Ertugliflozin
Ertugliflozin ist ein orales Antidiabetikum aus der Klasse der SGLT2-Inhibitoren, das zur Behandlung von Typ-2-Diabetes mellitus eingesetzt wird. Es senkt den Blutzuckerspiegel, indem es die Rückresorption von Glukose in den Nieren hemmt und so die Glukoseausscheidung im Urin erhöht.
Wirkstoff Ertugliflozin: Übersicht

Anwendung
Steglatro ist für Erwachsene ab 18 Jahren mit Typ-2-Diabetes zur Verbesserung der Blutzuckerkontrolle in Kombination mit Diät und Bewegung zugelassen:
- Als Monotherapie, wenn Metformin aufgrund von Unverträglichkeit oder Kontraindikationen nicht infrage kommt.
- Als Zusatztherapie zu anderen blutzuckersenkenden Medikamenten.
Anwendungsart
Ertugliflozin wird oral eingenommen, in der Regel einmal täglich. Es ist als Monopräparat (Steglatro®) oder in fester Kombination mit Sitagliptin (Steglujan®) erhältlich. Die Einnahme kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen.
Wirkmechanismus
Ertugliflozin hemmt den Natrium-Glukose-Cotransporter 2 (SGLT2) in den Nieren, der für die Reabsorption von etwa 90% der gefilterten Glukose im proximalen Tubulus verantwortlich ist. Durch die Blockade von SGLT2 wird die Glukoseausscheidung im Urin erhöht, was zu einer Senkung des Blutzuckerspiegels führt. Zusätzlich kann Ertugliflozin eine Gewichtsreduktion und eine Senkung des Blutdrucks begünstigen.
Pharmakokinetik
Ertugliflozin wird nach oraler Gabe rasch resorbiert, mit einer maximalen Plasmakonzentration (cmax) etwa 1 bis 2 Stunden nach Einnahme. Die absolute Bioverfügbarkeit beträgt etwa 100%.
- Metabolismus: Ertugliflozin wird hauptsächlich durch Glucuronidierung über die Enzyme UGT1A9 und UGT2B7 metabolisiert, mit minimalem Beitrag des CYP450-Systems.
- Elimination: Die Substanz wird überwiegend über den Urin (ca. 50%) und den Stuhl (ca. 41%) ausgeschieden.
- Halbwertszeit: Die terminale Halbwertszeit beträgt ca. 17 Stunden, was eine einmal tägliche Einnahme ermöglicht.
Dosierung
Die empfohlene Anfangsdosis von Ertugliflozin beträgt 5 mg einmal täglich. Bei guter Verträglichkeit kann die Dosis auf 15 mg einmal täglich erhöht werden, um den Blutzucker weiter zu senken.
Nebenwirkungen
Häufige Nebenwirkungen umfassen:
- Genitale Mykosen: Besonders bei Frauen und unbeschnittenen Männern (häufigste Nebenwirkung)
- Harnwegsinfektionen: Leicht erhöhtes Risiko
- Plyurie: Aufgrund der osmotischen Diurese
Seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkungen:
- Euglykämische diabetische Ketoazidose: Besonders bei Insulinmangelzuständen
- Nekrotisierende Fasziitis des Perineums (Fournier-Gangrän): Sehr selten, aber potenziell lebensbedrohlich
- Hypovolämie: Besonders bei älteren Patienten oder bei gleichzeitiger Diuretika-Therapie
Wechselwirkungen
Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Ertugliflozin zu beachten:
- Diuretika: Erhöhtes Risiko für Dehydratation und Hypotonie
- Insulin/Sulfonylharnstoffe: Erhöhtes Hypoglykämierisiko, daher evtl. Dosisreduktion notwendig
- UGT-Induktoren (z. B. Rifampicin): Können den Ertugliflozin-Spiegel senken, möglicherweise mit Wirkverlust
Kontraindikationen
Ertugliflozin darf nicht bei bekannter Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff angewendet werden.
Schwangerschaft
Ertugliflozin sollte während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, da tierexperimentelle Studien auf unerwünschte Wirkungen auf die Nierenentwicklung des Feten hinweisen.
Stillzeit
Es ist unklar, ob Ertugliflozin in die Muttermilch übergeht oder Auswirkungen auf gestillte Kinder hat. In Tierstudien wurde der Wirkstoff in der Milch nachgewiesen und beeinflusste den Nachwuchs. Da beim Menschen die Nierenreifung in den ersten Lebensjahren noch nicht abgeschlossen ist, kann ein Risiko nicht ausgeschlossen werden. Daher wird die Anwendung in der Stillzeit nicht empfohlen.
Verkehrstüchtigkeit
Ertugliflozin hat keinen oder einen vernachlässigbaren Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit. Bei Hypoglykämie (insbesondere in Kombination mit Insulin oder Sulfonylharnstoffen) kann jedoch die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigt sein.
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Ertugliflozin zu beachten:
- Typ-1-Diabetes: Nicht anwenden bei Typ-1-Diabetes, da erhöhtes Risiko für diabetische Ketoazidose (DKA).
- Hypotonie/Hypovolämie: Durch osmotische Diurese möglich, besonders bei älteren Patienten, Diuretika-Anwendern oder eingeschränkter Nierenfunktion. Flüssigkeitshaushalt vor Therapiebeginn prüfen.
- Diabetische Ketoazidose: Seltene Fälle auch bei moderat erhöhtem Blutzucker. Symptome wie Übelkeit, Atemnot oder Verwirrtheit erfordern sofortige Abklärung und Therapieabbruch.
- Amputationsrisiko: Erhöhtes Risiko für Amputationen der unteren Gliedmaßen. Regelmäßige Fußpflege und Kontrolle empfohlen.
- Nierenfunktion: Wirksamkeit nimmt bei eingeschränkter Nierenfunktion ab. Therapie bei eGFR < 60 ml/min/1,73 m² nicht empfohlen.
- Hypoglykämie: Erhöhtes Risiko bei Kombination mit Insulin oder Insulin-Sekretagoga. Dosisanpassung kann nötig sein.
- Genitale Pilzinfektionen: Erhöhtes Risiko, besonders bei entsprechender Vorgeschichte. Überwachung und ggf. Behandlung empfohlen.
- Harnwegsinfektionen: Erhöhtes Risiko für Infektionen, bei schweren Verläufen Therapie pausieren.
- Ältere Patienten: Höheres Risiko für Volumenmangel und reduzierte Wirksamkeit bei Nierenfunktionsstörung.
- Labortests: Positive Urin-Glukose-Tests möglich, alternative Methoden zur Blutzuckerkontrolle verwenden.
Fachinformation Steglatro®










