Fludrocortison
Fludrocortison ist ein synthetisches Glukokortikoid mit starken mineralokortikoiden Eigenschaften, das die Natriumretention in den Nieren fördert und zur Erhöhung des Blutvolumens und Blutdrucks beiträgt. Klinisch wird Fludrocortison bei der Behandlung der primären Nebennierenrindeninsuffizienz (Morbus Addison) und bei bestimmten Formen des orthostatischen Hypotonie eingesetzt.
Fludrocortison: Übersicht

Anwendung
Der Wirkstoff Fludrocortison besitzt folgende Anwendungsgebiete:
- Substitutionstherapie bei Morbus Addison und Salzverlustsyndrom
- Kurzzeittherapie der schweren behandlungsbedürftigen hypoadrenergen orthostatischen Hypotension (Dysautonomie)
Wirkmechanismus
Fludrocortison ist ein synthetisches Steroid, das primär für seine potenten mineralokortikoiden Effekte bekannt ist, obwohl es auch geringfügige Glukokortikoidaktivität besitzt. Es ahmt die Wirkung des natürlichen Hormons Aldosteron nach, das in der Nebennierenrinde produziert wird und eine zentrale Rolle in der Regulation des Elektrolyt- und Wasserhaushalts des Körpers spielt. Fludrocortison fördert die Natriumretention in den Nierentubuli, was sekundär zur Wasserretention führt und somit das Blutvolumen und den Blutdruck erhöht. Gleichzeitig bewirkt es eine verstärkte Ausscheidung von Kalium und Wasserstoffionen, was zu einer Verschiebung des Elektrolythaushalts führen kann.
Der Wirkmechanismus von Fludrocortison umfasst die Bindung an mineralokortikoide Rezeptoren in den Zellen der Nierentubuli, was zur Aktivierung von Genen führt, die für die Synthese von Proteinen verantwortlich sind, welche den Natriumtransport fördern. Diese Aktivierung beeinflusst die Expression von Natriumkanälen und Natrium-Kalium-ATPasen an der Zellmembran, was die Reabsorption von Natrium aus dem Primärharn und somit die Wasserretention im Körper verstärkt.
Durch die Erhöhung des intravaskulären Volumens und des Blutdrucks wird Fludrocortison therapeutisch bei Zuständen eingesetzt, bei denen eine gesteigerte mineralokortikoide Aktivität erwünscht ist, wie bei der Behandlung der primären Nebenniereninsuffizienz (Morbus Addison) oder bestimmten Formen der orthostatischen Hypotonie. Seine Wirkung trägt dazu bei, das Gleichgewicht von Elektrolyten und Flüssigkeiten im Körper zu stabilisieren und die Symptome dieser Erkrankungen zu lindern.
Dosierung
Substitutionstherapie:
- Individuelle Anpassung erforderlich, üblicher Dosisbereich 0,05 – 0,2 mg täglich.
- Bei Morbus Addison: Durchschnittlich 0,1 – 0,2 mg pro Tag, kombiniert mit angepasster Cortisolsubstitution.
- Adrenogenitales Syndrom: Zusätzlich zu 15 – 30 mg Hydrocortison/m² Körperoberfläche täglich, Fludrocortison 0,15 bis 0,3 mg/m² Körperoberfläche in den ersten Lebenswochen/-monaten. Im zweiten Lebensjahr halbiert sich die Dosis, im dritten Jahr beträgt sie nur noch ein Viertel bis ein Drittel.
Hypoadrenerge orthostatische Hypotension:
- Erwachsene: Beginn mit 0,1 – 0,2 mg täglich, bei Bedarf Erhöhung auf bis zu 0,3 mg. Bei starker Symptomatik weitere Steigerung möglich.
- Kinder: Start mit 0,1 – 0,3 mg pro Tag, nach Besserung Reduktion auf 0,05 bis 0,1 mg täglich oder 0,1 mg jeden zweiten Tag.
Nebenwirkungen
Die Einnahme von Fludrocortison kann schwere Nebenwirkungen haben. Dazu zählen Bluthochdruck und Herzversagen infolge der Überlastung des Herzens durch das vermehrte Blutvolumen. Ödeme (Einlagerungen von Gewebewasser) und Gewichtszunahme sind weitere typische Nebenwirkungen von Fludrocortison. Zudem kommt es mitunter zu Magen- oder Darmgeschwüren, Muskelschwäche und Kopfschmerzen. Während der Behandlung mit Fludrocortison muss die Blutkaliumkonzentration überwacht werden. Mitunter sind während der Therapie Kaliumsubstitutionen notwendig.
Kontraindikationen
Fludrocortison darf nicht angewendet werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
- Patienten über 65 Jahre (gilt nicht für die Substitutionstherapie)
- Hypotonie aufgrund organischer Herzerkrankungen
- Hypertonie
- Hypokaliämie
- Metabolischer Alkalose
- Allen Krankheiten, für die eine Blutdrucksteigerung oder eine Ödementstehung ein erhöhtes Risiko darstellen. Dazu gehören u. a. sklerotische Gefäßveränderungen (z. B. koronare Herzerkrankung oder Zerebralsklerose, Aortenaneurysma, hämodynamisch relevante Herzklappenerkrankungen, Herzinsuffizienz, hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie), Leberzirrhose, Niereninsuffizienz, Lungenödem, Phäochromozytom
- Hypovolämischem Schock
Anwendungshinweise
Bei der Anwendung von Fludrocortison sind folgende Vorsichtsmaßnahmen zu beachten:
- Individuelle Anpassung: Erfordert genaue Einstellung und regelmäßige Überwachung (Gewicht, Blutdruck, Elektrolyte). Eventuell ist eine salzarme Diät und Kaliumsupplementierung nötig.
- Therapiedauer: Sollte generell zwei Monate nicht überschreiten, aufgrund begrenzter Daten zu Langzeittherapie.
- Phäochromozytom-Krise: Vorsicht bei Patienten mit Phäochromozytom; Einsatz nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung.
- Sehstörungen: Bei Symptomen wie verschwommenem Sehen sollte eine augenärztliche Untersuchung erfolgen, um Ursachen wie Katarakt, Glaukom oder zentrale seröse Chorioretinopathie zu klären.
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