Crotamiton

Crotamiton ist ein topisches Antiparasitikum und Antipruriginosum, das zur Behandlung von Skabies eingesetzt wird. Sein Wirkmechanismus ist nicht vollständig geklärt, jedoch wirkt es sowohl antiparasitär gegen Sarcoptes scabiei als auch juckreizstillend.

Crotamiton

Anwendung

Der Wirkstoff Crotamiton wird in einer Emulsion direkt auf die gesamte Haut dünn aufgetragen. Die Emulsion ist weiß und besitzt einen aromatischen Geruch.

Wirkmechanismus

Crotamiton wirkt durch eine Kombination von antiparasitären und juckreizstillenden Mechanismen, obwohl der genaue Wirkmechanismus nicht vollständig geklärt ist. In-vitro-Untersuchungen zeigen akarizide Effekte auf Milben wie Psoroptes cuniculi sowie eine begrenzte bakteriostatische Wirkung gegen bestimmte grampositive Bakterien (z. B. Streptococcus und Staphylococcus), jedoch nicht gegen Escherichia coli.

Crotamiton dringt nach topischer Applikation schnell in die Epidermis ein und bleibt über mehrere Stunden in der Haut. Es wird angenommen, dass Crotamiton lokal auf die Hautnerven einwirkt und die Reizleitung in den Nervenfasern beeinflusst, was zur Reduktion von Juckreiz führt.

Die genaue molekulare Signalkaskade ist jedoch unklar; es wird vermutet, dass die Substanz direkt auf die Nervensignale in der Haut Einfluss nimmt und damit antipruriginös wirkt. Bisher liegen keine Hinweise auf eine systemische Metabolisierung oder signifikante Toxizität bei korrekter Anwendung vor.

Pharmakokinetik

Resorption

  • Schnelle Penetration in die Epidermis nach topischer Applikation.
  • Nach 0,5 Stunden: 0,6 bis 13,6% der Dosis in der Epidermis (5–10%ige Zubereitung der Emulsion)
  • Maximale Plasmaspiegel (25 ng/ml) nach 6 bis 8 Stunden bei 500 mg Applikation

Verteilung

  • Hohe Wirkstoffkonzentrationen in der Epidermis auch 8 Stunden nach Applikation.
  • Individuelle Schwankungen in der Plasmakonzentration.

Elimination

  • Langsame Elimination aus dem Plasma, selbst nach Abwaschen der Applikationsstelle.
  • Plasmakonzentrationen teilweise bis unterhalb der Nachweisgrenze nach 14 Stunden.
  • Vereinzelte messbare Plasmaspiegel noch nach mehreren Tagen.

Metabolismus

  • Keine Daten zum Metabolismus verfügbar.

Spezielle Hinweise zur Pharmakokinetik

  • Variierende Resorption abhängig von Hautareal und Art der Applikation (mit/ohne Okklusion).
  • Keine signifikante systemische Anreicherung bei normaler topischer Anwendung.
  • Individuell schwankende Elimination, was zu verlängerten Plasmaspiegeln führen kann.

Therapierelevante Schlussfolgerungen

  • Die schnelle Penetration in die Haut sorgt für eine rasche Wirkung bei Juckreiz und Skabies.
  • Aufgrund der langsamen Elimination und der variierenden Plasmaspiegel kann bei langandauernder Anwendung eine kumulative Wirkung auftreten, was bei Patienten mit empfindlicher Haut zu berücksichtigen ist.
  • Die begrenzte systemische Resorption minimiert systemische Nebenwirkungen, jedoch ist bei großflächiger Anwendung oder Okklusion Vorsicht geboten.
  • Keine Hinweise auf Metabolismus und systemische Toxizität bedeuten, dass Crotamiton sicher für die langfristige lokale Anwendung ist, solange die Anwendung kontrolliert erfolgt.

Dosierung

Anwendung: 1-mal täglich am Abend

Dauer: 3 bis 5 aufeinanderfolgende Tage

Besonderheiten bei Kindern unter 3 Jahren, Säuglingen und Neugeborenen:

  • Bei Kindern unter 3 Jahren nur unter medizinischer Aufsicht anwenden.
  • Bei Säuglingen sollte die Anwendung stationär erfolgen.
  • Bei Kleinkindern kann in besonderen Fällen eine stationäre Behandlung notwendig sein, wenn eine zuverlässige Behandlung sonst nicht gewährleistet ist.

Nebenwirkungen

Es werden keine häufigsten Nebenwirkungen (≥ 10%) angegeben. Mögliche Nebenwirkungen sind:

  • Hautirritationen (Rötung, Brennen)
  • Wärmegefühl an den Anwendungsstellen
  • Juckreiz (gelegentlich verstärkt zu Beginn der Behandlung)

Wechselwirkungen

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln sind nicht bekannt.

Kontraindikationen

Crotamiton darf nicht angewendet werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder sonstige Bestandteile
  • Aktiver exsudativer Dermatitis

Schwangerschaft

Es gibt keine ausreichenden Daten zur Anwendung von Crotamiton bei Schwangeren; daher sollte es nur in begründeten Ausnahmefällen nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung eingesetzt werden.

Stillzeit

Es ist unklar, ob Crotamiton in die Muttermilch übergeht; bei Anwendung in der Stillzeit sollte abgestillt werden, es sei denn, die Anwendung ist zwingend erforderlich.

Fertilität

Es liegen keine spezifischen Daten zur Wirkung von Crotamiton auf die Fertilität vor.

Verkehrstüchtigkeit

Crotamiton hat keinen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit oder auf das Bedienen von Maschinen.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Crotamiton zu beachten:

  • Orale, nasale Aufnahme und Augenkontakt sind zu vermeiden.
  • Überempfindlichkeit: Bei anhaltender Rötung, Brennen oder Pustelbildung sollte die Anwendung abgebrochen werden; Symptome klingen in der Regel von selbst ab.
  • Schleimhautkontakt: Bei versehentlichem Auftragen auf Schleimhäute sofort mit Wasser abwaschen.
  • Kinder unter 3 Jahren: Anwendung nur unter medizinischer Aufsicht, bei Säuglingen stationäre Behandlung; erhöhtes Risiko für systemische Nebenwirkungen.
  • Gesteigerte Resorption: Bei ekzematöser oder aufgekratzter Haut kann die Resorption von Crotamiton verstärkt sein.
  • Kontaktpersonen: Enge Kontaktpersonen sollten identifiziert und gegebenenfalls zeitgleich behandelt werden.
  • Propylenglycol: Kann Hautreizungen verursachen, besonders bei Babys mit offenen Wunden oder großflächigen Hautschäden.
  • Macrogolglycerolhydroxystearat, Cetylalkohol, Benzylalkohol: Diese Inhaltsstoffe können lokale Hautreizungen oder Kontaktdermatitis hervorrufen.
  • Duftstoffe: Enthält allergieauslösende Substanzen wie Citral, Citronellol, D-Limonen, Eugenol und weitere, die allergische Reaktionen hervorrufen können.

Alternativen

Neben Crotamiton können auch andere medikamentöse Therapien gegen Skabies eingesetzt werden:

Diese Alternativen zu Crotamiton werden ebenfalls zur Behandlung von Skabies (Krätze) eingesetzt und wirken, indem sie entweder die Parasiten abtöten oder deren Lebenszyklus unterbrechen. Sie unterscheiden sich in ihrem Wirkmechanismus, der Applikationsform und der Nebenwirkungsprofile.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
203.28 g·mol-1
Autor:
Stand:
19.10.2024
Quelle:

Fachinformation von Crotamitex Lotio. Link: https://gepe.biomoaktiv.de/wp-content/uploads/gepe/FI-Crotamitex%20Gel-Salbe-Lotio.pdf (Aufgerufen: 15.09.2024)

  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden
4 Präparate mit Crotamiton