Etilefrin

Etilefrin wird zur Therapie von Kreislaufregulationsstörungen mit Hypotonie eingesetzt. Es stimuliert Alpha- und Beta-Adrenozeptoren, erhöht so den Blutdruck und verbessert die Durchblutung – besonders bei orthostatischer Dysregulation wirksam.

Etilefrin

Anwendung

Etilefrin wird angewendet bei Kreislaufregulationsstörungen mit Hypotonie sowie bei Beschwerden im Stehtest (Schwindel, Schwächegefühl, Blässe, Schweißausbruch, Flimmern oder Schwarzwerden vor den Augen). Ebenso findet es Anwendung bei deutlichem Blutdruckabfall ohne kompensatorischen Anstieg der Herzfrequenz.

Anwendungsart

Die Einnahme von Etilefrin erfolgt als Tablette oder Tropfen.

Vorzugsweise wird die Einnahme vor Mahlzeiten durchgeführt. Die abendliche Einnahme sollte aufgrund der stimulierenden Wirkung vermieden werden, da sie den Schlaf beeinträchtigen kann.

Wirkmechanismus

Etilefrin ist ein direkt und peripher wirkendes Sympathomimetikum vom Phenylethylamin-Typ. Es bindet an adrenerge Alpha- und Beta-Rezeptoren und entfaltet seine Wirkung durch Stimulation dieser Rezeptoren an Gefäßen und Herz.

An den Alpha-1-Adrenozeptoren bewirkt Etilefrin eine Vasokonstriktion durch Aktivierung der Gq-Protein-gekoppelten Signalkaskade, die über Phospholipase C zur Bildung von Inositoltriphosphat (IP3) und Diacylglycerol (DAG) führt, was letztlich zu einem Anstieg des intrazellulären Calciumspiegels und damit zur Kontraktion der glatten Gefäßmuskulatur führt.

An den Beta-1-Adrenozeptoren am Herzen aktiviert Etilefrin die Gs-Protein-vermittelte Adenylatcyclase, wodurch die intrazelluläre cAMP-Konzentration steigt. Dies führt zu einer erhöhten Aktivität der Proteinkinase A (PKA) und damit zu einer verstärkten Calciumfreisetzung und gesteigerten Kontraktilität (positiv inotrop) sowie erhöhten Herzfrequenz (positiv chronotrop).

Über Beta-2-Adrenozeptoren kann es auch zu einer leichten Vasodilatation in bestimmten Gefäßgebieten kommen, wobei der blutdrucksteigernde Effekt jedoch überwiegt.
Insgesamt resultiert aus der alpha- und beta-adrenergen Stimulation eine Erhöhung des peripheren Widerstandes sowie des Herzzeitvolumens, was einen schnellen und anhaltenden Blutdruckanstieg bewirkt.

Pharmakokinetik

Resorption

  • Nahezu vollständige enterale Aufnahme
  • Absolute Bioverfügbarkeit: Tropfen ca. 55 %; Tabletten ca. 12 % (aufgrund ausgeprägtem First-Pass-Effekt in der Darmwand)

Verteilung

  • Plasmaproteinbindung: ca. 23 %
  • Verteilung nach intravenöser Gabe: Alpha-Halbwertszeit ca. 15 Minuten; Beta-Halbwertszeit: ca. 2–2,4 Stunden
  • Überwindet die Blut-Hirn-Schranke nach Tierdaten nicht

Elimination

  • Hauptsächlich renal: ca. 69–80 % als Konjugate und ca. 2 % unverändert
  • Elimination fast vollständig innerhalb von 24 Stunden, kann bei Niereninsuffizienz verzögert sein.

Dosierung

Die Dosierung von Etilefrin als Tropfen

Die Tropfengröße und der Wirkstoffgehalt pro Tropfen können je nach Präparat und Hersteller variieren. Daher wird im Folgenden auf die Dosisangabe in Tropfen verzichtet. Die exakte Dosierung richtet sich nach der Fachinformation des jeweiligen Präparats.

Erwachsene

  • Einzeldosis: 7,5-10 mg Etilefrinhydrochlorid
  • Häufigkeit: 2-3-mal täglich
  • Tagesdosis: mittlere Tagesdosis ca. 30 mg Etilefrinhydrochlorid

Kinder zwischen 2 und 6 Jahren

  • Einzeldosis: 2,5-5 mg Etilefrinhydrochlorid
  • Häufigkeit: 3-mal täglich 
  • Tagesdosis: 7,5-15 mg Etilefrinhydrochlorid am Tag

Kinder unter 2 Jahren

  • Einzeldosis: 1-2,5 mg Etilefrinhydrochlorid
  • Häufigkeit: 3-mal täglich 
  • Tagesdosis: 3-7,5 mg Etilefrinhydrochlorid am Tag

Die Dosierung von Etilefrin als Tablette

Erwachsene und Kinder über 6 Jahre

  • 3-mal täglich 1-2 Tabletten (entspricht 5-10 mg Etilefrinhydrochlorid)
  • Tagesdosis: 3-6 Tabletten (entspricht 15-30 mg Etilefrinhydrochlorid)

Kinder 2 bis 6 Jahre

  • 3-mal täglich ½ -1 Tablette (entspricht 2,5-5 mg Etilefrinhydrochlorid)
  • Tagesdosis: 1 ½ -3 Tabletten (entspricht 7,5-15 mg Etilefrinhydrochlorid)

Kinder unter 2 Jahren

  • Nur Tropfen

Nebenwirkungen

Häufige Nebenwirkungen (≥10%) bei Etilefrin sind:

  • Kopfschmerzen
  • Bauchschmerzen
  • Verdauungsstörungen

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Etilefrin zu beachten:

  • Blutdrucksteigerung durch Kombination mit anderen Sympathomimetika: Arzneistoffe wie MAO-Hemmer, trizyklische Antidepressiva, Schilddrüsenhormone, Antihistaminika, Dihydroergotamin oder weitere Sympathomimetika können die Wirkung von Etilefrin verstärken und zu einem unerwünschten Blutdruckanstieg führen.
  • Herzfrequenzerhöhung mit Atropin: Bei gleichzeitiger Anwendung von Atropin kann es zu einem Anstieg der Herzfrequenz kommen.
  • Alpha- und Beta-Blocker: Die Wirkung von Etilefrin kann abgeschwächt oder verändert werden. Es kann zu Blutdruckabfall oder -anstieg sowie zu einer verlangsamten Herzfrequenz (Bradykardie) kommen.
  • Beeinträchtigte Blutzuckersenkung bei Antidiabetika: Etilefrin kann die blutzuckersenkende Wirkung von Antidiabetika vermindern.
  • Erhöhtes Risiko für Herzrhythmusstörungen: In Kombination mit herzwirksamen Glykosiden oder halogenierten Inhalationsanästhetika (wie Halothan) kann das Risiko für Herzrhythmusstörungen steigen.
  • Wechselwirkung mit Thiamin: Bei den Tabletten kann ein Bestandteil (Natriumdisulfit) zur Inaktivierung von Vitamin B1 (Thiamin) führen.

Kontraindikationen

Etilefrin darf nicht angewendet werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen Etilefrin oder einen der sonstigen Bestandteile
  • Kreislaufregulationsstörungen mit hypertoner Reaktion im Stehtest
  • Hypertonie
  • Schilddrüsenüberfunktion
  • Phäochromozytom
  • Engwinkelglaukom
  • Entleerungsstörungen der Harnblase mit Restharnbildung, insbesondere bei Prostataadenom
  • Sklerotischen Gefäßveränderungen
  • Koronarer Herzkrankheit (KHK)
  • Dekompensierter Herzinsuffizienz
  • Tachykarden Herzrhythmusstörungen
  • Herzklappenstenosen und Stenosen der großen Arterien
  • Hypertropher obstruktiver Kardiomyopathie
  • Erstes Trimenon der Schwangerschaft
  • Stillzeit
  • angeborene Unverträglichkeiten gegenüber bestimmten Bestandteilen des Arzneimittels

Schwangerschaft

Etilefrin ist im ersten Schwangerschaftsdrittel kontraindiziert, da Hinweise auf eine mögliche teratogene Wirkung aus Tierversuchen vorliegen. Ab dem vierten Monat darf Etilefrin nur nach strenger ärztlicher Nutzen-Risiko-Abwägung angewendet werden.

Stillzeit

Während der Stillzeit darf Etilefrin nicht angewendet werden, da ein Übergang in die Muttermilch und mögliche Risiken für den Säugling nicht ausgeschlossen werden können.

Verkehrstüchtigkeit

Nebenwirkungen wie Schwindel können während der Behandlung auftreten, daher ist beim Führen von Fahrzeugen oder Bedienen von Maschinen Vorsicht geboten.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Etilefrin zu beachten:

  • Vorerkrankungen: Vorsicht bei Patienten mit Diabetes mellitus, Schilddrüsenüberfunktion, erhöhtem oder erniedrigtem Kalium- oder Calciumspiegel, schweren Nierenerkrankungen, Cor pulmonale, Herzrhythmusstörungen oder anderen schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
  • Erbliche Stoffwechselstörungen: Nicht geeignet für Patienten mit seltener hereditärer Fructose-Intoleranz (bei Tropfen) oder Galactose-Intoleranz/Lactasemangel/Glucose-Galactose-Malabsorption (bei Tabletten).
  • Allergische Reaktionen: Die enthaltenen Konservierungsstoffe können Überempfindlichkeitsreaktionen bis hin zu Spätreaktionen oder Bronchospasmus auslösen.
  • Kariesrisiko: Die zuckerhaltigen Tropfen können das Kariesrisiko erhöhen.
  • Dopingkontrollen: Die Anwendung von Etilefrin kann zu positiven Dopingtests führen.
  • Kinder: Für Kinder unter 2 Jahren sind nur die Tropfenform geeignet; generell ist die Anwendung bei Kindern nur unter ärztlicher Kontrolle empfohlen.
  • Alkoholgehalt (bei Tropfen): Enthält Alkohol, jedoch in Mengen ohne wahrnehmbare Auswirkungen.

Alternativen

Mögliche therapeutische Alternativen:

Alle genannten Alternativen dienen der Behandlung der symptomatischen Hypotonie und zielen darauf ab, den Blutdruck zu stabilisieren oder Kreislaufregulationsstörungen zu vermindern. Sie unterscheiden sich im Wirkmechanismus, verfolgen aber dasselbe therapeutische Ziel.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
181.23 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 3.0 H
Q0-Wert:
0.7
Kindstoff(e):
Autor:
Stand:
05.08.2025
Quelle:
  1. Fachinformation Bioflutin 5 mg/ml (2024). Südmedica GmbH. München (Aufgerufen am 26.04.2025).
  2. Fachinformation Effortil Tablette 5 mg (2021). SERB SA. Brüssel (Aufgerufen am 26.04.2025).
  3. Fachinformation Effortil Tropfen 7,5 mg/ml (2021). SERB SA. Brüssel (Aufgerufen am 26.04.2025).
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