Clobetasol

Clobetasol gehört zu den am stärksten wirksamen topischen Glukokortikoiden und wird zur Behandlung von schwer therapierbaren, lokalisierten Plaques bei entzündlichen Erkrankungen wie Psoriasis eingesetzt. Bei längerfristiger Anwendung sollte eine Umstellung erfolgen.

Clobetasol

Anwendung

Clobetasol gehört zu den stärksten wirksamen topischen Glukokortikoiden. Der Wirkstoff wird für die Behandlung von lokalisierten und therapieresistenten Plaques von entzündlichen Erkrankungen, wie z. B. bei Psoriasis eingesetzt, wenn die Verwendung eines Glukokortikoids mit sehr starker Wirkung nötig ist.

Da eine Langzeitanwendung mit Clobetasol ernsthafte Nebenwirkungen verursachen kann, sollte bei Bedarf einer über zwei Wochen hinausgehenden Behandlung mit einem lokalen Kortikosteroid auf ein Präparat mit geringer Wirkstärke umgestellt werden. Wiederholte kurzzeitige Anwendungen von Clobetasol können zur Kontrolle akuter Exazerbationen genutzt werden.

Anwendungsart

Der Wirkstoff Clobetasol ist ausschließlich zur topischen Anwendung geeignet und sollte einmal täglich dünn auf die zu behandelnde Fläche aufgetragen werden. Das Arzneimittel steht als Creme, Salbe, Lotion, Lösung oder Shampoo zur Verfügung.

Nach der Verwendung von Clobetasol sollten Patienten ihre Hände waschen, außer die Hände sind selbst von der Behandlung betroffen.

Wirkmechanismus

Clobetasol wirkt als topisches Glukokortikoid durch Bindung an spezifische Rezeptorproteine im Zellplasma. Diese Komplexe werden in den Zellkern transportiert, wo sie an hormonsensitive Elemente einzelner Gene binden. Diese Bindung löst die Transkription von mRNA aus, die zur Synthese von Lipocortin-Proteinen führt. Lipocortin hemmt die Aktivität der Phospholipase A2 und dadurch die Freisetzung von Arachidonsäure, wodurch die Entstehung von Entzündungsmediatoren wie Prostaglandinen und Leukotrienen reduziert wird. Zudem moduliert Clobetasol die Immunreaktion durch Beeinflussung von B- und T-Zellen sowie Langerhans-Zellen und hemmt die Freisetzung entzündungsfördernder Zytokine.

Dosierung

Anwendungsbereich

  • Topisch, einmal täglich dünn auftragen.
  • Behandelte Fläche: Maximal 10% der Körperoberfläche.
  • Maximaldosis: Nicht mehr als 50 g pro Woche.

Behandlungsdauer

  • Standarddauer: Maximal 2 Wochen.
  • Nach Kontrolle der Erkrankung, Behandlung schrittweise reduzieren und mit Hautpflege fortführen.

Spezielle Patientenhinweise

  • Kinder: Unter 3 Jahren verboten. Von 3 bis 12 Jahren nur in Ausnahmefällen für wenige Tage.
  • Ältere Patienten und solche mit Nieren- oder Leberfunktionsstörungen: Minimale Menge, kürzeste Dauer.
  • Diabetiker: Nicht großflächig anwenden; regelmäßig auf Nebenwirkungen überprüfen.
     

Nebenwirkungen

Zu den häufigen Nebenwirkungen, die während einer Therapie mit Clobetasol auftreten können, zählen:

  • Pruritus
  • Lokales Brennen der Haut
  • Schmerzen der Haut

Gelegentliche Nebenwirkungen, die potenziell unter Clobetasol auftreten können, umfassen:

  • Hautatrophie
  • Striae
  • Teleangiektasien

Zu den sehr seltenen Nebenwirkungen unter einer Behandlung mit Clobetasol zählen:

  • Opportunistische Infektionen
  • Lokale Überempfindlichkeitsreaktionen
  • Suppression der Hypothalamus-Hypophysenvorderlappen-Nebennierenrinden-Achse
  • Glaukom und Katarakt
  • Zentrale seröse Chorioretinopathie
  • Steroidakne, Ekchymosen sowie Milienbildung
  • Pustulöse Psoriasis, Erytheme, Urtikaria sowie Hautausschlag 

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Clobetasol zu beachten:

  • Medikamente, die das Enzymsystem CYP3A4 hemmen, wie zum Beispiel Ritonavir oder Itraconazol, können die Metabolisierung von Clobetasol beeinträchtigen. Dies führt zu einer erhöhten systemischen Verfügbarkeit des Steroids, was das Risiko von Nebenwirkungen erhöht.
  • Die klinische Bedeutung dieser Wechselwirkung variiert je nach Dosierung des Steroids und der Potenz des CYP3A4-Inhibitors.

Kontraindikation

Die Anwendung von Clobetasol ist kontraindiziert bei:

  • Überempfindlichkeit oder Allergie gegen den Wirkstoff
  • Kleinkindern unter 3 Jahren
  • Rosacea sowie rosacea-artiger Dermatitis
  • Ausgedehnten Formen der chronisch stationären Psoriasis
  • Akne vulgaris
  • Pruritus anogenitalis sowie Pruritus ohne Entzündung
  • Viralen Infektionen der Haut, wie z. B. Herpes simplex oder Windpocken
  • Hauttuberkulose sowie luischen Hauterkrankungen
  • Impfreaktionen sowie unbehandelten Infektionen der Haut

Clobetasol sollte grundsätzlich nicht im Bereich des Gesichts, vor allem aber nicht in der Augenumgebung, angewendet werden. 
 

Schwangerschaft/Stillzeit

Die Anwendung von Clobetasol sollte während der Schwangerschaft möglichst vermieden werden. Sie ist nur dann indiziert, wenn der Nutzen das Risiko übersteigt. Clobetasol kann bei längerer Anwendung das Wachstum des Fötus beeinträchtigen und sollte daher minimal und kurzfristig eingesetzt werden.

Stillzeit

Glukokortikoide, darunter auch Clobetasol, gehen in die Muttermilch über, weshalb die Anwendung während der Stillzeit streng abzuwägen ist. Die Anwendung auf den Brüsten ist zu vermeiden, um die Aufnahme durch den Säugling zu verhindern. Bei notwendiger höherer Dosierung sollte das Stillen unterbrochen werden.

Verkehrstüchtigkeit

Bei der Anwendung von Clobetasol kommt es zu keiner Beeinträchtigung der Verkehrstüchtigkeit sowie der Fähigkeit, Maschinen zu bedienen.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Clobetasol zu beachten:

  • Erhöhtes Risiko für Cushing-Syndrom und Nebenniereninsuffizienz: Bei gesteigerter Resorption der topischen Steroide kann es zu systemischen Nebenwirkungen kommen. Bei Auftreten ist eine Dosisreduktion oder der Wechsel zu einem schwächeren Steroid angezeigt.
  • Gefahr der Nebennierenrinden-Insuffizienz bei Therapieende: Ein plötzliches Absetzen von Clobetasol kann zu einer Nebennierenrinden-Insuffizienz führen.
  • Verstärkte systemische Effekte: Besonders bei Anwendung unter Okklusivbedingungen, auf großen Hautflächen, bei langer Nutzungsdauer oder auf empfindlicher Haut.
  • Besondere Vorsicht bei Kindern und älteren Patienten: Die Haut von Kindern und älteren Patienten kann empfindlicher sein und eine größere Menge des Medikaments aufnehmen.
  • Notwendigkeit einer antimikrobiellen Therapie bei Infektionen: Bei bakteriellen Infektionen sollte neben Clobetasol eine geeignete antimikrobielle Therapie eingeleitet werden.
  • Psoriasis-Überwachung: Topische Steroide können bei Psoriasis zu Rebound-Phänomenen führen und erfordern sorgfältige Überwachung.
  • Unterbrechung der Steroidtherapie bei Infektionen: Jede Infektion erfordert das Absetzen der topischen Steroidtherapie und den Beginn einer geeigneten Behandlung.
  • Langzeitgebrauch und schwere Nebenwirkungen: Langfristiger Gebrauch kann zu schweren Nebenwirkungen wie Osteonekrose und systemischer Immunsuppression führen.
  • Mögliche Sehstörungen: Bei Symptomen wie verschwommenem Sehen ist eine augenärztliche Bewertung zu empfehlen.
  • Beeinträchtigung der Kondomsicherheit: Die Anwendung im Genital- oder Analbereich kann die Reißfestigkeit von Latexkondomen verringern.
     

Alternativen

Je nach Indikationsgebiet und patientenindividuellen Gegebenheiten kommen weitere stark wirksame topische Kortikosteroide als Alternative in Frage:

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse: 410.91 g·mol-1
Kindstoff(e): Clobetasol 17-propionat

 

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
410.91 g·mol-1
Kindstoff(e):
Autor:
Stand:
04.09.2024
Quelle:
  1. Freissmuth et al., Pharmakologie und Toxikologie, 2020, Springer
  2. Scholz et al., Taschenbuch der Arzneibehandlung, 2005, Springer
  3. Fachinformationen des Clobetasol-Herstellers acis Arzneimittel (Cobetasol acis Fettsalbe)
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