Lanadelumab

Lanadelumab ist ein vollständig humaner monoklonaler Antikörper der zur Prophylaxe von hereditären Angioödem-Attacken angewendet wird. Das hereditäre Angioödem zählt zu den seltenen genetischen Erkrankungen, die durch wiederholte Ödem-Attacken gekennzeichnet ist.

Anwendung

Der monoklonale Antikörper Lanadelumab wird bei Patienten ab 2 Jahren zur routinemäßigen Prophylaxe von wiederkehrenden Attacken des hereditären Angioödems (HAE) angewendet.

Der Wirkstoff steht zur subkutanen Injektion in folgenden Darreichungsformen zur Verfügung:

  • Fertigspritze mit 150 mg in 1 ml Lösung,
  • Fertigspritze oder Fertigpen mit 300 mg in 2 ml Lösung.

Nach entsprechender Schulung ist die Selbstapplikation mit Fertigspritze oder Fertigpen möglich.

Bei Kindern im Alter von 2 bis12 Jahren darf der Fertigpen nicht angewendet werden.

Wirkmechanismus

Der humane monoklonale Antikörper hemmt spezifisch die proteolytische Aktivität von Plasma-Kallikrein und damit die Produktion von Bradykinin im Kontaktsystem. Eine hohe Plasmakallikrein-Aktivität führt durch die Spaltung von hochmolekularem Kininogen (HMWK) zu gespaltenem HMWK (cHMWK) und Bradykinin zu Angioödem-Attacken.

Lanadelumab ermöglicht eine anhaltende Kontrolle der Plasmakallikrein- Aktivität und reduziert so die Bradykinin-Bildung bei Patienten mit HAE.

Pharmakokinetik

Nach subkutaner Applikation wird die maximale Konzentration, unabhängig von der Injektionsstelle, nach ca. 5 Tagen erreicht.

Das mittlere (SD) Verteilungsvolumen beträgt 14,5 Liter. Da es sich bei Lanadelumab um einen monoklonalen Antikörper handelt wird nicht von einer Plasmaproteinbindung ausgegangen.

Die mittlere (SD) Gesamtkörper-Clearance von Lanadelumab beträgt 0,0297 l/h.

Die terminale Eliminationshalbwertszeit liegt bei ca. 14 Tagen.

Dosierung

Erwachsene und Jugendliche (12 bis 18 Jahre):

  • Anfangsdosis: 300 mg alle 2 Wochen.
  • Im klinischen Alltag wird die Verlängerung des Dosierungsintervalls häufig praktiziert.

Patienten mit Körpergewicht < 40 kg (altersunabhängig):

  • Anfangsdosis: 150 mg alle 2 Wochen.

Bei anhaltender Attackenfreiheit kann bei Patienten von 12 bis 18 Jahren sowie bei Patienten unter 40 kg eine Intervallverlängerung auf 4 Wochen erwogen werden (insbes. bei geringerem Körpergewicht).

Kinder (2 bis < 12 Jahre):

Die Dosierung bei Kindern erfolgt abhängig vom Körpergewicht:

  • 10 bis unter 20 kg: 150 mg alle 4 Wochen (evtl. 3 Wochen bei unzureichender Attackenkontrolle),
  • 20 bis unter 40 kg: 150 mg alle 2 Wochen (evtl. alle 4 Wochen bei anhaltender Attackenfreiheit),
  • ab 40 kg: 300 mg alle 2 Wochen (evtl. alle 4 Wochenbei anhaltender Attackenfreiheit).

Bei anhaltender Attackenfreiheit kann nach Vollendung des 12. Lebens-
jahres, bei Patienten von 20 bis 40 kg, die Behandlung mit der gleichen Dosis fortgesetzt werden.

Nebenwirkungen

Die häufigsten in Studien beschriebenen Nebenwirkungen waren:

  • Reaktionen an der Injektionsstelle,
  • einschließlich Schmerzen an der Injektionsstelle,
  • Erythem an der Injektionsstelle und
  • blaue Flecken an der Injektionsstelle.

In 1,2 % der Fälle wurden Überempfindlichkeitsreaktionen (leichter und mittelschwerer Pruritus, Unbehagen und Kribbeln auf der Zunge) beobachtet.

Wechselwirkungen

Auf Grundlage charakteristischer Eigenschaften von Lanadelumab sind keine pharmakokinetischen Wechselwirkungen mit anderen gleichzeitig angewendeten Arzneimitteln zu erwarten.

Eine gleichzeitige Gabe eines C1-Esterase Inhibitors führt zu einem additiven Effekt auf die Lanadelumab-cHMWK-Reaktion.

Kontraindikation

Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff.

Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschaft

Aufgrund mangelnder Daten und deshalb als Vorsichtsmaßnahme soll Lanadelumab während der Schwangerschaft nicht angewendet werden.

Stillzeit

Es ist nicht bekannt, ob Lanadelumab in die Muttermilch übergeht. Während der ersten Tage nach der Geburt gehen humane IgG bekanntermaßen in die Muttermilch über. Da deren Konzentration danach absinkt liegt die Vermutung nahe, dass dann auch Lanadelumab nicht mehr in die Muttermilch gelangt. Gerade in der Anfangsphase ist allerdings von einem Risiko für den gestillten Säugling auszugehen.

Verkehrstüchtigkeit

Lanadelumab hat einen zu vernachlässigbaren Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen.

Weitere Informationen sind der jeweiligen Fachinformation zu entnehmen.

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3 Präparate mit Lanadelumab