Domperidon
Domperidon ist ein selektiver, in der Peripherie wirkender Dopamin-D2-Rezeptor-Antagonist. Medikamente mit dem Wirkstoff werden vor allem bei Übelkeit und Erbrechen eingesetzt.
Domperidon: Übersicht

Anwendung
Domperidon wird zur Therapie von Übelkeit und Erbrechen angewendet. Der Arzneistoff ist ein sogenanntes Prokinetikum, also ein Wirkstoff, der die gastrointestinale Motilität fördert. Durch diesen Effekt wird die Magenbewegung intensiviert und die Magenentleerung beschleunigt. Eine weitere Wirkung ist die Anregung der Milchproduktion (Laktation) durch Freisetzung von Prolaktin.
Anwendungsart
Domperidon wird überwiegend oral als Filmtablette angewendet. Die Einnahme sollte vorzugsweise vor den Mahlzeiten erfolgen, da sich bei Einnahme nach dem Essen die Resorption verzögern kann. Die Anwendungsdauer sollte so kurz wie möglich gehalten werden.
Wirkmechanismus
Domperidon wirkt in der Peripherie als selektiver Dopamin-D2- und D3-Rezeptorantagonist. Im Gegensatz zu Metoclopramid scheint es nicht klinisch signifikant an Dopamin-D1-Rezeptoren zu binden. Die Blockade des D2-Rezeptors in der Chemotriggerzone, einem Bereich noch vor der Blut-Hirn-Schranke in der Medulla oblongata (verlängertes Mark), führt zur antiemetischen Wirkung des Wirkstoffes. Domperidon erhöht außerdem die Beweglichkeit des oberen Gastrointestinaltrakts und steigert den unteren Ösophagussphinkterdruck durch Inhibition von Dopamin-Rezeptoren im Antrum des Magens und im Duodenum. Bei Einnahme von 20 mg Domperidon steigt weiterhin der Prolaktinspiegel bei Frauen.
Pharmakokinetik
Resorption
- Rasche Resorption nach oraler Gabe, Tmax nach ca. 1 Stunde
- Absolute Bioverfügbarkeit ca. 15 % (ausgeprägter First-Pass-Effekt in Darm und Leber)
- Dosisproportionaler Anstieg von Cmax und AUC (10–20 mg)
- Wiederholte Gabe führt zu zwei- bis dreifacher AUC-Erhöhung
- Nahrung verzögert Resorption, AUC leicht erhöht
- Verminderte Magensäure reduziert Resorption
Verteilung
- Hohe Plasmaproteinbindung (ca. 91–93 %)
- Gute Gewebeverteilung, geringe ZNS-Penetration
- Keine relevante Akkumulation bei wiederholter Gabe
- Plazentagängig
Elimination
- Ausscheidung über Fäzes (~ 66 %) und Urin (~ 31 %)
- Nur geringer Anteil unverändert (ca. 1 % renal, 10 % fäkal)
- Halbwertszeit ca. 7–9 Stunden
- Bei schwerer Niereninsuffizienz verlängerte Halbwertszeit (bis ca.20,8 Stunden)
Dosierung
Erwachsene und Jugendliche ≥ 12 Jahre (≥ 35 kg)
- Einzeldosis: 10 mg
- Einnahmehäufigkeit: bis zu dreimal täglich
- Maximale Tagesdosis: 30 mg
Behandlungsdauer
- Anwendung so kurz wie möglich
- Maximal: in der Regel bis zu 1 Woche
Leberfunktionsstörung
- Leichte Einschränkung: keine Anpassung erforderlich
- Mäßige und schwere Einschränkung: kontraindiziert
Nierenfunktionsstörung
- Bei wiederholter Anwendung die Einnahmefrequenz auf ein- bis zweimal täglich reduzieren
- Ggf. Dosisanpassung erforderlich
Kinder < 12 Jahre (< 35 kg)
- Anwendung nicht empfohlen
Domperidon ist in der niedrigsten wirksamen Dosis über den kürzesten erforderlichen Zeitraum anzuwenden. Die Einnahme sollte vor den Mahlzeiten erfolgen, da nach den Mahlzeiten die Resorption etwas verzögert wird. Bei Versäumnis der Einnahme einer geplanten Dosis, sollte die versäumte Dosis ausgelassen und mit dem normalen Einnahmeplan fortgefahren werden und nicht die doppelte Menge eingenommen werden.
Nebenwirkungen
Die häufigste Nebenwirkung bei Domperidon (≥1/100 bis <1/10) ist:
- Mundtrockenheit
Gelegentliche Nebenwirkungen (≥1/1000 bis <1/100) sind:
- Libidoverlust
- Angstzustände
- Somnolenz
- Kopfschmerzen
- Diarrhoe
- Ausschlag
- Pruritus
- Galaktorrhoe
- Brustschmerzen
- Brustspannen
- Asthenie
Häufigkeit nicht abschätzbar:
- Allergische Reaktionen (inkl. anaphylaktischer Schock)
- Agitation
- Nervosität
- Krämpfe
- Extrapyramidale Nebenwirkungen
- Okulogyre Krise
- Kammerarrhythmien
- QTc-Verlängerung
- Torsade de pointes
- Plötzlicher Herztod
- Urtikaria
- Angioödem
- Harnretention
- Gynäkomastie
- Amenorrhoe
- Abnorme Leberfunktionstests
- Erhöhtes Prolaktin
- Brustentladung
- Brustschwellung
- Depression
- Überempfindlichkeit
- Laktationsstörungen
- Unregelmäßige Menstruation
Wechselwirkungen
Domperidon wird hauptsächlich über CYP3A4 metabolisiert. Die gleichzeitige Einnahme mit CYP-Inhibitoren können zu einem erhöhten Plasmaspiegel von Domperidon führen.
Die gleichzeitige Anwendung der folgenden Wirkstoffe ist kontraindiziert:
Stark wirksame CYP3A4-Inhibitoren (unabhängig von deren QT-verlängernden Wirkungen):
- Protease-Inhibitoren
- systemische Azol-Antimykotika (z. B. Fluconazol)
- einige Makrolide (Erythromycin und Clarithromycin)
Arzneimittel, die das QTc-Intervall verlängern:
- Antiarrhythmika der Klasse IA (z. B. Chinidin)
- Antiarrhythmika der Klasse III (z. B. Amiodaron, Dronedaron, Sotalol)
- bestimmte Antipsychotika (z. B. Haloperidol)
- bestimmte Antidepressiva (z. B. Citalopram, Escitalopram)
- bestimmte Antibiotika (Erythromycin, Levofloxacin und Moxifloxacin)
- bestimmte Antimykotika (z. B. Pentamidin)
- bestimmte Antimalaria-Mittel (insbesondere Halofantrin, Lumefantrin)
- bestimmte gastrointestinale Arzneimittel (z. B. Prucaloprid)
- bestimmte Antihistaminika (z. B. Mizolastin)
- bestimmte Chemotherapeutika (z. B. Vandetanib)
- bestimmte Opioide (z. B. Methadon)
- Apomorphin (ausgenommen nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung)
Die gleichzeitige Anwendung der folgenden Wirkstoffe wird nicht empfohlen:
Mäßig stark wirksame CYP3A4-Inhibitoren wie z. B. Diltiazem, Makrolide
Bei der gleichzeitigen Anwendung der folgenden Wirkstoffe ist Vorsicht geboten:
- Arzneimittel, die eine Bradykardie oder Hypokaliämie induzieren sowie bei Azithromycin und Roxithromycin, die an der Verlängerung des QT-Intervalls beteiligt sind
- Levodopa: Anstieg der Plasmakonzentration von Levodopa um 30 – 40 %
Bei gleichzeitiger Anwendung von Antazida oder antisekretorischen Arzneimitteln sollte eine zeitgleiche Einnahme mit Domperidon vermieden werden, diese sollten nach den Mahlzeiten eingenommen werden und nicht vor den Mahlzeiten.
Kontraindikationen
Domperidon darf nicht angewendet werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile
- Prolaktin-produzierendem Hypophysentumor (Prolaktinom)
- Verdacht auf oder bestätigtem Phäochromozytom
- mäßiger oder schwerer Leberfunktionsstörung
- bestehender Verlängerung des kardialen Reizleitungsintervalls (insbesondere QTc-Zeit)
- signifikanten Elektrolytstörungen (z. B. Hypokaliämie, Hyperkaliämie, Hypomagnesiämie)
- zugrunde liegenden Herzerkrankungen (z. B. kongestive Herzinsuffizienz)
- gleichzeitiger Anwendung von QT-verlängernden Arzneimitteln (mit Ausnahme von Apomorphin unter strenger Indikation)
- gleichzeitiger Anwendung starker CYP3A4-Inhibitoren
- gastrointestinalen Blutungen, mechanischer Obstruktion oder Perforation (bei denen eine gesteigerte Motilität gefährlich ist)
Schwangerschaft
Es existieren nur wenige Daten über die Anwendung von Domperidon während der Schwangerschaft. Eine tierexperimentelle Studie zeigte jedoch eine reproduktionstoxische Wirkung bei hohen Dosen. Das potentielle Risiko für den Menschen ist nicht bekannt, daher soll eine Anwendung während der Schwangerschaft nur dann erfolgen, wenn der erwartete therapeutische Nutzen dies rechtfertigt.
Stillzeit
Domperidon wird in die Muttermilch ausgeschieden. Bei gestillten Säuglingen kann das Auftreten von Nebenwirkungen, insbesondere die das Herz betreffen, nicht ausgeschlossen werden. Ebenso ist Vorsicht geboten, wenn bei gestillten Säuglingen Risikofaktoren für eine QTc-Verlängerung vorliegen.
Es muss eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen, ob das Stillen zu unterbrechen ist oder ob auf die Behandlung mit Domperidon verzichtet werden soll.
Verkehrstüchtigkeit
Domperidon hat keinen bzw. einen vernachlässigbaren Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen.
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Domperidon zu beachten:
- Kardiale Risiken: Risiko für QT-Verlängerung, ventrikuläre Arrhythmien und plötzlichen Herztod, insbesondere bei Risikopatienten
- Risikopatienten: erhöhtes Risiko bei Patienten >60 Jahre, bei höheren Dosen (>30 mg/Tag) oder bei gleichzeitiger Einnahme von QT-verlängernden Arzneimitteln bzw. CYP3A4-Inhibitoren
- Elektrolytstörungen und Bradykardie: erhöhen das Risiko für Arrhythmien und sollten vor Therapie berücksichtigt werden
- Herzerkrankungen: kontraindiziert bei vorbestehenden kardialen Leitungsstörungen oder relevanten Herzerkrankungen
- Therapieüberwachung: bei Symptomen wie Palpitationen, Synkope oder Schwindel Therapie abbrechen und ärztlich abklären
- Niereninsuffizienz: verlängerte Halbwertszeit bei wiederholter Gabe, Anpassung der Einnahmefrequenz erforderlich
- Leberfunktionsstörung: erhöhte Exposition, bei moderater und schwerer Leberinsuffizienz kontraindiziert
- Wechselwirkungen: relevante Interaktionen insbesondere über CYP3A4 und QT-verlängernde Substanzen beachten
- Apomorphin-Kombination: nur unter strenger Nutzen-Risiko-Abwägung und Einhaltung spezifischer Vorsichtsmaßnahmen
- Prolaktinerhöhung: kann zu endokrinen Nebenwirkungen wie Galaktorrhoe oder Gynäkomastie führen
- Lactosegehalt: nicht geeignet bei Galactose-Intoleranz, Lactasemangel oder Glukose-Galactose-Malabsorption
Alternativen
Einige mögliche Alternativen zu Domperidon:
Alle werden zur Behandlung von Übelkeit und Erbrechen eingesetzt, unterscheiden sich jedoch im Wirkmechanismus und Nebenwirkungsprofil. Die Auswahl erfolgt indikationsabhängig (z. B. postoperativ, kinetosebedingt oder chemotherapieinduziert).
Wirkstoff-Informationen
- Fachinformation Motilium-Tabletten
- Fachinformation Motilium-Tropfen
- Medizinische Chemie: Targets und Arzneistoffe, Steinhilber, Schubert-Zsilavecz, Roth
- Fachinformation Domperidon-ratiopharm 10 mg Filmtabletten (2025). Ratiopharm GmbH. Ulm. (Zuletzt aufgerufen am 29.03.2026)
- Fachinformation Domperidon AbZ 10 mg Filmtablette(2024). AbZ-Pharma GmbH. Ulm. (Zuletzt aufgerufen am 29.03.2026)
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Domperidon AbZ 10 mg Filmtabletten
AbZ Pharma GmbH
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Domperidon AL 10 mg Tabletten
ALIUD PHARMA® GmbH
-
Domperidon HEXAL® 10 mg Tabletten
Hexal AG
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Domperidon-ratiopharm® 10mg Filmtabletten
ratiopharm GmbH
-
Domperidon STADA® 10 mg Tabletten
STADAPHARM GmbH
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Motilium Emra Filmtabletten
Emra-Med Arzneimittel GmbH
-
Motilium Eurim Filmtabletten
Eurim-Pharm Arzneimittel GmbH
-
Motilium kohlpharma Filmtabletten
kohlpharma GmbH
-
Motilium® Tropfen 10 mg/ml Suspension
Cheplapharm Arzneimittel GmbH










