Deferoxamin

Deferoxamin ist ein Eisenchelator, der zur Behandlung von Eisenüberladung, insbesondere bei Patienten mit chronischen Transfusionen, eingesetzt wird. Der Wirkstoff bindet freies Eisen im Körper und erleichtert dessen Ausscheidung über Urin und Stuhl.

Deferoxamin

Anwendung

Deferoxamin wird eingesetzt zur Behandlung von chronischer Eisenüberladung, die durch verschiedene Erkrankungen verursacht werden kann, darunter:

  • Transfusionsbedingte Eisenüberladung (Hämosiderose): Besonders bei Patienten mit häufigen Bluttransfusionen, wie bei Thalassaemia major, sideroblastischer Anämie, autoimmunhämolytischer Anämie sowie anderen chronischen Anämieformen.
  • Primäre (idiopathische) Hämochromatose: Vor allem bei Patienten, bei denen ein Aderlass nicht möglich ist, beispielsweise aufgrund von Begleiterkrankungen wie schwerer Anämie, Herzkrankheiten oder Hypoproteinämie.
  • Eisenüberladung bei Porphyria cutanea tarda: Hier hilft Deferoxamin, überschüssiges Eisen zu binden und auszuscheiden.
  • Akute Eisenvergiftung: In Notfallsituationen wird Deferoxamin zur schnellen Reduktion von toxischen Eisenkonzentrationen im Körper eingesetzt.

Diagnostische Anwendung:

Deferoxamin kann auch diagnostisch verwendet werden, um das Ausmaß einer Eisenüberladung im Körper zu bestimmen. Dies geschieht, indem die Menge des ausgeschiedenen Eisen-Komplexes nach Verabreichung von Deferoxamin gemessen wird.

Anwendungsart

Deferoxamin wird in der Regel parenteral verabreicht, da die orale Bioverfügbarkeit gering ist.

Wirkmechanismus

Deferoxamin bindet freies Eisen (Fe³⁺) mit hoher Affinität und bildet einen stabilen Komplex, der renal und biliär ausgeschieden wird. Es verhindert die Eisen-vermittelte Bildung freier Radikale, die Zellschäden verursachen und reduziert toxische Eisenablagerungen in Organen wie Herz, Leber und Bauchspeicheldrüse.

Pharmakokinetik

  • Absorption: Aufgrund der schlechten oralen Bioverfügbarkeit wird Deferoxamin bevorzugt parenteral verabreicht.
  • Verteilung: Die Substanz verteilt sich schnell im extrazellulären Raum und weist eine Plasmahalbwertszeit von ca. 20–30 Minuten auf.
  • Metabolismus: Deferoxamin wird in der Leber metabolisiert.
  • Elimination: Der Eisenkomplex Ferroxamin wird hauptsächlich über den Urin ausgeschieden, wobei der Urin oft rötlich-braun gefärbt ist.

Dosierung

Behandlung der chronischen Eisenüberladung

Erwachsene und Kinder:

  • Beginn der Therapie nach 10–20 Bluttransfusionen oder bei Serum-Ferritin > 1.000 ng/ml

Durchschnittliche Tagesdosis: 20–60 mg/kg Körpergewicht

  • Serum-Ferritin < 2.000 ng/ml: ca. 25 mg/kg/Tag
  • Serum-Ferritin 2.000–3.000 ng/ml: ca. 35 mg/kg/Tag
  • 3.000 ng/ml: bis zu 55 mg/kg/Tag

Maximale Dosis: Nicht regelmäßig >50 mg/kg/Tag

Applikation:

  • Subkutane Infusion (Standard): 8–12 Stunden täglich, 5–7 Tage/Woche
  • Intravenöse Infusion: Alternativ während Bluttransfusionen
  • Intramuskulär: Nur wenn subkutane Infusion nicht möglich ist

Behandlung der akuten Eisenvergiftung

Indikation: Symptomatische Patienten oder Serum-Eisen > 300–350 µg/dl

Dosierung:

  • Initial: 15 mg/kg/h intravenös
  • Maximaldosis: 80 mg/kg/Tag

Behandlungsende:

  • Keine Symptome der Vergiftung
  • Serum-Eisen < 100 µg/dl
  • Normalisierung der Urinfarbe (optional)

Diagnostischer Test (bei normaler Nierenfunktion)

  • 500 mg Deferoxamin intramuskulär
  • Urinsammlung über 6 Stunden
  • 1,5 mg Eisen im Urin = pathologisch

Nebenwirkungen

Häufig

  • Schmerzen, Rötung und Schwellung an der Injektionsstelle
  • Kopfschmerzen, Übelkeit, Fieber

Gelegentlich

  • Hörverlust, Tinnitus, Sehstörungen
  • Wachstumsverzögerung bei Kindern

Selten

  • Infektionen (z. B. Yersinia-Infektionen)
  • Anaphylaktische Reaktionen
  • Hypotonie bei schneller i.v.-Gabe

Sehr selten:

Akutes Atemnotsyndrom (ARDS)

Nierenversagen

Wechselwirkungen

  • Vitamin C: Verstärkt die Eisenmobilisierung, kann aber das Risiko für Kardiotoxizität erhöhen. Tagesdosen von 50–100 mg werden empfohlen.
  • Prochlorperazin: Erhöht das Risiko für neurologische Nebenwirkungen.
  • Gallium-67: Interferiert mit Szintigraphie

Kontraindikationen

Deferoxamin darf nicht angewendet werden bei:

  • Schwerer Niereninsuffizienz ohne Dialyse
  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff

Schwangerschaft

Es liegen nur begrenzte Daten zur Anwendung während der Schwangerschaft vor. In Tierversuchen wurden embryotoxische Effekte beobachtet, daher sollte eine Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen.

Stillzeit

Ob Deferoxamin in die Muttermilch übergeht, ist derzeit nicht bekannt. Daher kann ein potenzielles Risiko für den gestillten Säugling nicht ausgeschlossen werden.

Verkehrstüchtigkeit

Deferoxamin kann Schwindel und Sehstörungen verursachen, die die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen beeinträchtigen können.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Deferoxamin zu beachten:

  • Schnelle intravenöse Infusion: Kann zu Hypotonie, Kreislaufkollaps, Tachykardie, Hitzewallungen und Urtikaria führen. Langsame Gabe ist erforderlich.
  • Seh- und Hörstörungen: Hohe Dosen können Sehstörungen (z. B. verschwommenes Sehen, Nachtblindheit) und Hörprobleme (Tinnitus, Hörverlust) verursachen, besonders bei niedrigen Ferritinwerten oder Niereninsuffizienz. Bei Symptomen Therapie sofort abbrechen. Regelmäßige augenärztliche und audiologische Kontrollen empfohlen.
  • Nierenfunktionsstörung: Erhöhtes Risiko für akutes Nierenversagen. Regelmäßige Überwachung der Nierenfunktion notwendig, insbesondere bei vorbestehender Nierenerkrankung.
  • Wachstumsverzögerung bei Kindern: Gefahr von Wachstumsstörungen bei Dosen >40 mg/kg/Tag, insbesondere bei Kindern <3 Jahren. Regelmäßige Wachstumskontrollen alle 3 Monate.
  • Akute respiratorische Insuffizienz: Sehr hohe Dosen können zu akutem Atemnotsyndrom (ARDS) führen. Empfohlene Tagesdosis nicht überschreiten.
  • Erhöhtes Infektionsrisiko: Erhöhte Anfälligkeit für Infektionen mit Yersinia und Klebsiella. Bei Fieber, Bauchschmerzen oder Durchfall Behandlung vorübergehend aussetzen und antibiotisch behandeln.
  • Mukormykose: Seltene, potenziell tödliche Pilzinfektion. Bei Verdacht sofort Therapie abbrechen und geeignete Behandlung einleiten.
  • Herzfunktionsstörungen bei Vitamin C-Gabe: Hohe Vitamin-C-Dosen (>500 mg/Tag) können die Herzfunktion verschlechtern. Maximal 200 mg/Tag, erst nach 1 Monat Deferoxamin-Therapie.
  • Neurologische Störungen bei Aluminium-Enzephalopathie: Erhöhtes Risiko für Krampfanfälle. Clonazepam kann präventiv eingesetzt werden.
  • Kalzium- und Hormonstörungen: Risiko für niedrigen Kalziumspiegel und Verschlechterung eines Hyperparathyreoidismus bei Aluminium-Überladung.
  • Vermeidung von Überdosierung: Keine Überschreitung der empfohlenen Dosen, um Nebenwirkungen zu minimieren.
  • Lokalreaktionen: Konzentration der subkutanen Lösung <95 mg/ml halten, um Hautreizungen zu vermeiden.
  • Verfärbung des Urins: Rötlich-braune Verfärbung des Urins ist harmlos und ein Zeichen für die Eisen-Ausscheidung.

Alternativen

Alternative Eisenchelatoren mit oraler Verfügbarkeit sind:

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
560.68 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 6.0 H
Q0-Wert:
0.0
Kindstoff(e):
Autor:
Stand:
09.02.2025
Quelle:

Fachinformation Desferal® (Deferoxamin)

  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden
11 Präparate mit Deferoxamin