Dihydralazin
Dihydralazin ist ein Antihypertensivum, das durch Vasodilatation der Arteriolen wirkt und somit den peripheren Gefäßwiderstand senkt. Es wird zur Behandlung von mittelschwerer bis schwerer Hypertonie eingesetzt.
Dihydralazin: Übersicht

Anwendung
Dihydralazin wird in zwei Darreichungsformen angewendet: intravenös zur schnellen Behandlung akuter Blutdruckkrisen und hypertensiver Schwangerschaftserkrankungen, vor allem Präeklampsie und Eklampsie; Oral in Tablettenform für die Langzeittherapie von Hypertonie, besonders bei Patienten mit Nierenbeteiligung oder einem malignen Verlauf.
Wirkmechanismus
Dihydralazin ist ein Vasodilatator, der hauptsächlich durch die direkte Entspannung der glatten Muskulatur in den Arteriolen wirkt und dadurch den systemischen Gefäßwiderstand und den arteriellen Blutdruck senkt. Der genaue molekulare Mechanismus von Dihydralazin ist nicht vollständig geklärt, jedoch wird angenommen, dass es auf die Endothelzellen wirkt und zur Freisetzung von endothelialen Relaxationsfaktoren wie Stickstoffmonoxid (NO) führt. NO diffundiert in die glatten Muskelzellen der Gefäßwand und stimuliert die Produktion von zyklischem Guanosinmonophosphat (cGMP), welches wiederum als sekundärer Botenstoff dient, um die Konzentration von Calciumionen in den Zellen zu reduzieren. Die Reduktion der intrazellulären Calciumkonzentration führt zur Relaxation der glatten Muskulatur und somit zur Gefäßerweiterung.
Durch die Senkung des systemischen Widerstands kann es bei der Anwendung von Dihydralazin zu einer reflektorischen Erhöhung der Herzfrequenz und des Herzzeitvolumens kommen, was als kompensatorische Reaktion auf den plötzlichen Blutdruckabfall verstanden wird. Diese reflektorische Tachykardie kann manchmal die therapeutische Anwendung von Dihydralazin einschränken und erfordert eine sorgfältige Überwachung und möglicherweise die Kombination mit anderen Medikamenten, um die Herzrate zu kontrollieren.
Dosierung
Hypertonie
- Vorzugsweise in Kombination mit anderen Antihypertensiva
- Zu Behandlungsbeginn 2mal täglich 12,5 mg (entsprechend täglich 25 mg Dihydralazinsulfat), langsame Steigerung auf 2mal täglich 25 mg (entsprechend täglich 50 mg Dihydralazinsulfat).
- Zur Erhaltungstherapie soll die niedrigste noch wirksame Einzeldosis angewendet werden.
- Die maximale Tagesdosis beträgt 100 mg Dihydralazin.
- Ohne Ermittlung des Acetylator-Status sollten Tagesdosen von 50 mg nicht überschritten werden.
Schwangerschaftshochdruck (hypertensive Gestosen, Präeklampsie, Eklampsie)
- Bevorzugt in Kombination mit anderen blutdrucksenkenden Substanzen (vorzugsweise Betablocker)
- Die Dosierung erfolgt in gleicher Weise wie bei der Behandlung des Bluthochdrucks.
- Eine Steigerung der Dosierung hat schrittweise unter intensiver Beobachtung zu erfolgen.
Nebenwirkungen
Häufige Nebenwirkungen von Dihydralazin umfassen:
- Blutdruckabfall beim Aufrichten
- Flüssigkeitsansammlung im Gewebe
- Magen-Darm-Störungen wie Appetitverminderung, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung
- Hautrötung (Flush)
- Angst
- Schwindel
- Migräneartige Kopfschmerzen
- Verstopfung der Nase
Wechselwirkungen
Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Dihydralazin zu beachten:
- Blutdrucksenkende Arzneimittel: Die Wirkung von Dihydralazin kann durch andere blutdrucksenkende Medikamente wie Betablocker, ACE-Hemmer, Calciumkanalblocker und Diuretika verstärkt werden. Dies kann zu einer übermäßigen Senkung des Blutdrucks führen.
- Arzneimittel zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen: Negativ inotrop wirkende Antiarrhythmika und Vasodilatatoren, insbesondere Diazoxid, können ebenfalls die blutdrucksenkende Wirkung von Dihydralazin verstärken.
- Psychotrope Medikamente und Narkotika: Schlafmittel, Beruhigungsmittel, Antidepressiva (trizyklische Antidepressiva, MAO-Hemmer) und Neuroleptika können die blutdrucksenkende Wirkung von Dihydralazin verstärken. Ebenso kann Dihydralazin die beruhigende Wirkung dieser Medikamente erhöhen.
- Sympathomimetika und Indometacin: Medikamente wie Ephedrin, die auf das sympathische Nervensystem wirken, sowie der entzündungshemmende Wirkstoff Indometacin können die blutdrucksenkende Wirkung von Dihydralazin abschwächen.
- Isoniazid: Die gleichzeitige Anwendung von Dihydralazin und Isoniazid, das ebenfalls durch Acetylierung abgebaut wird, kann zu einer verstärkten Wirkung beider Medikamente führen.
- Alkoholkonsum: Während der Behandlung mit Dihydralazin sollte möglichst kein Alkohol konsumiert werden, da dies die blutdrucksenkende Wirkung des Medikaments verstärken und zu zusätzlichen Nebenwirkungen führen kann.
Kontraindikationen
Dihydralazin darf nicht eingenommen werden bei:
- Überempfindlichkeit gegenüber Dihydralazin und Hydralazin
- idiopathischem und medikamentös entstandenem Lupus erythematodes
- Aortenaneurysma
- Herzklappenstenosen
- hypertropher Kardiomyopathie
- isolierter Rechtsherzinsuffizienz infolge von pulmonaler Hypertonie
Bei hochgradig eingeschränkter Blutversorgung des Herzens (Koronarinsuffizienz) sowie bei sehr hoher Pulsfrequenz ist von einer Dihydralazin-Monotherapie abzusehen.
Schwangerschaft
In den ersten drei Monaten der Schwangerschaft darf Dihydralazin nicht angewendet werden. Im weiteren Verlauf der Schwangerschaft sollte die Anwendung nur bei zwingender Indikation erfolgen.
Stillzeit
Dihydralazin soll während der Stillzeit nicht angewendet werden, da der Wirkstoff in die Muttermilch übergehen kann. Da unklar ist, ob der Wirkstoff negative Auswirkungen auf das gestillte Kind haben könnte, ist Vorsicht geboten. Sollte eine Behandlung mit diesem Medikament unumgänglich sein, wird geraten, das Stillen zu beenden.
Verkehrstüchtigkeit
Die Behandlung mit Dihydralazin kann das Reaktionsvermögen individuell verändern, was die Fähigkeit zur Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigen kann. Besondere Vorsicht ist zu Beginn der Behandlung, bei Dosiserhöhungen und Präparatewechseln sowie in Kombination mit Alkohol geboten.
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Dihydralazin zu beachten:
- Besondere Vorsicht bei der Einnahme ist erforderlich: Bei Patienten mit schwerer Leber- und Niereninsuffizienz oder zerebrovaskulären Durchblutungsstörungen. Die Medikamentenwirkung kann bei diesen Zuständen verändert sein. Bei Patienten, die Dihydralazin langsam metabolisieren (Langsam-Acetylierer). Diese könnten eine intensivere oder verlängerte Wirkung des Medikaments erleben.
- Empfohlene Kombinationstherapie: Die gleichzeitige Verwendung eines Betablockers wird empfohlen, um die gegenregulatorische Pulsbeschleunigung (Reflextachykardie) zu vermeiden und Nebenwirkungen, die durch Stimulation des Renin-Angiotensin-Mechanismus entstehen, zu mildern.
- Koronare Herzkrankheit: Bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit, Zeichen einer Myokardischämie, Angina pectoris oder Herzinfarkt sollte Dihydralazin nur in Kombination mit Betablockern verwendet werden. Vor Therapiebeginn wird die Bestimmung des HLA-DR4-Antigens und von antinukleären Antikörpern bei längerer Therapiedauer sowie regelmäßige Blutbildkontrollen empfohlen.
- Kinder: Dihydralazin ist für die Anwendung bei Kindern nicht geeignet, da keine ausreichenden Erfahrungen vorliegen.
- Ältere Menschen: Bei älteren Patienten mit Neigung zu Hypotonie sollte Vorsicht geboten sein, da das Präparat die Gehirndurchblutung vermindern kann.
Wirkstoff-Informationen
Fachinformation Nepresol










