Fusidinsäure

Fusidinsäure ist ein bakteriostatisch wirksames Antibiotikum für die dermatologische und ophthalmologische Anwendung bei bakteriellen Infektionen.

Fusidinsaeure

Anwendung

Fusidinsäure ist indiziert für die Behandlung nicht schwerer, oberflächlicher, umschriebener primärer und sekundärer Hautinfektionen aufgrund von Mikroorganismen, die auf Fusidinsäure ansprechen, insbesondere Staphylokokkus-Infektionen.

Primäre Hautinfektionen, die ggf. auf eine topische Behandlung mit Fusidinsäure ansprechen, sind:

  • Impetigo contagiosa
  • oberflächliche Follikulitis
  • Sycosis barbae
  • Paronychie
  • Erythrasma

Auch sekundäre Hautinfektionen wie infizierte ekzematöse (Kontakt-)Dermatitis und infizierte Schnitt und Schürfwunden, können durch Fusidinsäure behandelt werden.

Darüber hinaus wird Fusidinsäure in Form von Augentropfen bei bakteriellen Infektionen der Bindehaut (Konjunktivitis) mit Fusidinsäure-empfindlichen Erregern angewendet.

Wirkmechanismus

Fusidinsäure wirkt als Inhibitor der bakteriellen Proteinsynthese, indem der Wirkstoff die Translokation des Elongationsfaktors G (EF-G) aus dem Ribosom verhindert. Da die Translokation ein Teil der Elongation und des Ribosomen-Recyclings ist, blockiert Fusidinsäure somit die Proteinsynthese der Bakterien. Fusidinsäure ist hauptsächlich bei grampositiven Bakterien wie Staphylococcus-Spezies und Corynebacterium-Spezies wirksam.

Pharmakokinetik

Augentropfen

Fusidinsäure erreicht in der Tränenflüssigkeit Konzentrationen, die über den minimalen Hemmkonzentrationen der meisten pathogenen Erreger liegen.

  • 1 Stunde nach Instillation: ca. 15 µg/ml
  • 3 Stunden: ca. 15,8 µg/ml
  • 6 Stunden: ca. 8,5 µg/ml
  • 12 Stunden: ca. 6,0 µg/ml

Penetration ins Kammerwasser

Eine Einzeldosis führt zu einer Konzentration von ca. 0,3 µg/ml im Kammerwasser für mindestens 12 Stunden. Wiederholte Gaben steigern den Wirkstoffspiegel signifikant, was auf einen kumulativen Effekt hinweist.

Dermale Anwendung

  • Fusidinsäure penetriert die Haut abhängig vom Vehikel und Hautzustand. 
  • Bei Wunden kann sie auch oberflächliche Belege durchdringen und in tiefer liegenden Bereichen wirksame Konzentrationen erreichen.

Systemische Elimination 

  • Fusidinsäure wird nach Aufnahme nahezu vollständig über die Leber ausgeschieden.

Dosierung

Unbedeckte Läsionen: vorsichtig drei- oder viermal täglich auftragen

Bedeckte Läsionen: weniger Anwendungen dürften angemessen sein

Anwendung am Auge: 2-mal täglich (morgens und abends) 1 Tropfen der 10 mg/g Augentropfen

Normalerweise tritt nach 2 – 4 Tagen eine deutliche Besserung des Krankheitsbildes ein; die komplette Abheilung wird nach 6 – 10 Tagen erreicht. Die Behandlung sollte noch mindestens 48 Stunden nach Normalisierung fortgesetzt werden.

Nebenwirkungen

Bei der lokalen Anwendung von Fusidinsäure treten vor allem Hautreaktionen wie Juckreiz und Ausschlag sowie Beschwerden an der Anwendungsstelle, darunter Schmerzen und Reizungen, auf. Diese Nebenwirkungen betreffen insgesamt weniger als 1% der behandelten Personen.

Bei der Anwendung als Augentropfen sind Reaktionen im Augenbereich zu beobachten, darunter Schmerzen, Juckreiz und Unbehagen, die etwa 8,5% der Patienten betreffen. Zusätzlich kommt es bei ungefähr 1,2% der Anwender zu Sehstörungen. In seltenen Fällen wurden nach der Markteinführung auch Angioödeme gemeldet.

Wechselwirkungen

Bei der Anwendung von Fusidinsäure sind Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln kaum zu erwarten, da der Wirkstoff bei lokal anzuwendenden Darreichungsformen nur minimal vom Körper aufgenommen wird. Daher wurden keine speziellen Studien zur Erfassung von Wechselwirkungen durchgeführt, und das Risiko für Interaktionen mit systemisch wirkenden Medikamenten gilt als sehr gering.

Kontraindikationen

Fusidinsäure darf nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff.

Schwangerschaft

Bei der lokalen Anwendung von Fusidinsäure, beispielsweise in Form von Augentropfen, sind keine negativen Auswirkungen auf die Schwangerschaft zu erwarten, da die Aufnahme des Wirkstoffs in den Körper minimal ist.

Stillzeit

Auch in der Stillzeit besteht kein Risiko für das gestillte Kind, da die systemische Belastung der Mutter durch lokal angewendete Fusidinsäure vernachlässigbar ist.

Verkehrstüchtigkeit

Fusidinsäure hat keinen oder nur einen sehr geringen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit, Maschinen zu bedienen. Allerdings sollten Anwender von Fusidinsäure-Augentropfen beachten, dass es unmittelbar nach der Anwendung zu vorübergehender verschwommener Sicht kommen kann.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Fusidinsäure zu beachten:

  • Antibiotikaresistenz: Bei der Anwendung von Fusidinsäure wurden Fälle von bakterieller Resistenzbildung beobachtet. Wie bei allen Antibiotika kann eine langfristige oder wiederholte Anwendung das Risiko einer Antibiotikaresistenz erhöhen.
  • Kontaktlinsen und Augentropfen: Während der Anwendung von Fusidinsäure-Augentropfen sollten keine Kontaktlinsen getragen werden, da die mikrokristalline Fusidinsäure Kratzer auf Kontaktlinsen oder der Hornhaut verursachen kann. Kontaktlinsen können 12 Stunden nach Abschluss der Behandlung wieder eingesetzt werden.
  • Augenreizungen durch Zusatzstoffe: Es ist möglich dass Fusidinsäure-Augentropfen Benzalkoniumchlorid enthalten, das zu Augenreizungen führen und weiche Kontaktlinsen verfärben kann.
  • Kondomsicherheit bei Anwendung im Genitalbereich: Fusidinsäure-Creme kann Paraffin und Vaselin enthalten, die bei Anwendung im Genital- oder Analbereich in Kombination mit Latexkondomen die Reißfestigkeit der Kondome verringern und somit deren Sicherheit beeinträchtigen können.
  • Haut- und Schleimhautreizungen durch Hilfsstoffe: Fusidinsäure-Creme kann Butylhydroxyanisol, Cetylalkohol und Kaliumsorbat enthalten, die lokal begrenzte Hautreizungen wie Kontaktdermatitis auslösen können. Butylhydroxyanisol kann zusätzlich Reizungen an den Augen und Schleimhäuten verursachen; daher sollte die Creme in Augennähe nur mit Vorsicht angewendet werden.

Alternativen

Dermale Alternativen

Okulare Alternativen

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
516.71 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 6.0 H
Q0-Wert:
1.0
Autor:
Stand:
11.11.2024
Quelle:

Fachinformationen Fusidinsäure-haltiger Präparate

  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden
40 Präparate mit Fusidinsäure