Doxylamin

Doxylamin ist ein H1-Antihistaminikum der ersten Generation mit sedierenden Eigenschaften und anticholinerger Wirkung. Es wird zur Behandlung von kurzfristigen Schlafstörungen und als Bestandteil von Kombinationspräparaten zur Linderung von Erkältungssymptomen eingesetzt.

Doxylamin

Anwendung

Doxylamin bzw. Doxylaminsuccinat wird vor allem bei Schlafstörungen angewendet, um das Einschlafen zu fördern und das Durchschlafen zu erleichtern. In Kombination mit Pyridoxin (Vitamin B6) wirkt Doxylamin gegen Schwangerschaftsübelkeit. Außerdem ist Doxylaminsuccinat als Kombinationsbestandteil in Erkältungsmitteln enthalten.

Anwendungsart

Doxylamin-Schlafmittel gibt es in Form von Tabletten, Saft, Tropfen oder Brausetabletten im Handel. Alle Darreichungsformen werden mit ausreichend Flüssigkeit ca. 1⁄2 – 1 Stunde vor dem Schlafengehen eingenommen. Dabei werden die Tabletten unzerkaut und die Brausetabletten, aufgelöst in einem Glas Wasser (0,1 - 0,3 l), eingenommen.  Es ist zu beachten, dass nach der Einnahme für eine ausreichende Schlafdauer gesorgt wird, um eine Beeinträchtigung des Reaktionsvermögens am folgenden Morgen zu vermeiden.

Die Doxylamin-Kapseln kombiniert mit Pyridoxin zur Behandlung von Übelkeit und Erbrechen während der Schwangerschaft sind auf nüchternen Magen einzunehmen und im Ganzen ohne Kauen mit Wasser zu schlucken.

Wirkmechanismus

Im Gegensatz zu modernen Antihistaminika entfalten Doxylamin und andere H1-Antihistaminika der 1. Generation ihre Wirkung nicht selektiv, sondern zentral dämpfend. Im Fall von Doxylamin ist der sedierende Effekt besonders stark ausgeprägt. Daher wird der Wirkstoff nicht mehr als Antiallergikum, sondern nahezu ausschließlich als Schlafmittel eingesetzt.

Pharmakokinetik

Der Wirkstoff liegt als Salz (Doxylaminsuccinat) vor und wird nach oraler Applikation rasch und nahezu vollständig resorbiert. Der Wirkungseintritt erfolgt innerhalb von 30 Minuten, maximale Serumkonzentrationen wurden ca. 2 Stunden nach oraler Einnahme und die Länge der Wirkungsdauer wird mit 3 – 6 Stunden angegeben. Die Metabolisierung erfolgt vorrangig in der Leber. Die Eliminationshalbwertszeit beträgt ca. 10 Stunden.

Dosierung

Schlafstörungen

  • Formulierungen: Tabletten, Brausetabletten, Tropfen, Saft
  • Erwachsene: Standarddosis: 25 mg Doxylaminsuccinat, Höchstdosis: 50 mg Doxylaminsuccinat
  • Die Behandlung sollte im Allgemeinen nur wenige Tage betragen und nicht länger als 2 Wochen dauern.

Übelkeit und Erbrechen (Schwangerschaft)

  • Standarddosis: 20 mg Doxylamin (+20 mg Pyridoxin) vor dem Schlafengehen
  • Maximale Tagesdosis: 40 mg Doxylamin (+40 mg Pyridoxin) aufgeteilt in: 10 mg am Morgen, 10 mg am Nachmittag, 20 mg vor dem Schlafengehen

Anpassungen bei Leber- und Nierenfunktionsstörung

  • Leberfunktionsstörung: Dosisanpassung erforderlich, da Doxylamin durch die Leber metabolisiert wird.
  • Nierenfunktionsstörung: Dosisreduktion empfohlen, um Akkumulation von Metaboliten zu vermeiden.

Nebenwirkungen

Doxylamin ist wie Diphenhydramin nicht verschreibungspflichtig. Das bedeutet aber nicht, dass diese Schlafmittel als harmlos einzustufen wären. Bei Menschen mit Epilepsie beispielsweise können schon kleinste Mengen Doxylamin einen schweren Krampfanfall auslösen. Zudem bedürfen nicht alle Ein- und Durchschlafstörungen einer medikamentösen Therapie. Wie bei anderen Schlafmitteln, kann sich auch bei Doxylamin eine Gewöhnung einstellen, wenn Medikamente mit diesem Wirkstoff zu lange eingenommen werden.

Ältere H1- Antihistaminika wie Doxylamin dürfen nicht mit Alkohol oder anderen zentral dämpfenden Substanzen kombiniert werden, da sich die Wirkung ansonsten in nicht vorhersehbarer Weise verstärken kann.

Wechselwirkungen

  • Zentral dämpfende Arzneimittel (z.B. Neuroleptika, Tranquilizer, Antidepressiva, Hypnotika, Analgetika, Anästhetika, Antiepileptika, Alkohol): wechselseitige Verstärkung der Wirkung
  • Phenytoin: Wirkungsabschwächung von Phenytoin
  • Anticholinerge Wirkungen (z. B. Atropin, Biperiden, trizyklische Antidepressiva): Verstärkung der anticholinergen Wirkung von Doxylamin
  • Hemmstoffe der Monoaminoxidase: Verstärkung der anticholinergen Wirkung von Doxylamin (z. B. paralytischer Ileus, Harnretention oder Glaukomanfall); Hypotension und verstärkte ZNS- und Atemfunktion-Depression
  • Antihypertensiva mit zentralnervöser Wirkkomponente (Clonidin, Alpha-Methyldopa): verstärkte Sedierung
  • Neuroleptika: Wirkungsabschwächung von Neuroleptika
  • Epinephrin: weiterer Blutdruckabfall (Adrenalinumkehr)
  • Hauttest: Verfälschung (falsch negativ)

Kontraindikation

  • Überempfindlichkeit gegenüber Doxylamin
  • akuter Asthma-Anfall
  • Engwinkel-Glaukom
  • Phäochromozytom
  • Prostata-Hypertrophie mit Restharnbildung
  • akute Vergiftung durch Alkohol, Schlaf- oder Schmerzmittel sowie Psychopharmaka (Neuroleptika, Tranquilizer, Antidepressiva, Lithium)
  • Epilepsie
  • gleichzeitige Therapie mit Hemmstoffen der Monoaminoxidase

Schwangerschaft

Doxylaminsuccinat hat beim Menschen keinen keimschädigenden Effekt, ebenso keine teratogene und fertilitätsmindernde Effekte. Doxylaminsuccinat soll dennoch während der Schwangerschaft nur nach strenger Abwägung des Nutzens gegen mögliche Risiken für das Kind verordnet werden.

Stillzeit

Doxylaminsuccinat ist während der Stillzeit kontraindiziert, da der Wirkstoff in die Muttermilch übergeht und neugeborene Säuglinge empfindlicher auf die Effekte von Antihistaminika reagieren.

Verkehrstüchtigkeit

Doxylaminsuccinat hat großen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen und kann auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch das Reaktionsvermögen stark beeinträchtigen.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
270.37 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 10.0 H
Kindstoff(e):
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