Cinnarizin

Cinnarizin ist ein Calciumkanalblocker, der zur Behandlung von Störungen der zerebralen und peripheren Durchblutung sowie von Gleichgewichtsproblemen eingesetzt wird. Es ist ein Piperazin-Derivat, das die zelluläre Calciumüberladung reguliert und dadurch die Blutgefäßweitung fördert.

Cinnarizin

Anwendung

Cinnarizin wird eingesetzt zur Behandlung der Menière-Krankheit, bei Durchblutungsstörungen des Gleichgewichtsorgans oder Innenohres, die mit Symptomen wie Tinnitus, Schwindel, Übelkeit oder Schweißausbrüchen einhergehen.

Aufgrund seiner Wirkung gegen Übelkeit und Erbrechen wird Cinnarizin auch zur Vorbeugung der Reisekrankheit angewendet.

Anwendungsart

Cinnarizin ist in Deutrschland in Kombination mit Dimenhydrinat in Form von Tabletten für die orale Einnahme auf dem Markt.

Wirkmechanismus

Der Wirkmechanismus von Cinnarizin beruht auf seiner Fähigkeit, Calciumkanäle zu blockieren. Diese Blockade verhindert den Einstrom von Calciumionen in die Zellen, was besonders in den glatten Muskelzellen der Blutgefäße bedeutsam ist. Durch die Hemmung des Calciumeinstroms führt Cinnarizin zu einer Erweiterung der Blutgefäße, was wiederum die Durchblutung verbessert und zu einer reduzierten Viskosität des Blutes führt. Diese Vasodilatation kann besonders in den kleinen Blutgefäßen des Innenohrs wichtig sein, wo sie dazu beiträgt, Durchblutungsstörungen zu korrigieren, die mit Schwindel und anderen vestibulären Störungen in Verbindung gebracht werden.

Neben der Wirkung auf die Calciumkanäle hat Cinnarizin auch antihistaminische Eigenschaften. Es blockiert die H1-Histaminrezeptoren, was zur Linderung von Übelkeit und Erbrechen führt, Symptomen, die häufig bei Reisekrankheit auftreten. Darüber hinaus besitzt Cinnarizin auch anticholinerge Effekte, die zur Reduktion von Muskarinrezeptor-vermittelten Effekten beitragen und somit die Symptome der vestibulären Störungen weiter mildern können.

Nebenwirkungen

Cinnarizin kann Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Mundtrockenheit, Gewichtszunahme und in seltenen Fällen extrapyramidalmotorische Symptome verursachen. Diese Nebenwirkungen sind in der Regel mild.

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Cinnarizin in Kombination mit Dimenhydrinat zu beachten:

  • Verstärkung sedierender Effekte: Die Kombination kann die sedierenden Wirkungen von Alkohol, Barbituraten und Tranquilizern verstärken. Patienten sollten alkoholische Getränke vermeiden.
  • Interaktionen mit MAO-Hemmern: Monoaminooxidase-Hemmer können die anticholinergen und sedierenden Wirkungen dieser Medikamente verstärken.
  • Einfluss auf andere Medikamente: Die Wirkung von Antihypertonika, Ephedrin, Anticholinergika und trizyklischen Antidepressiva kann verstärkt werden.
  • Maskierung von Nebenwirkungen: Symptome von Aminoglykosid-Antibiotika und Reaktionen bei Allergietests können durch diese Kombination maskiert werden.
  • Vorsicht bei QT-Zeit verlängernden Medikamenten: Die gleichzeitige Anwendung von Medikamenten, die das QT-Intervall verlängern, sollte vermieden werden.
  • Pharmakokinetische Wechselwirkungen: Vorsicht ist geboten bei der gleichzeitigen Anwendung von Medikamenten, die durch CYP2D6 metabolisiert werden, insbesondere bei solchen mit geringer therapeutischer Breite.

Kontraindikationen

Cinnarizin ist kontraindiziert bei Patienten mit Überempfindlichkeit gegen die Wirkstoffe oder schwere Nieren- und Leberinsuffizienz. Darüber hinaus darf der Wirkstoff nicht bei Patienten mit Engwinkelglaukom oder Krampfanfällen sowie bei Alkoholmissbrauch oder Harnretention aufgrund von urethroprostatischen Erkrankungen in der Anamnese angewendet werden.

Schwangerschaft

Die Sicherheit von Cinnarizin während der Schwangerschaft ist nicht vollständig nachgewiesen. Tierexperimentelle Studien sind unzureichend im Hinblick auf die Auswirkungen auf Schwangerschaft, embryonale/fötale und postnatale Entwicklung. Es wird nicht empfohlen den Wirkstoff nicht während der Schwangerschaft oder Stillzeit zu verwenden.

Verkehrstüchtigkeit

Cinnarizin kann insbesondere zu Beginn der Behandlung Schläfrigkeit verursachen. Patienten sollten keine Fahrzeuge führen oder Maschinen bedienen, wenn sie beeinträchtigt sind.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Cinnarizin in Kombination mit Dimenhydrinat zu beachten:

  • Vorsicht bei niedrigem Blutdruck: Obwohl diese Kombination den Blutdruck nicht signifikant senkt, sollte sie bei Hypotonie mit besonderer Vorsicht angewendet werden.
  • Einnahme nach Mahlzeiten: Um Magenreizungen zu minimieren, sollte Cinnarizin in Kombination mit Dimenhydrinat nach den Mahlzeiten eingenommen werden.
  • Vorsicht bei bestimmten medizinischen Zuständen: Die Anwendung sollte bei Patienten, die an Zuständen leiden, die durch anticholinerge Therapie verschlimmert werden könnten, mit Vorsicht erfolgen. Dazu zählen erhöhter intraokulärer Druck, pyloroduodenale Einengung (Verengung im Bereich des Magenausgangs), Prostatahypertrophie, Bluthochdruck, Hyperthyreose (überaktive Schilddrüse) oder schwere koronare Herzkrankheit.
  • Vorsicht bei Morbus Parkinson: Patienten mit Morbus Parkinson sollten diese Kombination ebenfalls nur unter strenger Abwägung und Vorsicht verwenden, da sie bestehende Symptome potenziell verschlimmern kann.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
368.51 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 5.0 H
Q0-Wert:
1.0
Autor:
Stand:
06.05.2024
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6 Präparate mit Cinnarizin