Ketoprofen
Ketoprofen ist ein nichtsteroidales Antirheumatikum (NSAR), das durch Hemmung der Cyclooxygenase-Enzyme (COX-1 und COX-2) entzündungshemmende, schmerzlindernde und fiebersenkende Wirkungen entfaltet. Es wird bei der Behandlung von rheumatoider Arthritis, Osteoarthritis und akuten Schmerzen eingesetzt.
Ketoprofen: Übersicht

Anwendung
Ketoprofen wird angewendet zur symptomatischen Behandlung akuter, schwerer Schmerzen bei:
- Akuter Arthritis
- Chronischer Arthritis, insbesondere rheumatoider Arthritis
- Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) und anderen entzündlich-rheumatischen Wirbelsäulenerkrankungen
- Reizzuständen degenerativer Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen (Arthrosen)
Die parenterale Anwendung von Ketoprofen ist indiziert, wenn ein besonders schneller Wirkungseintritt erforderlich ist oder eine orale Einnahme oder rektale Gabe nicht möglich ist. Diese Behandlung sollte in der Regel nur als einmalige Injektion zur Therapieeinleitung erfolgen.
Wirkmechanismus
Ketoprofen ist ein nichtsteroidales Antirheumatikum (NSAR), das seine Wirkung durch die Hemmung der Cyclooxygenase-Enzyme (COX-1 und COX-2) entfaltet. Diese Enzyme sind für die Umwandlung von Arachidonsäure in Prostaglandine verantwortlich, welche eine zentrale Rolle bei Entzündungsprozessen, Schmerzempfindung und Fieber spielen. Durch die Hemmung von COX-1 und COX-2 reduziert Ketoprofen die Synthese von Prostaglandinen, was zu einer verminderten Entzündungsreaktion und Schmerzlinderung führt. Darüber hinaus wirkt Ketoprofen stabilisierend auf Lysosomenmembranen, was die Freisetzung von Entzündungsmediatoren weiter hemmt. Es besitzt auch antioxidative Eigenschaften, die die Gewebeschädigung durch freie Radikale reduzieren können.
Pharmakokinetik
Nach oraler Verabreichung wird Ketoprofen im Dünndarm schnell resorbiert. Die maximalen Plasmaspiegel werden nach oraler und rektaler Gabe innerhalb von 1 bis 2 Stunden erreicht, bei intramuskulärer Injektion nach 20 bis 30 Minuten. Die systemische Verfügbarkeit liegt bei über 90% nach oraler Gabe und über 70 % nach intramuskulärer und rektaler Gabe.
Ketoprofen wird in der Leber durch Hydroxylierung und Konjugation metabolisiert, wobei die pharmakologisch unwirksamen Metaboliten hauptsächlich über die Nieren (92 – 98%) und der Rest über die Galle ausgeschieden werden. Die Eliminationshalbwertszeit beträgt bei gesunden Personen 1,5 bis 2,5 Stunden, kann sich aber bis auf 8 Stunden verlängern. Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion verlängert sich die Elimination proportional zum Grad der Einschränkung. Die Plasmaproteinbindung von Ketoprofen beträgt etwa 99%.
Dosierung
Oral
- Maximale Tagesdosis: 200 mg
- Erwachsene: 50-200 mg/Tag in 1-2 Dosen
- Ältere Patienten: Sorgfältige Überwachung, niedrige Initialdosis
- Nieren-/Leberfunktion eingeschränkt: Niedrigste wirksame Dosis
- Kinder/Jugendliche: Nicht empfohlen
- Unzerkaut mit Flüssigkeit, während oder nach Mahlzeit
Intramuskulär
- Maximale Tagesdosis: 200 mg
- Erwachsene: Einmalige Injektion, bei Bedarf 2x/Tag (Injektionsstelle wechseln), max. 200 mg
- Weiterbehandlung: Oral oder mit Zäpfchen
Schmerzgel (topisch)
- Erwachsene: 2-4 g Gel (entspricht ca. 5-10 cm Strang), 2-3 mal täglich auf die betroffene Stelle auftragen
- Kinder/Jugendliche: Nicht empfohlen
- Auf die Haut auftragen, leicht einmassieren
Hinweise
- Niedrigste wirksame Dosis für kürzeste Dauer anwenden.
Nebenwirkungen
Die am häufigsten beobachteten Nebenwirkungen betreffen den Magen-Darm-Trakt. Besonders bei älteren Patienten können Magengeschwüre, Durchbrüche oder Blutungen auftreten, die mitunter tödlich enden können. Weitere berichtete Beschwerden sind Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Blähungen, Verstopfung, Verdauungsstörungen, Bauchschmerzen, schwarzer Stuhl, blutiges Erbrechen, entzündliche Erkrankungen der Mundschleimhaut sowie die Verschlechterung von Colitis und Morbus Crohn. Weniger häufig tritt Gastritis auf. Das Risiko für Magen-Darm-Blutungen steigt insbesondere mit der Höhe der Dosis und der Dauer der Anwendung.
Wechselwirkungen
Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Ketoprofen zu beachten:
- Lithium: Risiko erhöhter Serum-Lithiumspiegel, möglicherweise toxisch. Engmaschige Überwachung und Anpassung der Lithiumdosis erforderlich.
- Methotrexat (über 15 mg/Woche): Erhöhtes Risiko hämatologischer Toxizität. Überwachung der Blutwerte notwendig.
- Diuretika, ACE-Hemmer, Angiotensin-II-Antagonisten: Höheres Risiko für Nierenversagen. Patienten sollten rehydriert und die Nierenfunktion überwacht werden.
- Kaliumsparende Diuretika: Risiko einer Hyperkaliämie. Blut-Kaliumspiegel überwachen.
- Methotrexat (unter 15 mg/Woche): Wöchentliche Kontrolle des Blutbilds zu Beginn der Therapie, häufiger bei Nierenfunktionsänderungen oder älteren Patienten.
- Glukokortikoide: Erhöhtes Risiko gastrointestinaler Ulzera oder Blutungen.
- Schleifendiuretika: Verstärktes Risiko für Nierenfunktionsstörungen.
- Pentoxifyllin: Erhöhtes Blutungsrisiko, klinische Überwachung und Kontrolle der Blutungszeit erforderlich.
- Antihypertensiva (Beta-Blocker, ACE-Inhibitoren, Diuretika): Abnahme der antihypertensiven Wirkung möglich.
- Chinolon-Antibiotika: Erhöhtes Risiko für Krampfanfälle bei gleichzeitiger Einnahme.
- Phenytoin: Erhöhung des Serum-Phenytoin-Spiegels möglich, Überwachung empfohlen.
- Digoxin: Verstärkung der Herzinsuffizienz und Anstieg der Serum-Digoxin-Spiegel möglich, Kontrolle empfohlen.
- Thrombozytenaggregationshemmer, Heparin (prophylaktische Dosen): Erhöhtes Blutungsrisiko.
- Hyperkaliämie auslösende Arzneimittel: Risiko einer Hyperkaliämie.
- Ciclosporin, Tacrolimus: Additive nephrotoxische Wirkungen möglich, besonders bei älteren Patienten.
- Thrombolytika: Erhöhtes Blutungsrisiko.
- Probenecid, Sulfinpyrazon: Verzögerte Ausscheidung von Ketoprofen möglich.
- Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs): Erhöhtes Risiko gastrointestinaler Blutungen.
- Antazida: Verringerte Resorption von Ketoprofen möglich.
- Orale Antidiabetika: Keine klinisch signifikanten Wechselwirkungen, jedoch Vorsicht und Kontrolle der Blutzuckerwerte empfohlen.
Kontraindikationen
Ketoprofen darf nicht angewendet werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
- Überempfindlichkeitsreaktionen wie Bronchospasmus, Asthmaanfälle, Rhinitis, Urtikaria oder andere allergische Reaktionen gegen Ketoprofen, Acetylsalicylsäure oder andere NSAR in der Anamnese
- bekannten photoallergischen oder phototoxischen Reaktionen unter der Behandlung mit Ketoprofen oder Fibraten
- ungeklärten Blutbildungsstörungen
- bestehendem peptischem Ulkus
- gastrointestinaler Blutung, Ulzeration oder Perforation in der Anamnese
- hämorrhagischer Diathese
- zerebrovaskulärer Blutung oder anderen aktiven Blutungen
- schwerer Herzinsuffizienz
- schwerer Leber- oder Niereninsuffizienz
- Schwangeren im dritten Schwangerschaftstrimester
Schwangerschaft
Die Hemmung der Prostaglandinsynthese kann Schwangerschaft und embryonale Entwicklung negativ beeinflussen. Studien zeigen ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten und kardiale Missbildungen in der Frühschwangerschaft. Das Risiko steigt mit Dosis und Therapiedauer.
Ab der 20. Woche kann Ketoprofen Oligohydramnion verursachen, das nach Absetzen der Behandlung meist reversibel ist. Im dritten Trimester können Prostaglandinsynthesehemmer kardiopulmonale Toxizität und Nierenfunktionsstörungen beim Fötus sowie verlängerte Wehen bei der Mutter verursachen. Daher ist Ketoprofen im dritten Trimester kontraindiziert.
Stillzeit
Da keine Daten zur Ausscheidung von Ketoprofen in die Muttermilch vorliegen wird die Anwendung von Ketoprofen bei stillenden Müttern nicht empfohlen.
Verkehrstüchtigkeit
Falls Nebenwirkungen wie Schläfrigkeit, Schwindel oder Krämpfe unter der Anwendung auftreten sollte darauf verzichtet werden aktiv am Straßenverkehr teilzunehmen oder Maschinen zu bedienen. Da in höherer Dosierung zentrale Nebenwirkungen wie Müdigkeit und Schwindel auftreten können, kann die Reaktionsfähigkeit im Einzelfall beeinträchtigt werden. Dies gilt besonders in Kombination mit Alkohol.
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Ketoprofen zu beachten:
- Anaphylaktische Reaktionen: Möglichkeit bis hin zum Schock. Eine Stunde Beobachtungszeit nach Injektion, Notfallbesteck bereithalten.
- Minimale wirksame Dosis: Nebenwirkungen durch niedrigste wirksame Dosis und kürzeste Dauer reduzieren.
- Gastrointestinale Sicherheit: Kombination mit anderen NSAR, einschließlich COX-2-Hemmern, vermeiden.
- Ältere Patienten: Höheres Risiko für tödliche gastrointestinale Blutungen und Perforationen.
- Gastrointestinale Blutungen, Ulzera: Risiko steigt bei höheren Dosen und Anamnese von Ulzera. Kombination mit protektiven Arzneimitteln in Betracht ziehen.
- Symptomüberwachung: Besonders bei älteren Patienten, ungewöhnliche Bauchraumsymptome melden.
- Gleichzeitige Medikation: Vorsicht bei Kortikosteroiden, Antikoagulanzien, SSRIs und Thrombozytenaggregationshemmern.
- Kardiovaskuläre Wirkungen: Überwachung bei Patienten mit Hypertonie, Herzinsuffizienz, ischämischer Herzerkrankung oder peripherer arterieller Verschlusskrankheit.
- Hautreaktionen: Selten schwere Reaktionen wie Dermatitis oder Stevens-Johnson-Syndrom. Bei ersten Anzeichen absetzen.
- Lichtempfindlichkeit: Erhöhtes Risiko für photoallergische Reaktionen.
- Infektionssymptome: Ketoprofen kann Symptome maskieren, verzögerte Behandlung möglich.
- Porphyrien: Nur nach strenger Abwägung anwenden.
- Engmaschige Überwachung: Bei vorgeschädigter Niere, Leberfunktionsstörungen, nach Operationen, Heuschnupfen, Nasenpolypen, obstruktiven Atemwegserkrankungen, intensiver Diuretikatherapie, Blutgerinnungsstörungen und Antikoagulanzienbehandlung.
- Asthma: Höheres Risiko für NSAR- und Acetylsalicylsäure-Allergien.
- Sehstörungen: Bei Verschwommensehen Therapie abbrechen.
- Nierenfunktion: Überwachung bei Herzinsuffizienz, Zirrhose, Nephrose, Diuretikatherapie und chronischer Niereninsuffizienz.
- Thrombozytenaggregation: Vorübergehende Hemmung möglich, Überwachung bei Blutgerinnungsstörungen.
- Leberfunktion: Regelmäßige Kontrolle der Leberwerte bei längerer Anwendung.
- Hyperkaliämie: Risiko bei Diabetes oder kaliumsparenden Mitteln, regelmäßige Überwachung notwendig.
- Kopfschmerzen: Bei längerem Gebrauch möglich, nicht mit erhöhten Dosen behandeln.
- Alkoholkonsum: Verstärkt Nebenwirkungen von NSAR.
- Weibliche Fertilität: NSAR können die weibliche Fertilität beeinträchtigen.
- Benzylalkohol: Große Mengen nur mit Vorsicht bei eingeschränkter Leber-/Nierenfunktion, in Schwangerschaft und Stillzeit anwenden.
Alternativen
Zu den gängigen Alternativen von Ketoprofen gehören:
- Ibuprofen: Ein weit verbreitetes NSAR, das entzündungshemmende, schmerzlindernde und fiebersenkende Eigenschaften besitzt.
- Diclofenac: Ein NSAR, das oft zur Behandlung von entzündlichen und schmerzhaften Erkrankungen eingesetzt wird, wie bei Arthritis oder Muskel-Skelett-Schmerzen.
- Naproxen: Ein NSAR, das zur Linderung von Schmerzen und Entzündungen bei Erkrankungen wie Arthritis und Gicht verwendet wird.
- Celecoxib: Ein selektiver COX-2-Hemmer.
- Etodolac: Ein NSAR, das für seine entzündungshemmenden und schmerzlindernden Eigenschaften bekannt ist und bei verschiedenen Formen von Arthritis verwendet wird.
- Meloxicam: Ein weiteres NSAR, das vor allem zur Behandlung von entzündlichen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis und Osteoarthritis eingesetzt wird.
- Paracetamol: Kein NSAR, aber ein häufig verwendetes Schmerzmittel und Fiebersenker, das keine entzündungshemmende Eigenschaften besitzt.
Wirkstoff-Informationen
- Fachinformation Gabrilen
- Geisslinger, Gerd, et al. "Mutschler Arzneimittelwirkungen." (2020).










