Danaparoid

Danaparoid ist ein Heparinoid mit gerinnungshemmender und antithrombotischer Wirkung, das zur Behandlung akuter Episoden einer Heparin-induzierten Thrombozytopenie (HIT) und zur Prophylaxe bei Patienten mit HIT in der Anamnese angewendet wird.

Anwendung

Danaparoid besitzt folgende Indikationen:

  • Prophylaxe der tiefen Venenthrombose in Situationen, in denen Heparin nicht angewendet werden soll, einschließlich bei Patienten mit Heparin-induzierter Thrombozytopenie (HIT).
  • Behandlung von thromboembolischen Erkrankungen bei Patienten, die eine dringende parenterale Antikoagulation benötigen und entweder eine HIT haben oder in der Anamnese aufweisen.

Heparin-induzierte Thrombozytopenie

Die Heparin-induzierte Thrombozytopenie (HIT) ist eine seltene, aber schwerwiegende Komplikation, die durch die Verwendung von Heparin verursacht werden kann. HIT ist in zwei Typen unterteilt: HIT Typ I und HIT Typ II.

HIT Typ I ist eine nicht-immunologische Reaktion, die normalerweise innerhalb der ersten Tage der Heparinbehandlung auftritt. Sie ist mild und vorübergehend, wobei die Thrombozytenzahlen selten unter 100.000/mm³ fallen.

HIT Typ II ist schwerwiegender und eine immunvermittelte Reaktion, die typischerweise 5-10 Tage nach Beginn der Heparintherapie auftritt. Sie ist gekennzeichnet durch eine deutliche Reduktion der Thrombozyten und ein erhöhtes Risiko für thromboembolische Komplikationen. Bei HIT Typ II bilden sich Antikörper gegen Heparin-Plättchenfaktor-4-Komplexe, was zu einer Thrombozytenaktivierung führt.

Wirkmechanismus

Danaparoid ist ein Antikoagulans, das aus einer Mischung von Heparansulfat, Dermatansulfat und Chondroitinsulfat besteht und hauptsächlich durch die Hemmung des Faktors Xa wirkt. Dieser Faktor ist entscheidend für die Umwandlung von Prothrombin zu Thrombin, einem zentralen Schritt in der Gerinnungskaskade.

Im Gegensatz zu Heparin besitzt Danaparoid eine geringere Wirkung auf Thrombin (Faktor IIa).

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • Hämorrhagische zerebrovaskuläre Ereignisse in den vergangenen drei Monaten
  • Schwerer, nicht eingestellter Bluthochdruck
  • Aktives Magen-/Zwölffingerdarmgeschwür, es sei denn, dies ist der Grund für die Operation
  • Diabetische Retinopathie
  • Spinal- oder Epiduralanästhesie oder Lokal-/Regionalanästhesie, wenn Danaparoid in den vorangehenden 24 Stunden zur Behandlung angewendet wurde

Folgende Kontraindikationen gelten nicht, wenn der Patient eine HIT hat und keine alternativen antithrombotischen Behandlungen verfügbar sind:

  • Schwere hämorrhagische Diathese, wie z. B. Hämophilie und idiopathische thrombozytopenische Purpura
  • Schwere Nieren- und Leberinsuffizienz
  • Akute bakterielle Endokarditis
  • Kürzliche (< 1 Woche) oder akute Blutung (z. B. intrakraniell, gastrointestinal, intraokulär, pulmonal)
  • Schädigung des Zentralnervensystems oder des Gehirns, spinale oder ophthalmologische Operationen

Alternativen

Danaparoid ist das einzige Präparat, das in Deutschland zur Prävention und Therapie der HIT zugelassen ist. Für die Antikoagulation bei HIT-II kann der direkte Thrombininhibitor Argatroban eingesetzt werden.

Wirkstoff-Informationen

Kindstoff(e):
Quelle:
  1. DrugBank: Danaparoid,abgerufen am 30.01.2023
  2. Fachinformation Orgaran
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