Levocetirizin

Der Wirkstoff Levocetirizin ist ein Antihistaminikum der zweiten Generation, welcher zur symptomatischen Behandlung bei Patienten mit allergischen Erkrankungen, wie z. B. Heuschnupfen (allergische Rhinitis) und Nesselsucht (Urtikaria), indiziert ist.

Levocetirizin

Anwendung

Levocetirizin ist indiziert für die symptomatische Behandlung von:

  • Heuschnupfen (allergische Rhinitis)
  • Chronische Nesselsucht (Urtikaria)
  • Ganzjährige Allergien wie Hausstaub- oder Haustierallergien

Anwendungsart

Levocetirizin ist in Form von Filmtabletten und als Tropfen zur oralen Anwendung auf dem deutschen Markt verfügbar.

Wirkmechanismus

Levocetirizin zählt zur Gruppe der H1-Antihistaminika und wirkt als inverser Agonist am Histamin-H1-Rezeptor. Levocetirizin ist das R-Enantiomer von Cetirizin und hat im Vergleich zu Cetirizin eine doppelt so hohe Affinität zu H1-Rezeptoren.

Durch die selektive Bindung am H1-Rezeptor blockiert Levocetirizin die Wirkung von Histamin, welches im Rahmen einer allergischen Typ-I-Reaktion freigesetzt wird. Somit hemmt Levocetirizin sowohl prophylaktisch als auch symptomatisch die für eine allergische Reaktion typischen Reaktionen wie Schwellungen und Juckreiz.

Im Gegensatz zu älteren H1-Antihistaminika passiert Levocetirizin als Antihistaminikum der zweiten Generation die Blut-Hirn-Schranke kaum. Durch eine geringere Blockade von Histamin-H1-Rezeptoren im zentralen Nervensystem kommt es so zu weniger zentralnervösen Effekten wie z. B. Sedierung. Zusätzlich weist Levocetirizin als neueres H1-Antihistaminikum eine höhere Rezeptorselektivität auf.

Pharmakokinetik

Levocetirizin weist eine dosis- und zeitunabhängige sowie lineare Pharmakokinetik auf. Die interindividuelle Variabilität ist gering.

Resorption

  • Levocetirizin wird nach oraler Gabe rasch und fast vollständig resorbiert.
  • Die maximale Plasmakonzentration wird nach 0,9 Stunden erreicht.
  • Der Steady State wird nach 2 Tagen erreicht.
  • Nach Einmalgabe von 5 mg beträgt die maximale Plasmakonzentration 270 ng/ml.

Verteilung

  • 90% von Levocetirizin ist an Plasmaproteine gebunden.
  • Levocetirizin weist eine eingeschränkte Verteilung auf, wobei das Verteilungsvolumen 0,4 l/kg beträgt.

Metabolismus (Biotransformation)

  • Etwa 14% der Levocetirizin-Dosis wird metabolisiert.
  • Die Metabolisierung findet u. a. über aromatische, Taurin-Konjugation und N- und O-Dealkylierung statt.
  • CYP3A4 vermittelt primär die Dealkylierung.
  • Levocetirizin hat keine Wirkung auf die CYP-Isoenzyme 1A2, 2C9, 2C19, 2D6, 2E1 und 3A4.

Elimination

  • Levocetirizin hat eine Plasmahalbwertszeit von 7,9 Stunden.
  • Die mittlere Gesamtkörper-Clearance beträgt 0,63 ml/min/kg.
  • Die Elimination erfolgt zu 85,4% unverändert über die Niere. Der restliche Anteil des Wirkstoffs wird unverändert über die Galle ausgeschieden.

Dosierung

Die empfohlene Dosis von Levocetirizin beträgt 5 mg (eine Filmtablette) pro Tag bei Erwachsenen und Kindern ab 6 Jahren.

Für Kinder ab 2 Jahren sollte die pädiatrische Darreichungsform als Saft mit 0,5 mg/ml und Tropfen mit 5 mg/ml verwendet werden.

Bei einer mäßig bis schwer eingeschränkten Nierenfunktion muss die Dosis vor allem bei älteren Patienten angepasst werden. Bei Patienten mit einer ausschließlich eingeschränkten Leberfunktion ist keine Dosisanpassung nötig.

Nebenwirkungen

Zu den häufigen Nebenwirkungen, die während einer Levocetirizin-Therapie auftreten können, zählen:

  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Somnolenz
  • Müdigkeit
  • Mundtrockenheit
  • Bauchschmerzen

Seltenere Nebenwirkungen, die potenziell unter Levocetirizin auftreten können, sind:

  • Psychiatrische Symptome, wie z. B. Verwirrtheit, Aggressivität und Schlaflosigkeit
  • Bewegungsstörungen
  • Pathologische Leberfunktionswerte

Ein weiteres Risiko besteht beim Off-Label-Use der festen oralen Zubereitungen bei Kindern unter 6 Jahren, da hier die Gefahr einer Überdosierung und den damit assoziierten Nebenwirkungen besteht.

Wechselwirkungen

Es wurden keine spezifischen Untersuchungen zu den Wechselwirkungen von Levocetirizin, einschließlich derer mit CYP3A4-Stimulatoren, durchgeführt. Allerdings ergaben Untersuchungen mit Cetirizin, dem Racemat von Levocetirizin, dass keine klinisch bedeutsamen Interaktionen mit Medikamenten wie Phenazon, Azithromycin, Cimetidin, Diazepam, Erythromycin, Glipizid, Ketoconazol und Pseudoephedrin vorliegen.

In einer Studie konnte darüber hinaus gezeigt werden, dass es beim Einsatz von Levocetirizin zu einer sehr geringen Hemmung von Cytochrom P450 kommt.

Da Levocetirizin nur minimal vom Körper und insbesondere von der Leber metabolisiert wird, gilt es allgemein als gut verträglich.

Die Aufnahme von Levocetirizin wird durch die Nahrungsaufnahme nicht beeinträchtigt, die Resorptionsgeschwindigkeit kann jedoch abnehmen.

Bei Personen, die gegenüber Cetirizin oder Levocetirizin sensibel reagieren, kann die gleichzeitige Einnahme von Alkohol oder anderen zentralnervös dämpfenden Substanzen eine weitere Reduktion der Aufmerksamkeit sowie eine Beeinträchtigung der psychomotorischen Leistungsfähigkeit zur Folge haben.

Kontraindikation

Die Anwendung von Levocetirizin ist  kontraindiziert bei:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff und gegen Cetirizin, Hydroxyzin sowie anderen Piperazinderivaten
  • Schwerer Niereninsuffizienz mit einer Kreatinin-Clearance unter 10 ml/min
  • Patienten mit hereditärer Galactose-Intoleranz, völligem Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption

Schwangerschaft

Zur Anwendung von Levocetirizin während der Schwangerschaft gibt es aktuell nur sehr wenige klinischen Daten. Allerdings zeigen umfangreiche Erfahrungsberichte mit mehr als 1.000 dokumentierten Schwangerschaften bei der Verwendung von Cetirizin, dem Stereoisomer von Levocetirizin, keine Anzeichen für ein erhöhtes Risiko von Missbildungen oder toxischen Effekten auf den Fötus bzw. Neugeborenen.

Bei entsprechender Notwendigkeit kann daher die Verwendung von Levocetirizin während der Schwangerschaft erwogen werden.

Stillzeit

Bei Cetirizin, dem Racemat von Levocetirizin, geht der Wirkstoff beim Menschen in die Muttermilch über. Es ist daher anzunehmen, dass Levocetirizin ähnlich in die Muttermilch übertritt. Deshalb ist bei der Anwendung von Levocetirizin bei stillenden Müttern eine sorgfältige Abwägung erforderlich.

Verkehrstüchtigkeit

Levocetirizin beeinträchtigt in der vorgeschriebenen Dosierung nicht die Fähigkeit zum Führen eines Fahrzeugs oder zum Bedienen von Maschinen. Jedoch kann die Verkehrstüchtigkeit wie auch bei anderen Antihistaminika durch Symptome wie Schläfrigkeit heruntergesetzt sein. Daher sollten Personen, die Levocetirizin einnehmen, ihre persönlichen Reaktionen auf das Medikament beachten.

Hinweise

Folgende Hinweise sind bei der Anwendung von Levocetirizin zu beachten:

  • Bei Patienten mit einer Nierenfunktionsstörung sollte die Dosierung entsprechend der Kreatinin-Clearance angepasst werden.
  • Levocetirizin kann Krampfanfälle verstärken, weshalb bei Patienten mit Epilepsie und Krampfrisiko Vorsicht geboten sein muss.
  • Bei Individuen, die anfällig für Harnverhalten sind, zum Beispiel aufgrund einer Rückenmarksverletzung oder Prostatahyperplasie, sollte die Anwendung von Levocetirizin mit besonderer Sorgfalt erfolgen, da ein erhöhtes Risiko für eine Harnretention bestehen kann.
  • Nach dem Absetzen von Levocetirizin kann es zu Juckreiz kommen, selbst wenn solche Symptome vor der Behandlung nicht vorlagen. Diese Symptome können von selbst verschwinden. In einigen Fällen kann der Juckreiz jedoch sehr stark sein und eine Fortsetzung der Behandlung notwendig machen. Bei Wiederaufnahme der Behandlung sollten die Symptome nachlassen.
  • Alkohol sollte nur mit Vorsicht bei Einnahme mit Levocetirizin konsumiert werden.

Alternativen

Je nach Indikationsgebiet und patientenindividuellen Gegebenheiten kommen folgende H1-Antihistaminika als Alternative in Frage:

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse: 388,89 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit: ca. 7,9 Stunden
Q0-Wert: 0,2

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
388.89 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 7.9 H
Q0-Wert:
0.2
Autor:
Stand:
21.05.2024
Quelle:
  1. Freissmuth et al., Pharmakologie und Toxikologie, 2020, Springer
  2. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Sachverständigen-Ausschuss für Verschreibungspflicht, 3. Juli 2018
  3. Fachinformationen ausgewählter Levocetirizin-Hersteller (z. B. Levocetirizin-ratiopharm 5 mg Filmtabletten)
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