Damoctocog alfa pegol

Damoctocog alfa pegol ist ein langwirkendes rekombinantes Faktor VIII-Konzentrat, das zur Behandlung und Prophylaxe von Blutungen bei vorbehandelten Patienten ab 12 Jahren mit Hämophilie A eingesetzt wird. Durch eine PEGylierung besitzt es eine lange Halbwertszeit.

Anwendung

Damoctocog alfa pegol wird angewendet bei der Behandlung und Prophylaxe von Blutungen bei vorbehandelten Patienten ab 12 Jahren mit Hämophilie A (angeborener Faktor VIII-Mangel). Die Indikationen umfassen:

  • Bedarfsbehandlung: Zur Kontrolle akuter Blutungen, wobei die erforderliche Dosis von der Schwere und Lokalisation der Blutung abhängt.
  • Langzeitprophylaxe: Zur Vorbeugung von Blutungen bei Patienten, um die Blutungsfrequenz zu verringern.
  • Perioperative Prophylaxe: Zur Kontrolle von Blutungen während chirurgischer Eingriffe, wobei eine genaue Überwachung der Faktor VIII-Spiegel notwendig ist.

Anwendungsart

Damoctocog alfa pegol wird intravenös verabreicht. Das Medikament wird über einen Zeitraum von 2 bis 5 Minuten injiziert, abhängig vom Gesamtvolumen. Die Injektionsgeschwindigkeit sollte individuell an das Befinden des Patienten angepasst werden, um Unwohlsein zu vermeiden.

Vor der Anwendung muss das Arzneimittel gemäß den Anweisungen rekonstituiert werden. Die Verabreichung sollte unter Aufsicht eines Arztes erfolgen, der mit der Behandlung von Hämophilie vertraut ist.

Wirkmechansimus

Nach intravenöser Gabe bindet Damoctocog alfa pegol an den im Patienten vorhandenen von-Willebrand-Faktor, der als Trägerprotein fungiert und den Faktor VIII stabilisiert. Der aktivierte Faktor VIII agiert als Co-Faktor für den aktivierten Faktor IX, was die Aktivierung von Faktor X beschleunigt.

Der aktivierte Faktor X katalysiert nun die Umwandlung von Prothrombin zu Thrombin, welches anschließend Fibrinogen in Fibrin umwandelt, um ein stabiles Blutgerinnsel zu bilden. Die PEGylierung von Damoctocog alfa pegol reduziert seine Clearance und verlängert die Halbwertszeit, ohne die physiologische Funktion des Faktors VIII zu beeinträchtigen. Dadurch wird eine länger anhaltende hämostatische Wirkung erzielt.

Pharmakokinetik

Resorption

  • Direkte intravenöse Gabe, daher keine Resorptionsphase

Verteilung

  • Verteilungsvolumen (Vss): 0,391-0,396 dl/kg
  • Bindung an Von-Willebrand-Faktor stabilisiert Faktor VIII im Blutkreislauf

Elimination

  • Clearance (CL): 0,0160-0,0168 dl/h/kg
  • Verlängerte Halbwertszeit (t1/2): 17,1-17,6 Stunden, etwa 1,4-fach länger als herkömmlicher Faktor VIII

Metabolismus

  • Keine spezifischen Hinweise auf Metabolisierung; Abbau erfolgt wie bei natürlichem Faktor VIII.

Spezielle Hinweise zur Pharmakokinetik

  • Verminderte Clearance: Führt zu einer verlängerten Verweildauer im Blut.
  • Dosisproportionalität: zwischen 25 und 60 I.E./kg besteht eine lineare Dosis-Wirkungs-Beziehung
  • Keine relevanten Änderungen nach Langzeittherapie: Stabile Pharmakokinetik auch nach 6-monatiger Behandlung.

Therapierelevante Schlussfolgerungen

  • Die verlängerte Halbwertszeit ermöglicht weniger häufige Injektionen, was die Compliance bei Patienten verbessern kann.
  • Eine regelmäßige Überwachung der Faktor VIII-Spiegel ist wichtig, insbesondere bei chirurgischen Eingriffen oder erhöhtem Blutungsrisiko.
  • Die stabile Pharmakokinetik erleichtert eine gleichmäßige und vorhersehbare Therapieplanung.

Dosierung

Die Dosis und Dauer der Substitutionstherapie richten sich nach dem Schweregrad des Faktor VIII-Mangels, dem Ort und Ausmaß der Blutung sowie dem klinischen Zustand des Patienten.

Bedarfsbehandlung

Berechnung der erforderlichen Faktor VIII-Dosis

  • 1 I.E. Faktor VIII pro kg Körpergewicht hebt die Faktor VIII-Aktivität im Plasma um 1,5-2,5% (bezogen auf den Normalwert) an.

Formel zur Berechnung der Dosis

  • Erforderliche Einheiten = Körpergewicht (kg) x erwünschter Faktor VIII-Anstieg (% oder I.E./dl) x Kehrwert der beobachteten Recovery (z. B. 0,5 bei einer Recovery von 2,0%).

Gelenkblutungen im Frühstadium, Muskelblutungen, Blutungen im Mundbereich

  • Benötigter Faktor VIII-Spiegel: 20-40% (I.E./dl)
  • Injektion alle 24 bis 48 Stunden wiederholen
  • Behandlungsdauer: Mindestens 1 Tag, bis die Blutung gestillt oder die Wundheilung erreicht ist (erkennbar durch Schmerzlinderung)

Ausgeprägtere Gelenkblutungen, Muskelblutungen oder Hämatome

  • Benötigter Faktor VIII-Spiegel: 30-60% (I.E./dl)
  • Injektion alle 24 bis 48 Stunden wiederholen
  • Behandlungsdauer: 3 bis 4 Tage oder länger, bis Schmerzen und akute Behinderungen beseitigt sind

Lebensbedrohliche Blutungen

  • Benötigter Faktor VIII-Spiegel: 60-100% (I.E./dl)
  • Injektion alle 8 bis 24 Stunden wiederholen
  • Behandlungsdauer: Bis der Patient außer Gefahr ist

Kleinere Eingriffe (einschließlich Zahnextraktionen)

  • Benötigter Faktor VIII-Spiegel: 30-60% (I.E./dl)
  • Injektion alle 24 Stunden wiederholen
  • Behandlungsdauer: Mindestens 1 Tag, bis die Wundheilung erreicht ist

Größere Eingriffe (prä- und postoperativ)

  • Benötigter Faktor VIII-Spiegel: 80-100% (I.E./dl)
  • Injektion alle 12 bis 24 Stunden wiederholen
  • Behandlungsdauer: Bis ausreichende Wundheilung erreicht ist; anschließend für mindestens 7 Tage einen Faktor VIII-Spiegel von 30-60% aufrechterhalten

Prophylaxe

  • Die Behandlungsentscheidungen für prophylaktische Schemata sollten nach der klinischen Situation des Patienten und dem Ansprechen auf die Behandlung gerichtet sein.
  • Standarddosis: 45-60 I.E./kg alle 5 Tage
  • Alternativ: 60 I.E./kg alle 7 Tage oder 30-40 I.E./kg zweimal wöchentlich, je nach klinischen Merkmalen des Patienten
  • Bei übergewichtigen Patienten sollte die maximale Dosis pro Injektion ca. 6000 I.E. nicht überschreiten

Spezielle Hinweise

  • Kinder und Jugendliche: Damoctocog alfa pegol darf bei zuvor unbehandelten Patienten und bei Patienten unter 12 Jahren nicht angewendet werden. Jugendliche erhalten dieselbe Dosierung wie Erwachsene.
  • Ältere Patienten: Die Erfahrungen bei Patienten ab 65 Jahren sind begrenzt.

Nebenwirkungen

Folgende Nebenwirkungen durch Damoctocog alfa pegol können auftreten:

Häufigste Nebenwirkungen

  • Sehr häufig: Kopfschmerzen
  • Häufig: Husten, Fieber, Übelkeit, Erbrechen

Weitere relevante Nebenwirkungen

  • Häufig: Überempfindlichkeitsreaktionen wie Angioödem, Brennen und Stechen an der Injektionsstelle, Schüttelfrost, Hitzegefühl, generalisierte Urtikaria, Hypotonie, Lethargie, Übelkeit, Unruhe, Tachykardie, Brustenge, Kribbelgefühl, Erbrechen, Stridor und Erythem

Wechselwirkungen

Es wurden keine Wechselwirkungen von Produkten mit humanem Gerinnungsfaktor VIII (rDNS) und anderen Arzneimitteln berichtet.

Kontraindikationen

Damoctocog alfa pegol darf nicht angewendet werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen Damoctocog alfa pegol und gegen Maus- oder Hamsterproteine

Schwangerschaft

Es liegen keine tierexperimentellen Reproduktionsstudien zu Faktor VIII vor, und aufgrund des seltenen Auftretens von Hämophilie A bei Frauen gibt es keine spezifischen Erfahrungen zur Anwendung während der Schwangerschaft. Daher sollte die Anwendung von Faktor VIII während der Schwangerschaft nur nach eindeutiger Indikationsstellung erfolgen.

Stillzeit

Auch für die Stillzeit fehlen Erfahrungen zur Anwendung von Faktor VIII. Die Anwendung sollte nur nach sorgfältiger Abwägung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses erfolgen.

Verkehrstüchtigkeit

Damoctocog alfa pegol hat keinen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Damoctocog alfa pegol zu beachten:

  • Überempfindlichkeit: Allergische Reaktionen können auftreten, einschließlich Anzeichen wie Nesselsucht, Urtikaria, Hypotonie und Anaphylaxie. Bei solchen Reaktionen ist das Medikament abzusetzen und sofort medizinische Hilfe zu suchen.
  • Inhibitoren: Neutralisierende Antikörper gegen Faktor VIII können sich bilden, was die Wirksamkeit der Therapie beeinträchtigen kann. Patienten sollten regelmäßig auf Inhibitoren getestet werden, besonders wenn der erwartete Faktor VIII-Spiegel nicht erreicht wird oder Blutungen nicht gestillt werden.
  • Immunantwort auf PEG: Antikörper gegen PEG können in den ersten vier Behandlungstagen auftreten und die Wirksamkeit von Damoctocog alfa pegol beeinträchtigen. In solchen Fällen sollte Damoctocog alfa pegol abgesetzt und auf ein anderes Faktor VIII-Produkt umgestellt werden.
  • Kardiovaskuläre Ereignisse: Bei Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren kann eine Substitutionstherapie mit Faktor VIII das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.
  • Kinder und Jugendliche: Die Warnhinweise gelten auch für Jugendliche. Damoctocog alfa pegol darf bei Patienten unter 12 Jahren und bei zuvor unbehandelten Patienten nicht angewendet werden.

Alternativen

Neben Damoctocog alfa pegol können auch andere Substitutionen von Faktor VIII genutzt werden, wie:

  • Rekombinanter Faktor VIII (rFVIII): z. B. Hemlibra (Emicizumab)
  • Plasmabasierte Faktor-VIII-Präparate: z. B. Kogenate FS, Advate
  • Langwirksame Faktor-VIII-Präparate: z. B. Eloctate (rFVIII-Fc)
  • PEGyliertes rFVIII: z. B. Kovaltry

Alle diese Präparate dienen der Substitution von Faktor VIII zur Behandlung von Hämophilie A und haben das Ziel, die Blutgerinnung zu verbessern. Sie unterscheiden sich in ihrer Formulierung und Wirkungsdauer, bieten jedoch alle einen Ersatz für den fehlenden Faktor VIII.

Autor:
Stand:
19.11.2024
Quelle:

Fachinformation zu Jivi Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung. Zulassungsnummer: [EU/1/18/1324/005 - Jivi 3000 I.E.]. Bayer AG, Deutschland.

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