Cemiplimab
Der Antikörper Cemiplimab gehört zur pharmakologischen Klasse der Immunonkologika und wird angewendet zur Behandlung des metastasierten und lokal fortgeschrittenen kutanem Plattenepithelkarzinom. Das Medikament ist gegen den Immun-Checkpoint-Rezeptor PD-1 gerichtet und verstärkt die T-Zell-Antwort.
Cemiplimab: Übersicht
Anwendung
Der PD-1-Inhibitor Cemiplimab besitzt folgende Anwendungsgebiete:
Kutanes Plattenepithelkarzinom (CSCC)
- Monotherapie für erwachsene Patienten mit metastasiertem oder lokal fortgeschrittenem Plattenepithelkarzinom, wenn keine kurative Therapie möglich.
- Adjuvante Therapie bei erwachsenen Patienten mit hohem Rezidivrisiko nach Operation und Bestrahlung.
Basalzellkarzinom (BCC)
- Monotherapie bei erwachsenen Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Basalzellkarzinom nach Progression unter Hedgehog-Inhibitor (HHI) oder HHI Unverträglichkeit.
Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom (NSCLC)
- Monotherapie: Erstlinie bei erwachsenen Patienten mit lokal fortgeschrittenem (wenn keine definitive Radiochemotherapie möglich ist) oder metastasiertem Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom mit PD-L1-Expression ≥ 50 %, ohne EGFR/ALK/ROS1-Mutation.
- Kombination mit platinbasierter Chemotherapie: Erstlinie bei erwachsenen Patienten mit lokal fortgeschrittenem (wenn keine definitive Radiochemotherapie möglich ist) oder metastasiertem NSCLC mit PD-L1-Expression ≥ 1 %, ohne EGFR/ALK/ROS1-Mutation.
Zervixkarzinom
- Monotherapie für erwachsene Patienten mit rezidiviertem oder metastasiertem Zervixkarzinom nach Krankheitsprogression während oder nach platinbasierter Chemotherapie.
Anwendungsart
Cemiplimab soll als intravenöse Infusion über einen Zeitraum von 30 Minuten unter Verwendung eines sterilen, pyrogenfreien In-line- oder Add-on-Filters (0,2 μm bis 5 μm Porengröße) mit geringer Proteinbindung verabreicht werden.
Wirkmechanismus
Cemiplimab ist ein monoklonaler humaner IgG4-Antikörper, der an den programmed cell death-1-(PD-1-)-Rezeptor bindet und so dessen Interaktion mit PD-L1 und PD-L2 blockiert. PD-L1 und PD-L2 können auf antigenpräsentierenden Zellen und auch auf Tumorzellen und/oder anderen Zellen in der Tumor-Mikroumgebung exprimiert werden.
Die Bindung zwischen PD-1 und den Liganden PD-L1 und PD-L2 führt zu einer Unterbindung der T-Zell-Funktionen wie z. B.
- Proliferation
- Zytokinausschüttung
- zytotoxische Aktivität
Die Blockade dieser Bindung durch Cemiplimab verstärkt die T-Zell-Antwort, einschließlich der Anti-Tumor-Antwort.
Pharmakokinetik
Cemiplimab weist eine lineare und dosisproportionale Kinetik bei Dosierungsschemata von 1 mg/kg bis 10 mg/kg alle 2 Wochen und 350 mg alle 3 Wochen auf, was auf eine Sättigung des zielvermittelten Signalwegs hindeutet. Bei Dosen von 350 mg alle 3 Wochen bzw. 3 mg/kg alle 2 Wochen wurden ähnliche Expositionen gegenüber Cemiplimab beobachtet. Bei 350 mg alle 3 Wochen lag die mittlere Steady-State-Konzentration von Cemiplimab zwischen einer Cmax von 171 mg/l und einer Ctrough von 59 mg/l. Der Steady-State wird nach etwa 4 Monaten erreicht.
Resorption
- Aufgrund der wird intravenösen Anwendung von Cemiplimab ist der Antikörper vollständig bioverfügbar.
Verteilung
- Cemiplimab wird überwiegend im Gefäßsystem verteilt und weist ein Verteilungsvolumen im Steady State von 5,9 l auf.
Biotransformation
- Man geht davon aus, dass Cemiplimab zu kleinen Peptiden und einzelnen Aminosäuren abgebaut wird.
Elimination
- Bei Dosen von 1 mg/kg bis 10 mg/kg alle zwei Wochen wird Cemiplimab linear eliminiert. Die Clearance liegt initial bei 0,25 l/Tag und nimmt moderat auf 0,22 l/Tag ab. Die Abnahme der Clearance wird nicht als klinisch relevant angesehen.
- Die Clearance liegt initial bei 0,25 l/Tag und nimmt moderat auf 0,22 l/Tag ab.
Linearität/Nicht-Linearität
- Bei Dosierungsschemata von 1 mg/kg bis 10 mg/kg alle 2 Wochen zeigte sich, dass die Kinetik von Cemiplimab linear und dosisproportional war, was auf eine Sättigung des zielvermittelten Signalwegs hindeutet.
Besondere Patientengruppen
- Alter, Geschlecht, Körpergewicht, ethnische Herkunft, Krebsform, Albuminspiegel, leichte Leberfunktionsstörung und Nierenfunktionsstörung scheinen keine klinisch signifikante Auswirkung auf die Exposition gegenüber Cemiplimab zu haben.
Dosierung
Standarddosierung: 350 mg alle 3 Wochen, als i.v.-Infusion über 30 Minuten.
Behandlungsdauer: Bis Krankheitsprogression oder nicht mehr akzeptabler Toxizität.
Adjuvante Therapie beim CSCC:
- 350 mg alle 3 Wochen für 12 Wochen, danach
- 700 mg alle 6 Wochen oder weiterhin
- 350 mg alle 3 Wochen,
- insgesamt maximal 48 Wochen.
Es sind keine Dosisreduktionen vorgesehen. Nur Therapieunterbrechung oder Abbruch gemäß Schweregrad immunvermittelter Nebenwirkungen. Ausführliche Richtlinien zur Behandlung immunvermittelter Nebenwirkungen können der Fachinformation entnommen werden.
Besondere Patientengruppen
- Kinder/Jugendliche (<18 Jahre): keine Daten, keine Dosierungsempfehlung
- Ältere ≥ 75 Jahre: Daten begrenzt, aber keine Dosisanpassung notwendig
- Schwere Leber- oder Nierenfunktionsstörung: nicht untersucht bzw. unzureichende Daten
Darreichungsformen
Cemiplimab ist ein Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung (350 mg/7 ml).
Nebenwirkungen
Unter der Anwendung von Cemiplimab kam es sehr häufig (≥ 1/10) zu:
- Diarrhö
- Pruritus
- Fatigue
Immunvermittelte Nebenwirkungen traten bei ca. 21 % der Patienten auf (nicht 20,1 %).
Die häufigsten immunvermittelten Nebenwirkungen waren:
- Hypothyreose (~6,8 %)
- Hyperthyreose (~3,0 %)
- Pneumonitis (~2,6 %)
- Hepatitis (~2,4 %)
- Kolitis (~2,0 %)
- immunvermittelte Hautreaktionen (~1,9 %)
Infusionsreaktionen treten bei etwa 7 % der Patienten auf (schwer: 0,2 %).
Weiterhin sind schwere kutane Nebenwirkungen (SCARs), einschließlich Stevens-Johnson-Syndrom (SJS) und toxischer epidermaler Nekrolyse (TEN) im Zusammenhang mit der Cemiplimab-Behandlung beschrieben worden.
Wechselwirkungen
Es wurden keine pharmakokinetischen Studien zur Erfassung von Arzneimittelwechselwirkungen mit Cemiplimab durchgeführt. Aufgrund möglicher Beeinträchtigungen der pharmakodynamischen Aktivität und der Wirksamkeit von Cemiplimab sollte eine systemische Anwendung von Kortikosteroiden oder Immunsuppressiva vor Therapiebeginn mit Cemiplimab, außer physiologische Dosen systemischer Kortikosteroide (≤ 10 mg/Tag Prednison oder Äquivalent) vermieden werden. Nach Beginn der Therapie mit Cemiplimab können systemische Kortikosteroide oder andere Immunsuppressiva jedoch zur Behandlung von immunvermittelten Nebenwirkungen angewendet werden.
Kontraindikation
Cemiplimab darf nicht angewendet werden bei bekannter Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff.
Schwangerschaft
Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung und für mindestens 4 Monate nach der letzten Dosis zuverlässig verhüten.
Stillzeit
Da Antikörper (einschließlich IgG4) bekanntermaßen in die Muttermilch ausgeschieden werden, kann ein Risiko für das gestillte Neugeborene/Kind nicht ausgeschlossen werden. Während der Behandlung mit Cemiplimab und mindestens 4 Monate nach der letzten Dosis darf deshalb nicht gestillt werden
Verkehrstüchtigkeit
Cemiplimab hat keinen oder einen zu vernachlässigenden Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen. Allerdings kann die Behandlung mit Cemiplimab zu Fatigue führen, die Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen haben kann.
Anwendungshinweise
Immunvermittelte Nebenwirkungen
Unter der Anwendung von Cemiplimab wurden schwere und tödlich verlaufende immunvermittelte Nebenwirkungen beobachtet, die jedes Organsystem betreffen können. Die meisten dieser immunvermittelten Reaktionen treten bereits während der Behandlung mit Cemiplimab auf, können aber auch nach dem Absetzen auftreten.
Immunvermittelte Nebenwirkungen sollen durch Anpassungen der Cemiplimab-Behandlung, mit einer Hormonersatztherapie (falls klinisch indiziert) und mit Kortikosteroiden behandelt werden. Je nach Schweregrad der Nebenwirkung muss die Behandlung mit Cemiplimab vorübergehend unterbrochen oder dauerhaft abgesetzt werden.
Alternativen
Cemiplimab ist nach Pembrolizumab und Nivolumab der dritte verfügbare PD-1-Antikörper. Seine Indikation unterscheidet sich von denen der beiden anderen durch ein deutlich breiteres Indikationsspektrum im Bereich CSCC und BCC sowie spezielle NSCLC‑Subgruppen.
Für Patienten mit fortgeschrittenem oder metastasiertem kutanem Plattenepithelkarzinom bestand die Therapie bislang in Chemo- und EGFR-Inhibitor-Therapien, die in dieser Situation oft nicht sehr wirksam sind.
Wirkstoff-Informationen
- Fachinformation: Libtayo
- G-BA: Dossier zur Nutzenbewertunggemäß § 35a SGB V
- Trillium Krebsmedizin: Kutanes Plattenepithelkarzinom (cSCC): Checkpoint-Blockade mit Cemiplimab vielversprechend
- EMA: Fachinformation Libtayo, Stand: 10.12.2025.










