind besondere Vorsicht und angemessene Sicherheitsmaßnahmen erforderlich, da eine vorbestehende Depression verschlimmert werden kann.
  • Psychiatrische und paradoxe Reaktionen: Insbesondere bei älteren Patienten können Reaktionen wie Unruhe, Agitiertheit, Albträume, und Halluzinationen auftreten. Bei solchen Nebenwirkungen sollte Brotizolam abgesetzt werden.
  • Abhängigkeit: Die chronische Anwendung kann zu physischer und psychischer Abhängigkeit führen, besonders bei langer Behandlungsdauer und hoher Dosierung. Entzugssymptome können nach Beendigung der Therapie auftreten.
  • Risiken bei gleichzeitiger Anwendung mit Opioiden: Die Kombination mit Opioiden kann zu schwerwiegenden Nebenwirkungen wie Sedierung, Atemdepression und sogar Tod führen. Nur unter strenger Abwägung verschreiben.
  • Alkohol: Die gleichzeitige Anwendung von Brotizolam und Alkohol kann zu erhöhter Sedierung und verminderter Aufmerksamkeit führen.
  • Toleranz: Der hypnotische Effekt von Brotizolam kann nach mehreren Wochen nachlassen.
  • Rebound-Effekt: Nach dem Absetzen von Brotizolam können die Symptome, die zur Behandlung führten, in verstärkter Form zurückkehren.
  • Behandlungsdauer: Die Behandlung sollte so kurz wie möglich sein, mit einer schrittweisen Dosisreduktion beim Absetzen, um Entzugs- und Rebound-Symptome zu minimieren.
  • Amnesie: Wie andere Benzodiazepine kann Brotizolam anterograde Amnesie verursachen.
  • Spezifische Patientengruppen: Vorsicht bei älteren Personen, Patienten mit schweren Lebererkrankungen oder einer Geschichte von Alkohol- oder Medikamentenabhängigkeit.

Alternativen

Alternativen zu Brotizolam für die Behandlung von Schlafstörungen können folgende Medikamente umfassen:

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
393.69 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 5.0 H
Q0-Wert:
1.0
Autor:
Stand:
12.03.2024
Quelle:
  1. Fachinformation Lendormin
  2. Steinhilber, Dieter, Manfred Schubert-Zsilavecz, and Hermann Roth. "Medizinische Chemie." (2017).
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