Chlortalidon

Chlortalidon ist ein langwirksames Thiazid-ähnliches Diuretikum, das die Natrium- und Chloridreabsorption in der distalen Nephronregion hemmt und so die Diurese erhöht. Es wird hauptsächlich zur Behandlung von Hypertonie und Ödemen eingesetzt, die aufgrund von Herzinsuffizienz, Leberzirrhose oder Nierenfunktionsstörungen auftreten.

Chlortalidon

Anwendung

Chlortalidon besitzt folgende Anwendungsgebiete:

  • kardiale, hepatische und nephrogene Ödeme
  • Hypertonie
  • Manifeste Herzinsuffizienz
  • Renaler Diabetes insipidus, wenn andere medikamentöse Maßnahmen nicht in Frage kommen

Wirkmechanismus

Chlortalidon gehört zur Wirkstoffgruppe der Thiazide. Der Wirkstoff blockiert in der Niere Natriumchlorid-Kanäle, über die Natrium und Chlorid für den Organismus resorbiert werden. Daraufhin ziehen die Elektrolyte aufgrund der osmotischen Wirkung Wasser aus den Zellen, das dann mit dem Harn ausgeschieden wird. Dadurch sinkt vor allem das Volumen des Blutes. In der Folge sinkt der Blutdruck und das Herz wird entlastet. Ödeme können abschwellen, da sich der Flüssigkeitshaushalt der Zellen normalisiert.

Die entwässernde Wirkung von Chlortalidon ist ähnlich stark wie die von Hydrochlorothiazid. Zu den Vorteilen des Wirkstoffes gehört, dass er die Wiederaufnahme von Calcium in den Nieren steigert. Deshalb brauchen Patienten bei dieser Form der Entwässerung keine calciumhaltigen Tabletten einzunehmen.

Pharmakokinetik

  • Chlortalidon wird langsam aus dem Verdauungstrakt aufgenommen, mit einer Resorptionszeit von etwa 2,6 Stunden.
  • Nach einer oralen Dosis von 50 mg beträgt die systemische Verfügbarkeit rund 64% und die maximalen Plasmaspiegel werden in der Regel nach 8-12 Stunden erreicht.
  • Das Medikament bindet zu etwa 75% an Plasmaproteine und hat ein Verteilungsvolumen von 4 l/kg.
  • Ein großer Teil des Chlortalidons ist an Erythrozyten und Plasmaproteine gebunden, sodass im Blut nur ein kleiner Anteil frei ist.
  • Ungefähr 70% der Chlortalidon-Dosis werden innerhalb von 120 Stunden hauptsächlich unverändert über Urin und Fäzes ausgeschieden.
  • Metabolismus und Ausscheidung über die Galle machen nur einen kleineren Teil des Eliminationsweges aus.
  • Die Eliminationsgeschwindigkeit beträgt etwa 50 Stunden, und bei älteren Patienten ist die Elimination im Vergleich zu jungen gesunden Erwachsenen verlangsamt, obwohl die Aufnahme gleich bleibt.
  • Chlortalidon kann die Plazentaschranke passieren und in die Muttermilch gelangen.

Dosierung

Kardiale, hepatische und nephrogene Ödeme, Herzinsuffizienz

  • Anfangsdosis: 50 – 100 mg Chlortalidon täglich.
  • Maximaldosis: 200 mg Chlortalidon täglich, da höhere Dosierungen die Wirkung nicht erhöhen.
  • Erhaltungsdosis: 25 – 50 mg Chlortalidon täglich.

Hypertonie

  • Anfangsdosis:12,5 – 50 mg Chlortalidon täglich.
  • Erhaltungsdosis: 25 – 50 mg Chlortalidon jeden 2. Tag.
  • Die Anfangsdosis soll individuell gesenkt werden.

Renaler Diabetes insipidus

  • Anfangsdosis: 2 mal 100 mg Chlortalidon täglich.
  • Erhaltungsdosis: Die übliche Dosis beträgt 50 mg Chlortalidon täglich.

Nebenwirkungen

Sehr häufig (≥ 1/10 Hypokaliämie (vorzugsweise bei höheren Dosen) sind unter Chlortalidon folgende Nebenwirkungen möglich:

  • Hyperurikämie, dies kann bei prädisponierten Patienten zu Gichtanfällen führen
  • Erhöhung der Cholesterin- und Triglyceridspiegel

Wechselwirkungen

Kombinationen, von denen abgeraten wird:

  • Lithium: erhöht kardio- und neurotoxische Wirkung; engmaschige Kontrolle des Lithiumblutspiegels und Dosisanpassung erforderlich

Kombinationen, bei denen besondere Vorsichtsmaßnahmen erforderlich sind:

  • Substanzen, die „Torsade de pointes“ auslösen: engmaschige Kontrolle der Plasmaelektrolyte und EKG-Überwachung
  • ACE-Hemmer: Risiko eines massiven Blutdruckabfalls und Verschlechterung der Nierenfunktion; Diuretika 2-3 Tage vor Beginn der Behandlung absetzen
  • Nicht-steroidale Antiphlogistika (NSAR) und Salicylate: verminderte antihypertensive und diuretische Wirkung; möglicherweise akutes Nierenversagen bei Hypovolämie
  • Kaliuretische Diuretika und andere: Störungen im Elektrolythaushalt, insbesondere verstärkte Kaliumverluste; engmaschige Kontrolle des Kaliumplasmaspiegels
  • Andere Diuretika, Antihypertensiva, Alkohol: verstärkte blutdrucksenkende Wirkung
  • Herzglykoside: erhöhte Empfindlichkeit des Myokards und verstärkte Wirkungen/Nebenwirkungen

Kombinationen, bei denen Wechselwirkungen möglich sind:

  • Insulin, orale Antidiabetika, harnsäuresenkende Arzneimittel, Sympathomimetika: möglicherweise schwächere Wirkung; Dosisanpassung erforderlich
  • Nicht-depolarisierende Muskelrelaxanzien: verstärkte oder verlängerte Wirkung
  • Zytostatika: verminderte renale Ausscheidung; verstärkte Knochenmarkstoxizität
  • Colestyramin, Colestipol: verminderte Absorption; zeitlich versetzte Einnahme empfohlen
  • Kalziumsalze, Vitamin D: erhöhte Kalziumspiegel im Serum
  • Allopurinol: verstärkte Überempfindlichkeitsreaktionen
  • Amantadin: erhöhtes Risiko unerwünschter Wirkungen
  • Beta-Rezeptorenblocker, Diazoxid: erhöhtes Risiko für Hyperglykämie
  • Ciclosporin: erhöhtes Risiko für Hyperurikämie und gichtartige Komplikationen
  • Anticholinergika: möglicherweise erhöhte Bioverfügbarkeit der Thiaziddiuretika

Kontraindikationen

Chlortalidon darf nicht angewendet werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, andere Thiazide und Sulfonamidderivate (Kreuzreaktionen; Vorsicht bei Patienten mit Bronchialasthma) oder einen der sonstigen Bestandteile des jeweiligen Präparates
  • Anurie (Harnproduktion unter 100 mg/24 h)
  • schweren Nierenfunktionsstörungen (mit stark eingeschränkter Harnproduktion; Kreatinin-Clearance kleiner als 30 ml/min und/oder Serum-Kreatinin über 1,8 mg/100 ml)
  • Glomerulonephritis
  • schweren Leberfunktionsstörungen (Präcoma und Coma hepaticum)
  • Hyperkalzämie
  • therapieresistente Hypokaliämie oder Zustände mit erhöhten Kaliumverlusten
  • schwere Hyponatriämie
  • symptomatische Hyperurikämie

Die Therapie mit Hygroton sollte abgebrochen werden bei:

  • therapieresistenter Entgleisung des Elektrolythaushalts
  • Überempfindlichkeitsreaktionen
  • ausgeprägten gastrointestinalen Beschwerden
  • zentralnervösen Störungen
  • Pankreatitis
  • Blutbildungsveränderungen (Anämie, Leukopenie, Thrombozytopenie)
  • akute Cholezystitis
  • Auftreten einer Vaskulitis
  • Verschlimmerung einer bestehenden Kurzsichtigkeit
  • Serumkreatininkonzentration über 1,8 mg/100 ml bzw. Kreatininchlearance unter 30 ml/min

Schwangerschaft

Chlortalidon darf während der Schwangerschaft  nicht angewendet werden, da es, wie andere Diuretika, eine Verminderung der Plazentadurchblutung bewirken kann. Thiazide und Thiazidderivate gelangen außerdem in den fetalen Kreislauf und können Elektrolytstörungen verursachen. Über eine Thrombozytopenie beim Neugeborenen unter Thiaziden und Thiazidderivaten wurde berichtet.

Stillzeit

Chlortalidon geht in die Muttermilch über, weshalb der Wirkstoff aus Sicherheitsgründen während der Stillzeit nicht angewendet werden sollte.

Verkehrstüchtigkeit

Das Reaktionsvermögen kann patientenindividuell bei der Anwendung von Chlortalidon soweit verändert sein, dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr, zum Bedienen von Maschinen oder zum Arbeiten ohne sicheren Halt beeinträchtigt wird. Dies gilt in verstärktem Maße bei Behandlungsbeginn, Dosiserhöhung, in Kombination mit anderen Antihypertensiva, Präparatewechsel sowie im Zusammenwirken mit Alkohol.

Anwendungshinweise

  • Chlortalidon sollte bei Patienten mit eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion vorsichtig eingesetzt werden. Bei Niereninsuffizienz muss die Dosierung angepasst werden. Bei schwerer Niereninsuffizienz kann die Wirksamkeit des Medikaments verloren gehen.
  • Bei Leberfunktionsstörungen können Veränderungen im Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt ein Koma auslösen.
  • Diabetiker und Gichtpatienten sollten sorgfältig überwacht werden, da Chlortalidon die Glukosetoleranz beeinflussen und Harnsäurespiegel erhöhen kann.
  • Die Elektrolyte im Serum (Kalium, Natrium, Kalzium) sollten regelmäßig kontrolliert werden, insbesondere bei älteren Patienten oder Patienten mit Aszites oder Nierenödemen.
  • Chlortalidon kann Störungen im Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt verursachen. Patienten sollten während der Behandlung auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten und kaliumreiche Lebensmittel konsumieren.
  • Die Behandlung von Bluthochdruck mit Chlortalidon erfordert regelmäßige ärztliche Kontrollen, einschließlich der Überwachung von Serumelektrolyten, Kreatinin, Harnstoff, Serumlipiden, Harnsäure und Blutzucker.

Alternativen

Siehe Diuretika

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
338.77 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 48.0 H
Q0-Wert:
0.5
Autor:
Stand:
03.05.2023
Quelle:

Fachinformation Hygroton

  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden
20 Präparate mit Chlortalidon