Idebenon

Der Wirkstoff Idebenon ist ein Antioxidans, welches zur Behandlung der Leberschen hereditären Optikusneuropathie eingesetzt wird. Es wirkt auf die mitochondriale Elektronentransportkette, indem es die ATP-Produktion in den retinalen Ganglienzellen fördert.

Idebenon

Anwendung

Der Wirkstoff Idebenon findet Anwendung in der Therapie von Sehstörungen bei jugendlichen und erwachsenen Patienten mit Leberscher hereditärer Optikusneuropathie (LHON).

Anwendungsart

Die Filmtabletten mit dem Wirkstoff Idebenon sollten im Ganzen unzerkaut mit Wasser geschluckt werden. Es wird empfohlen, Idebenon zusammen mit Nahrung einzunehmen, da somit die Bioverfügbarkeit des Wirkstoffs erhöht wird.

Wirkmechanismus

Idebenon, als kurzkettiges Benzochinon und Antioxidans, fungiert durch Übertragung von Elektronen direkt auf den Komplex III der mitochondrialen Elektronentransportkette. Diese Fähigkeit ermöglicht es Idebenon, den defekten Komplex I zu umgehen, der typischerweise durch LHON beeinträchtigte mtDNA-Mutationen betroffen ist, und dadurch die ATP-Produktion unter den Bedingungen eines Komplex-I-Defizits wiederherzustellen. Es wird angenommen, dass Idebenon auf diese Weise die funktionelle Aktivität inaktiver, aber lebensfähiger retinaler Ganglienzellen bei LHON-Patienten reaktivieren könnte. Die potenzielle Wiederherstellung der Sehfähigkeit hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich der Dauer seit Symptombeginn und der Anzahl der betroffenen Ganglienzellen.

Pharmakokinetik

Resorption

  • Idebenon wird nach Einnahme mit Nahrung besser resorbiert, wodurch seine Bioverfügbarkeit um das 5- bis 7-fache steigt.
  • Maximale Plasmakonzentrationen werden durchschnittlich innerhalb einer Stunde erreicht.

Verteilung

  • Idebenon überwindet die Blut-Hirn-Schranke und erreicht pharmakologisch relevante Konzentrationen im Hirngewebe und im Kammerwasser des Auges.

Metabolismus

  • Der Metabolismus von Idebenon erfolgt hauptsächlich durch oxidative Verkürzung der Seitenkette und Reduktion des Chinonrings.
  • Die Hauptmetaboliten im Plasma sind Glucuronide und Sulfate der Phase-I-Metaboliten.

Elimination

  • Idebenon wird überwiegend metabolisiert und die Metaboliten werden hauptsächlich renal ausgeschieden.
  • Die Plasmakonzentrationen sind nach Einnahme von 750 mg nur bis zu 6 Stunden messbar.

Dosierung

Allgemeine Dosierung

  • Empfohlene Tagesdosis: 900 mg Idebenon
  • Einnahmeschema: 300 mg dreimal täglich
  • Behandlungsdauer: Kontinuierliche Behandlung, Daten bis zu 24 Monate verfügbar

Spezielle Patientengruppen

  • Ältere Patienten: Keine spezifischen Dosisanpassungen erforderlich
  • Leber- oder Nierenfunktionsstörungen: Spezifische Dosierungsempfehlungen nicht möglich; Vorsicht bei der Behandlung, da Nebenwirkungen zu einer Unterbrechung führen können
  • Kinder und Jugendliche: Sicherheit und Wirksamkeit bei unter 12-Jährigen nicht gesichert; keine Dosierungsempfehlung möglich

Nebenwirkungen

Zu den häufigen bzw. sehr häufigen Nebenwirkungen, die während einer Therapie mit Idebenon auftreten können, zählen:

  • Nasopharyngitis
  • Husten
  • Diarrhö
  • Rückenschmerzen

Nebenwirkungen unbekannter Häufigkeit, die potenziell unter Idebenon auftreten können, umfassen:

  • Bronchitis
  • Agranulozytose, Anämie, Leukozytopenie, Thrombozytopenie, Neutropenie
  • Erhöhtes Cholesterin und Triglyzeriden im Blut
  • Krampfanfälle, Delirium, Halluzinationen, Agitation, Dyskinesie, Poriomanie, Schwindel, Kopfschmerzen
  • Nausea, Erbrechen, Anorexie, Dyspepsie
  • Ausschlag, Pruritus
  • Schmerzen in den Gliedmaßen
  • Azotämie, Chromurie
  • Unwohlsein
  • Erhöhte Leberwerte im Blut

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Idebenon zu beachten:

  • CYP450-Isoformen: Idebenon und sein Metabolit QS10 hemmen oder induzieren keine Cytochrom P450-Isoformen (CYP1A2, 2B6, 2C8, 2C9, 2C19, 2D6, 3A4) in klinisch relevanten Konzentrationen.
  • Schwache CYP3A4-Hemmung: Idebenon ist in vivo ein schwacher CYP3A4-Hemmer. Nach wiederholter Gabe kann Idebenon den Metabolismus von CYP3A4-Substraten wie Midazolam beeinflussen, was zu erhöhten Plasmaspiegeln führen kann.
  • P-Glykoprotein (P-gp): Idebenon kann möglicherweise P-gp hemmen, was zu einer gesteigerten Exposition gegenüber Substraten wie Dabigatranetexilat, Digoxin oder Aliskiren führt.
  • Vorsicht bei CYP3A4-Substraten: Besondere Vorsicht ist geboten bei der gleichzeitigen Anwendung von Idebenon mit CYP3A4-Substraten mit geringer therapeutischer Breite.

Kontraindikationen

Die Anwendung von Idebenon ist kontraindiziert bei Überempfindlichkeit oder Allergie gegen den Wirkstoff.

Schwangerschaft

Die Sicherheit von Idebenon bei Schwangeren ist unbestätigt. Tierstudien zeigten keine schädlichen Effekte auf Reproduktion. Idebenon sollte dennoch bei schwangeren Frauen oder Frauen im gebärfähigen Alter nur angewendet werden, wenn der therapeutische Nutzen die Risiken übersteigt.

Stillzeit

Da Idebenon potenziell in die Muttermilch übergeht, kann ein Risiko für den Säugling nicht ausgeschlossen werden. Deshalb sollte Idebenon von stillenden Frauen nur nach einer gründlichen Nutzen-Risiko-Abwägung eingenommen werden.

Verkehrstüchtigkeit

Idebenon hat einen zu vernachlässigenden Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Idebenon zu beachten:

  • Überwachung: Regelmäßige Überwachung der Patienten ist erforderlich.
  • Leber- oder Nierenfunktionsstörungen: Bei Vorliegen von Leber- oder Nierenfunktionsstörungen ist besondere Vorsicht geboten, da unerwünschte Ereignisse zu einer Unterbrechung oder zum Absetzen der Behandlung führen können.
  • Chromurie: Die Ausscheidung von rötlich-braunem Urin durch Idebenon-Metaboliten ist harmlos und steht nicht im Zusammenhang mit Hämaturie. Trotzdem ist Vorsicht geboten, um sicherzustellen, dass keine ernsthaften Erkrankungen übersehen werden.

Alternativen

Neben Idebenon als einzig verfügbare medikamentöse Behandlung für die Lebersche hereditäre Optikusneuropathie kommt noch eine experimentelle Gentherapie mit Ersatz der defekten mtDNA oder der Ersatz der Mitochondrien als weiterer Therapieansatz in Betracht. Zudem können Lebensstil-Interventionen, Beratungsangebote sowie Rehabilitationsmaßnahmen bei der Behandlung der Leberschen hereditären Optikusneuropathie unterstützend wirken.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
338.44 g·mol-1
Autor:
Stand:
12.01.2025
Quelle:
  1. Freissmuth et al., Pharmakologie und Toxikologie, 2020, Springer
  2. Scholz et al., Taschenbuch der Arzneibehandlung, 2005, Springer
  3. Fachinformationen des Idebenon-Herstellers Chiesi (Raxone 150 mg Filmtabletten)
  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden
1 Präparate mit Idebenon