Linagliptin
Linagliptin ist ein oral verabreichter Dipeptidylpeptidase-4-(DPP-4)-Inhibitor zur Behandlung des Typ-2-Diabetes mellitus. Es erhöht die Inkretin-Konzentration im Blut, fördert dadurch die glukoseabhängige Insulinsekretion und senkt die Glukagonfreisetzung.
Linagliptin: Übersicht

Anwendung
Linagliptin wird zur Behandlung von Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes mellitus eingesetzt:
- Als Monotherapie, wenn Metformin wegen Unverträglichkeit ungeeignet oder aufgrund einer Nierenfunktionsstörung kontraindiziert ist.
- In Kombination mit anderen Antidiabetika (z. B. Metformin, Sulfonylharnstoffe, SGLT-2-Inhibitoren, Insulin), wenn diese allein nicht zu einer ausreichenden Blutzuckerkontrolle führen.
Anwendungsart
Linagliptin wird oral als Filmtablette (5 mg) einmal täglich unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen.
Wirkmechanismus
Linagliptin ist ein selektiver, reversibler Inhibitor des Enzyms Dipeptidylpeptidase-4 (DPP-4). DPP-4 ist das Hauptenzym für den Abbau der Inkretinhormone Glucagon-like Peptide 1 (GLP-1) und Glucose-dependent Insulinotropic Polypeptide (GIP). Diese Hormone werden im Darm nach Nahrungsaufnahme freigesetzt und regulieren die Glucosehomöostase. Indem Linagliptin den Abbau von GLP-1 und GIP verhindert, erhöht es deren aktive Konzentrationen im Plasma. Dies führt zu einer Verstärkung der glucoseabhängigen Insulinsekretion aus den Betazellen des Pankreas und zu einer Unterdrückung der Glucagonfreisetzung aus den Alphazellen. Beide Effekte tragen zur Senkung des Nüchtern- und postprandialen Blutzuckerspiegels bei. Aufgrund des glucoseabhängigen Wirkmechanismus ist das Risiko für Hypoglykämien unter Linagliptin-Monotherapie gering.

Pharmakokinetik
Die pharmakokinetischen Eigenschaften von Linagliptin umfassen:
- Resorption: Nach oraler Gabe wird Linagliptin rasch resorbiert, Tmax liegt bei ca. 1,5 Stunden. Die absolute Bioverfügbarkeit beträgt etwa 30%. Nahrungsaufnahme hat keinen klinisch relevanten Einfluss.
- Verteilung: Linagliptin bindet aufgrund seiner reversiblen Bindung an DPP-4 stark an Gewebe. Das Verteilungsvolumen im Steady State ist groß (ca. 1.110 l). Die Plasmaproteinbindung ist konzentrationsabhängig und variabel (hoch bei niedrigen Konzentrationen durch DPP-4-Bindung, niedrig bei hohen Konzentrationen).
- Metabolismus: Linagliptin wird nur minimal metabolisiert. Der Hauptanteil der Substanz wird unverändert ausgeschieden.
- Elimination: Die Elimination erfolgt überwiegend über den enterohepatischen/biliären Weg (ca. 80-85% der Dosis in den Fäzes). Nur ein kleiner Teil (ca. 5%) wird unverändert renal ausgeschieden. Die terminale Halbwertszeit ist aufgrund der starken DPP-4-Bindung lang (>100 Stunden), die effektive Halbwertszeit für die Akkumulation beträgt jedoch etwa 12 Stunden. Wichtig: Wegen der primär nicht-renalen Elimination ist keine Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz jeglichen Grades erforderlich. Auch bei Leberinsuffizienz ist keine Dosisanpassung nötig.
Dosierung
Die empfohlene Dosis von Linagliptin beträgt:
- 5 mg einmal täglich, unabhängig von der Nieren- oder Leberfunktion.
- Bei Kombination mit Sulfonylharnstoffen oder Insulin kann eine Dosisreduktion dieser Begleitmedikation erforderlich sein, um Hypoglykämien zu vermeiden.
Nebenwirkungen
Basierend auf klinischen Studien und Meldungen nach Markteinführung sind mögliche Nebenwirkungen:
Sehr häufig (≥1/10):
- Hypoglykämie (Unterzuckerung), nur bei Dreifachkombination mit Metformin + Sulfonylharnstoff.
Häufig (≥1/100 bis <1/10):
- Erhöhte Lipasewerte im Blut** (oft asymptomatisch).
Gelegentlich (≥1/1.000 bis <1/100):
- Nasopharyngitis (Entzündung im Nasen-Rachen-Raum).
- Husten.
- Überempfindlichkeitsreaktionen (z.B. Hautausschlag*).
- Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung).
- Verstopfung (mit Insulin).
- Erhöhte Amylasewerte im Blut.
Selten (≥1/10.000 bis <1/1.000):
- Angioödem* (Schwellung von Haut/Schleimhaut).
- Urtikaria* (Nesselsucht).
Nicht bekannt:
- Bullöses Pemphigoid* (Blasenbildende Hauterkrankung).
Wechselwirkungen
Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Linagliptin zu beachten:
Wirkung von anderen Arzneimitteln auf Linagliptin:
- P-Glykoprotein- und CYP3A4-Induktoren (z. B. Rifampicin): Können die Blutspiegel von Linagliptin deutlich senken und damit die Wirksamkeit verringern. Dies gilt auch für andere starke Induktoren wie Carbamazepin, Phenobarbital oder Phenytoin.
- P-Glykoprotein- und CYP3A4-Inhibitoren (z. B. Ritonavir): Erhöhen die Konzentration von Linagliptin im Blut. Diese Veränderung wurde jedoch als klinisch nicht relevant eingestuft – eine Dosisanpassung ist nicht erforderlich.
- Metformin: Hat keinen Einfluss auf die Wirkung oder den Abbau von Linagliptin.
- Sulfonylharnstoffe (z. B. Glibenclamid): Beeinflussen die Pharmakokinetik von Linagliptin nicht.
Wirkung von Linagliptin auf andere Arzneimittel:
- Metformin, Glibenclamid, Digoxin, Warfarin und orale Kontrazeptiva: Linagliptin hat keinen klinisch relevanten Einfluss auf die Wirkung oder den Abbau dieser Arzneimittel.
- Simvastatin: Kann die Konzentration von Simvastatin im Blut geringfügig erhöhen (AUC +34 %, Cmax +10 %). Diese Änderung ist jedoch klinisch nicht bedeutsam.
- P-Glykoprotein-Substrate: Aufgrund von In-vitro-Daten ist nicht zu erwarten, dass Linagliptin deren Wirkung beeinflusst.
Kontraindikationen
Linagliptin darf nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit gegen Linagliptin oder einen der sonstigen Bestandteile.
Schwangerschaft
Zur Anwendung von Linagliptin in der Schwangerschaft liegen keine ausreichenden Daten vor. Die Anwendung wird nicht empfohlen.
Stillzeit
Es ist nicht bekannt, ob Linagliptin in die Muttermilch übergeht. Eine Anwendung während der Stillzeit wird nicht empfohlen.
Verkehrstüchtigkeit
Linagliptin hat keinen oder nur einen vernachlässigbaren Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen. Bei Hypoglykämien in Kombinationstherapie ist jedoch Vorsicht geboten.
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Linagliptin zu beachten:
- Einsatzbereich:
Linagliptin ist nicht geeignet zur Behandlung von Typ-1-Diabetes mellitus oder zur Therapie einer diabetischen Ketoazidose. - Hypoglykämie-Risiko:
Bei alleiniger Anwendung oder in Kombination mit Metformin besteht kein erhöhtes Hypoglykämie-Risiko. In Kombination mit Sulfonylharnstoffen oder Insulin steigt jedoch das Risiko für Unterzuckerungen. Eine Dosisanpassung dieser Begleitmedikationen sollte in Betracht gezogen werden. - Akute Pankreatitis:
Die Anwendung von Linagliptin kann das Risiko einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung erhöhen. Patienten sollten über mögliche Anzeichen wie starke Bauchschmerzen informiert werden. Bei Verdacht auf Pankreatitis ist die Behandlung abzubrechen und bei bestätigter Diagnose nicht wieder aufzunehmen. Besondere Vorsicht gilt bei Patienten mit Pankreatitis in der Vorgeschichte. - Bullöses Pemphigoid:
Es wurde über das Auftreten von bullösem Pemphigoid (eine blasenbildende Hauterkrankung) unter Linagliptin berichtet. Bei entsprechenden Hautveränderungen sollte die Behandlung beendet werden.
Wirkstoff-Informationen
- Fachinformation Trajenta® (Linagliptin)
- European Medicines Agency (EMA) – Summary of Product Characteristics (SmPC) Trajenta®
- Gallwitz B, et al. "Linagliptin in the management of type 2 diabetes: a review." Diabetes Obes Metab (2012): 104–115
- Davies MJ, et al. "Management of hyperglycaemia in type 2 diabetes, 2018." Diabetes Care (2018): 2669–2701
Abbildung
Adapted from „Exploring Potential Renal Effects of Dipeptidyl-Peptidase-4 Inhibitors (DPP-4is)”, by BioRender.com










