Lactulose
Lactulose ist ein synthetisches Disaccharid, das als osmotisch wirksames Laxans zur Behandlung der Obstipation sowie zur Reduktion der Ammoniak-Konzentration im Blut bei hepatischer Enzephalopathie eingesetzt wird. Es wird im Dünndarm nicht resorbiert und im Dickdarm durch bakterielle Fermentation abgebaut.
Lactulose: Übersicht

Anwendung
Lactulose wird bei folgenden Indikationen angewendet:
- Obstipation, die durch ballaststoffreiche Kost und andere allgemeine Maßnahmen nicht ausreichend beeinflusst werden kann.
- Erkrankungen, die eine erleichterte Defäkation erfordern.
- Prophylaxe und Therapie bei portokavaler Encephalopathie.
Anwendungsart
Lactulose wird oral als Lösung, Sirup oder in Pulverform eingenommen. Bei hepatischer Enzephalopathie kann die Gabe auch rektal erfolgen.
Wirkmechanismus
Lactulose wird im Dünndarm nicht resorbiert und gelangt unverändert in den Dickdarm, wo sie durch Darmbakterien in niedermolekulare organische Säuren (v. a. Milchsäure, Essigsäure) fermentiert wird. Dadurch sinkt der pH-Wert im Kolon, die osmotische Wirkung erhöht den Wassergehalt des Stuhls und fördert die Peristaltik.
Bei hepatischer Enzephalopathie reduziert Lactulose die Ammoniakaufnahme aus dem Darm, indem es die Ammoniakproduktion der Bakterien hemmt und die Ammoniakionenbindung im sauren Milieu fördert.
Pharmakokinetik
Die pharmakokinetischen Eigenschaften von Lactulose umfassen:
- Lactulose wird nur minimal im Dünndarm resorbiert (ca. 0,4 - 2%).
- Im Kolon bakterielle Metabolisierung zu kurzkettigen Fettsäuren.
- Der resorbierte Anteil wird unverändert renal ausgeschieden, meist innerhalb von 24 Stunden. Der weitaus größte, nicht resorbierte Anteil wird im Kolon metabolisiert und die Metaboliten bzw. Reste werden mit den Fäzes ausgeschieden.
Dosierung
Die Dosierung von Lactulose richtet sich nach Indikation und klinischem Ansprechen:
- Chronische Obstipation:
Erwachsene: 10–20 g Lactulose pro Tag, aufgeteilt in 1–2 Einzeldosen.
Kinder je nach Alter: 5–15 g pro Tag. - Hepatische Enzephalopathie:
Initial: 30–50 ml (entsprechend ca. 20–33 g Lactulose) 3-mal täglich.
Dosisanpassung zur Erreichung von 2–3 weichen Stühlen pro Tag.
Bei Bewusstseinsstörung kann eine rektale Applikation erfolgen (300 ml Lactulose in 700 ml Wasser).
Nebenwirkungen
Mögliche Nebenwirkungen bei der Anwendung von Lactulose sind:
- Sehr häufig (≥1/10): Flatulenz, Blähungen.
- Häufig (≥1/100 bis <1/10): Bauchschmerzen, Übelkeit, Durchfall.
- Gelegentlich (≥1/1.000 bis <1/100): Elektrolytstörungen bei längerem Gebrauch (Hypokaliämie, Hypernatriämie).
- Selten (<1/1.000): Allergische Reaktionen.
Wechselwirkungen
Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Lactulose zu beachten:
- Lactulose kann den Kaliumverlust durch andere Arzneimittel (Diuretika, Kortikosteroide und Amphotericin B) verstärken.
- Bei gleichzeitiger Gabe von Herzglykosiden kann die Glykosidwirkung durch Kaliummangel verstärkt werden.
Kontraindikationen
Lactulose darf nicht angewendet werden bei:
- Darmverschluss (Ileus)
- Darmperforation oder dem Risiko einer Darmperforation
- Überempfindlichkeit gegen Lactulose oder einen der sonstigen Bestandteile.
Schwangerschaft
Lactulose kann in der Schwangerschaft angewendet werden, da keine Hinweise auf schädliche Wirkungen vorliegen.
Verkehrstüchtigkeit
Lactulose hat keinen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen.
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Lactulose zu beachten:
- Langzeitanwendung: Eine längerfristige Einnahme sollte vermieden werden, da Elektrolytverschiebungen auftreten können.
- Dosierung: Bei Überdosierung kann es zu Durchfall und Elektrolytverlusten kommen.
- Diabetes mellitus: Aufgrund des Gehalts an Galaktose und Laktose ist Vorsicht bei Diabetikern geboten.
- Kinder: Die Anwendung bei Kindern sollte nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.
- Abführmittelgebrauch: Lactulose sollte nur angewendet werden, wenn eine Änderung der Ernährungsgewohnheiten nicht ausreichend wirksam ist.
Alternativen
Folgende Alternativen stehen für Lactulose zur Verfügung:
- Osmotische Laxanzien: Macrogol, Sorbitol.
- Stimulierende Laxanzien: Bisacodyl, Natriumpicosulfat (nur kurzfristige Anwendung).
- Präbiotische Therapie bei hepatischer Enzephalopathie: Rifaximin (Antibiotikum, ergänzend zur Lactulose).
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