Levocabastin

Levocabastin ist ein H1-Antihistaminikum, das durch Blockierung von Histaminrezeptoren die Symptome allergischer Reaktionen wie Juckreiz, Rötung und Schwellung lindert. Es wird zur lokalen Behandlung von allergischer Rhinitis und Konjunktivitis eingesetzt.

Levocabastin

Anwendung

Der Wirkstoff Levocabastin wird meist als Suspension (Schütteln vor der Anwendung!) in Form von Nasensprays gegen Heuschnupfen (allergische Rhinitis) oder als Lösung in Augentropfen gegen allergisch bedingte Augenreizungen und Bindehautentzündungen verabreicht.

Der Wirkstoff kann bereits bei Kindern ab einem Jahr eingesetzt werden.

Anwendungsart

Nasale Anwendung

  • Suspension vor jeder Anwendung aufschütteln (mindestens 5-maliges Auf- und Abbewegen).
  • Vor der ersten Anwendung die Dosierpumpe mindestens 3-mal betätigen, um einen gleichmäßigen Sprühnebel zu erzeugen.
  • Nach 7 Tagen ohne Anwendung: Erneutes Vorfüllen der Dosierpumpe durch mindestens 2-maliges Pumpen erforderlich.
  • Nase vor Anwendung freimachen; während des Einsprühens durch die Nase einatmen.
  • Keine zeitliche Beschränkung der Anwendung; bei unzureichender Wirkung Arzt konsultieren.

Anwendung am Auge

  • Suspension vor jeder Anwendung aufschütteln (mindestens 10-maliges Auf- und Abbewegen).
  • Zwischen verschiedenen topischen Augenarzneimitteln einen Abstand von 15 Minuten einhalten; Augensalben zuletzt anwenden.
  • Keine zeitliche Beschränkung der Anwendung; bei unzureichender Wirkung Arzt konsultieren.

Wirkmechanismus

Levocabastin ist ein H1-Antihistaminikum, das die Wirkung von Histamin auf H1-Rezeptoren kompetitiv blockiert. Histamin wird nach allergischer Sensibilisierung von Mastzellen freigesetzt und bindet normalerweise an H1-Rezeptoren auf verschiedenen Zelltypen, wie Endothelzellen und Nervenzellen und aktiviert diese. In der Folge kommt es zu einer Kaskade intrazellulärer Signale, die durch die Aktivierung von G-Protein-gekoppelten Rezeptoren initiiert wird.

Bei der Aktivierung des H1-Rezeptors wird das Gq-Protein stimuliert, was zur Aktivierung der Phospholipase C (PLC) führt. PLC katalysiert die Umwandlung von Phosphatidylinositol-4,5-bisphosphat (PIP2) in Inositol-1,4,5-trisphosphat (IP3) und Diacylglycerol (DAG)

IP3 induziert die Freisetzung von Calciumionen aus dem endoplasmatischen Retikulum, was zur Erhöhung der intrazellulären Calciumkonzentration führt. Dies aktiviert eine Reihe weiterer Signalkaskaden, einschließlich der Protein-Kinase C (PKC) und anderer calciumsensitiver Enzyme, die letztendlich zur Kontraktion der glatten Muskulatur, Vasodilatation, erhöhter Gefäßpermeabilität und Sensibilisierung von sensorischen Nerven führen, was die typischen Symptome einer allergischen Reaktion wie Juckreiz, Schwellung und Rötung hervorruft.

Durch die Blockierung des H1-Rezeptors verhindert Levocabastin die Aktivierung dieser Signalwege und mindert somit die Symptome allergischer Reaktionen, ohne die Freisetzung von Histamin selbst zu beeinflussen.

H1-Antihistaminika

Pharmakokinetik

Intranasale Anwendung

  • Absorption: Pro Sprühstoß werden 30–45 µg Levocabastin absorbiert.
  • Ausscheidung: Hauptsächlich unverändert über den Urin (70% der absorbierten Dosis).
  • Halbwertszeit: 35–40 Stunden.
  • Plasmaproteinbindung: 55%.
  • Systemische Bioverfügbarkeit: 60–80%.

Kinder und Jugendliche

  • Plasmakonzentrationen: Gering und variabel, nach 2- bis 4-wöchiger Anwendung nicht nachweisbar oder bis maximal 18,2 ng/ml.
  • Vergleich mit Erwachsenen: Auf Grundlage der verfügbaren Daten keine sicheren Schlussfolgerungen möglich.

Ältere Menschen

  • Halbwertszeit: Erhöht um 15% nach multipler nasaler Anwendung.
  • Maximaler Plasmaspiegel: Um 26% erhöht.

Patienten mit beeinträchtigter Nierenfunktion

  • Halbwertszeit: Erhöht auf 95 Stunden bei moderater bis schwerer Niereninsuffizienz.
  • Gesamtexposition (AUC): Um 56% erhöht.

Ophthalmische Anwendung

  • Absorption: Langsam und unvollständig; therapeutische Dosen führen zu sehr niedrigen Plasmaspiegeln (1–2 ng/ml).
  • Ausscheidung: Hauptsächlich unverändert über den Urin (70% der absorbierten Dosis).
  • Halbwertszeit: 39–70 Stunden.
  • Plasmaproteinbindung: 55%.
  • Systemische Bioverfügbarkeit: 30–60%.

Dosierung

Augentropfen

Die übliche Dosierung beträgt  2-mal täglich 1 Tropfen (0,015 mg Levocabastin) pro Auge.

Nasenspray

Es wird empfohlen 2-mal täglich 2 Sprühstöße (1 Sprühstoß: 0,05 mg Levocabastin) pro Nasenloch anzuwenden. Die Dosierung kann bei stärkeren Beschwerden auf bis zu 4-mal täglich 2 Sprühstöße pro Nasenloch erhöht werden.

Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen von Levocabastin bleiben in der Regel auf lokale Reaktionen am Ort der Anwendung wie Brennen oder Juckreiz beschränkt. Mitunter kann Levocabastin auch zu Kreislauf-bedingten Reaktionen wie Müdigkeit, Schwindel oder Schwächegefühlen führen.

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Levocabastin zu beachten:

  • Pharmakodynamische Wechselwirkungen: In klinischen Studien wurden keine Wechselwirkungen von Levocabastin mit Alkohol oder anderen Arzneimitteln beobachtet. Spezielle Studien haben gezeigt, dass Levocabastin die Effekte von Diazepam oder Alkohol nicht verstärkt, wenn es bestimmungsgemäß als Nasenspray angewendet wird.
  • Pharmakokinetische Wechselwirkungen: Das abschwellende Mittel Oxymetazolin kann die Aufnahme von nasal angewendetem Levocabastin vorübergehend verringern. Die gleichzeitige Anwendung der CYP3A4-Hemmer Ketoconazol oder Erythromycin hat keinen Einfluss auf die Pharmakokinetik von nasal angewendetem Levocabastin. Levocabastin beeinflusst auch nicht die Pharmakokinetik von Loratadin, wenn es nasal angewendet wird.

Kontraindikationen

Levocabastin darf nicht bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff angewendet werden.

Schwangerschaft

Tierstudien haben bei therapeutischen Dosen von Levocabastin keine Hinweise auf schädliche Auswirkungen auf Embryo oder Fötus gezeigt. Allerdings gibt es nur begrenzte Erfahrungen mit der Anwendung von Levocabastin-Nasenspray oder -Augentropfen bei schwangeren Frauen, sodass das Risiko für den Menschen unbekannt ist. Daher sollten diese Präparate während der Schwangerschaft nur verwendet werden, wenn der potenzielle Nutzen für die Mutter die möglichen Risiken für das ungeborene Kind überwiegt.

Stillzeit

Untersuchungen zeigen, dass etwa 0,6% der intranasal angewendeten Levocabastin-Dosis und etwa 0,3% der ophthalmisch angewendeten Dosis in die Muttermilch übergehen können. Da nur begrenzte klinische und tierexperimentelle Daten vorliegen, sollte Levocabastin bei stillenden Frauen mit Vorsicht angewendet werden.

Verkehrstüchtigkeit

Augentropfen: Levocabastin-Augentropfen verursachen keine Müdigkeit oder psychomotorische Beeinträchtigungen. Allerdings kann unmittelbar nach der Anwendung für einige Minuten das Sehvermögen beeinträchtigt sein. Daher sollte der Patient erst dann wieder am Straßenverkehr teilnehmen oder Maschinen bedienen, wenn das Schleiersehen vollständig abgeklungen ist.

Nasenspray: Levocabastin-Nasenspray führt im Allgemeinen nicht zu Sedierung oder psychomotorischen Beeinträchtigungen. Es ist daher nicht zu erwarten, dass es die Verkehrstüchtigkeit oder die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen beeinflusst. In seltenen Fällen wurden jedoch Symptome wie Müdigkeit, Schwindel oder Erschöpfung berichtet, die auch durch die zugrunde liegende Erkrankung bedingt sein können. In solchen Fällen kann die Fähigkeit, ein Fahrzeug zu führen oder Maschinen zu bedienen, beeinträchtigt sein. Alkohol kann diese Beeinträchtigungen verstärken.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Levocabastin zu beachten:

  • Niereninsuffizienz: Vorsicht bei Anwendung, da Levocabastin hauptsächlich renal eliminiert wird. Nur unter ärztlicher Kontrolle verwenden.
  • Benzalkoniumchlorid im Nasenspray: Kann Nasenschleimhaut reizen oder Schwellungen verursachen. Bei Verdacht auf Reaktion, konservierungsmittelfreies Spray oder alternative Form verwenden.
  • Propylenglycol im Nasenspray: Kann Nasenschleimhaut reizen.
  • Propylenglycol in Augentropfen: Kann Augenreizungen verursachen.
  • Benzalkoniumchlorid in Augentropfen: Kann Kontaktlinsen verfärben und Augen reizen. Kontaktlinsen vor Anwendung entfernen und nach 15 Minuten wieder einsetzen. Bei trockenen Augen oder geschädigter Hornhaut Vorsicht, insbesondere bei längerer Anwendung.

Alternativen

Siehe H1-Antihistaminika

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
420.52 g·mol-1
Autor:
Stand:
01.09.2024
Quelle:
  1. Fachinformation Livocab direkt Kombi
  2. Levocamed ® 0,5 mg/ml Augentropfen
  3. Levocamed ® 0,5 mg/ml Nasenspray

Abbildung

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