Mepolizumab

Mepolizumab ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper, der mit hoher Affinität und Spezifität an humanes Interleukin 5 (IL-5) bindet.

Anwendung

Mepolizumab (Nucala) ist ein monoklonaler Antikörper, der zur Behandlung folgender Ergrankungen indiziert ist:

  • Schweres eosinophiles Asthma: Als Zusatzbehandlung bei schwerem refraktärem eosinophilem Asthma bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab 6 Jahren.
  • Chronische Rhinosinusitis mit Nasenpolypen (Chronic rhinosinusitis with nasal polyps, CRSwNP): Als Zusatztherapie mit intranasalen Kortikosteroide zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit schwerer CRSwNP, die mit systemischen Kortikosteroide und/oder chirurgischem Eingriff nicht ausreichend kontrolliert werden kann.
  • Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD): Als zusätzliche Erhaltungstherapie bei erwachsenen Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung, die durch erhöhte Eosinophilenzahlen gekennzeichnet ist und trotz einer Dreifachtherapie aus ICS, LABA und LAMA nicht ausreichend kontrolliert werden kann.
  • Eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis (EGPA): Als Zusatzbehandlung für Patienten ab 6 Jahren mit schubförmig remittierender oder refraktärer eosinophiler Granulomatose mit Polyangiitis (EGPA).
  • Hypereosinophiles Syndrom (HES): Als Zusatzbehandlung bei erwachsenen Patienten mit unzureichend kontrolliertem hypereosinophilem Syndrom ohne erkennbare nicht-hämatologische sekundäre Ursache.

Anwendungsart

Der Wirkstoff Mepolizumab steht als Fertigpen oder Fertigspritze zur subkutanen Injektion zur Verfügung. 

Bei Selbstinjektion werden Bauch oder Oberschenkel als bevorzugte Injektionsstellen empfohlen. Wird die Anwendung durch eine betreuende Person durchgeführt, kann die Injektion auch in den Oberarm erfolgen. Sind mehrere Injektionen erforderlich, sollten diese jeweils mit einem Abstand von mindestens 5 cm gesetzt werden.

Wirkmechanismus

Mepolizumab ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper vom Typ IgG1-Kappa, der gezielt Interleukin-5 (IL-5) bindet und dadurch dessen biologische Wirkung hemmt. Durch diese Bindung wird die Interaktion von IL-5 mit dem IL-5-Rezeptor (IL-5R-α) auf der Zelloberfläche blockiert.

IL-5 spielt eine zentrale Rolle bei der Regulation eosinophiler Granulozyten, insbesondere hinsichtlich deren Reifung, Aktivierung, Rekrutierung und Überleben. Durch die Neutralisation von IL-5 führt Mepolizumab zu einer Reduktion der Eosinophilenzahl und damit zu einer Abschwächung der eosinophilen Entzündungsreaktion.

Dieser Mechanismus ist insbesondere bei Erkrankungen relevant, die durch eine Typ-2-Entzündung geprägt sind, wie schweres eosinophiles Asthma, chronische Rhinosinusitis mit Nasenpolypen, COPD, eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis sowie das hypereosinophile Syndrom.

Neben Eosinophilen exprimieren auch weitere Zelltypen den IL-5-Rezeptor, darunter Epithelzellen, Mastzellen, Basophile, T-Zellen und Fibroblasten. Inwieweit diese Zellpopulationen zum therapeutischen Effekt beitragen, ist bislang nicht vollständig geklärt.

Bei bestimmten Erkrankungen, insbesondere schwerem Asthma und CRSwNP, wurde unter IL-5-Blockade zudem eine Verbesserung von Aspekten des Atemwegsumbaus beobachtet. Der genaue Zusammenhang zwischen diesen Effekten und dem Wirkmechanismus ist jedoch noch Gegenstand der Forschung.

Antikörper eosinophiler Krankheiten

Pharmakokinetik

Resorption

  • Nach subkutaner Injektion wird Mepolizumab langsam aufgenommen.
  • Die maximale Plasmakonzentration wird typischerweise nach etwa 4 bis 8 Tagen erreicht.
  • Die Bioverfügbarkeit liegt je nach Injektionsort ungefähr zwischen 64 % und 80 %.
  • Bei wiederholter Gabe im 4-Wochen-Intervall kommt es zu einer moderaten Akkumulation (etwa Verdopplung im Steady State).
  • Die Pharmakokinetik zeigt über einen breiten Dosisbereich ein annähernd proportionales Verhalten.

Verteilung

  • Nach intravenöser Gabe verteilt sich Mepolizumab mit einem kleinen Verteilungsvolumen (ca. 55–85 ml/kg).
  • Dies entspricht einer Verteilung, die überwiegend auf den Blut- und extrazellulären Raum beschränkt ist.

Metabolismus

  • Als monoklonaler Antikörper wird Mepolizumab nicht über klassische Leberenzyme (z. B. CYP-450) metabolisiert.
  • Stattdessen erfolgt der Abbau durch proteolytische Enzyme im gesamten Körper zu kleineren Peptiden und Aminosäuren.

Elimination

  • Die systemische Clearance ist gering und liegt im Bereich von etwa 1,9–3,3 ml/Tag/kg.
  • Die terminale Halbwertszeit beträgt nach subkutaner Gabe etwa 16 bis 22 Tage.
  • Diese lange Halbwertszeit ermöglicht das übliche Dosierungsintervall von mehreren Wochen.

Dosierung

Die Verordnung sollte durch erfahrene Ärzte in der Behandlung eosinophiler Erkrankungen erfolgen. Die subkutane Anwendung erfolgt in der Regel alle 4 Wochen.

Schweres eosinophiles Asthma

  • Erwachsene und Jugendliche ≥ 12 Jahre: 100 mg s.c. alle 4 Wochen
  • Kinder 6–11 Jahre: 40 mg s.c. alle 4 Wochen
  • Therapiehinweis: Überprüfung der Notwendigkeit mindestens jährlich

Chronische Rhinosinusitis mit Nasenpolypen (CRSwNP)

  • Erwachsene: 100 mg s.c. alle 4 Wochen
  • Therapiehinweis: Bei fehlendem Ansprechen nach 24 Wochen sollte eine Therapieüberprüfung erfolgen. Bei partiellem Ansprechen kann Fortführung sinnvoll sein.

Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)

  • Erwachsene: 100 mg s.c. alle 4 Wochen
  • Therapiehinweis: Jährliche Überprüfung anhand Schweregrad und Exazerbationskontrolle

Eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis (EGPA)

  • Erwachsene und Jugendliche ≥ 12 Jahre: 300 mg s.c. alle 4 Wochen
  • Kinder 6–11 Jahre ≥ 40 kg: 200 mg s.c. alle 4 Wochen 
  • Kinder 6-11 Jahre < 40 kg: 100 mg s.c. alle 4 Wochen
  • Therapiehinweis: Jährliche Überprüfung der Fortsetzung. Bei lebensbedrohlichen Verläufen sollte die Indikation aufgrund begrenzter Daten besonders kritisch evaluiert werden.

Hypereosinophiles Syndrom (HES)

  • Erwachsene: 300 mg s.c. alle 4 Wochen
  • Therapiehinweis: Jährliche Nutzen-Risiko-Bewertung. Bei lebensbedrohlichen Manifestationen erneute Therapieprüfung erforderlich.

Nebenwirkungen

Zu den sehr häufigen bzw. häufigen Nebenwirkungen, die während einer Therapie mit Mepolizumab auftreten können, zählen:

  • Kopfschmerzen
  • Infektion der unteren Atemwege
  • Harnwegsinfektion
  • Pharyngitis
  • Herpes zoster
  • Überempfindlichkeitsreaktion
  • Nasenverstopfung
  • Schmerzen im Oberbauch
  • Ekzem
  • Rückenschmerzen
  • Arthralgie
  • Lokale Reaktionen an der Injektionsstelle
  • Fieber

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Mepolizumab zu beachten:

  • Fehlende spezifische Interaktionsstudien: Es wurden keine gezielten Studien durchgeführt, die Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln systematisch untersucht haben.
  • Kein Einfluss auf CYP450-System: Mepolizumab wird nicht über Cytochrom-P450-Enzyme, Transportproteine oder proteinbindende Mechanismen abgebaut. Daher sind klassische pharmakokinetische Wechselwirkungen, wie sie bei vielen anderen Arzneimitteln vorkommen, unwahrscheinlich.
  • Geringes Interaktionspotenzial durch Entzündungsmediatoren: Zwar können entzündliche Prozesse theoretisch die Aktivität von Leberenzymen beeinflussen, dieser Effekt ist bei Patienten mit eosinophilem Asthma jedoch nur gering ausgeprägt. Zudem gibt es keine Hinweise auf eine direkte Beteiligung des Zielrezeptors von Mepolizumab an solchen Prozessen.
  • Insgesamt geringes Risiko für Wechselwirkungen: Aufgrund der pharmakologischen Eigenschaften wird das Risiko klinisch relevanter Wechselwirkungen insgesamt als niedrig eingeschätzt.
     

Kontraindikationen

Die Anwendung von Mepolizumab ist kontraindiziert bei:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile
     

Schwangerschaft

Für die Anwendung von Mepolizumab in der Schwangerschaft liegen bislang nur begrenzte Erfahrungen vor. Aus Vorsichtsgründen sollte Mepolizumab während der Schwangerschaft möglichst nicht angewendet werden. Eine Anwendung kommt nur infrage, wenn der potenzielle Nutzen für die Mutter das mögliche Risiko für das Kind überwiegt.

Stillzeit

Es ist nicht bekannt, ob Mepolizumab beim Menschen in die Muttermilch übergeht. Tierexperimentelle Daten zeigen jedoch, dass geringe Mengen des Wirkstoffs in die Milch übertreten. Daher muss individuell entschieden werden, ob das Stillen oder die Behandlung fortgeführt wird. Dabei sind sowohl die Vorteile des Stillens für das Kind als auch der therapeutische Nutzen für die Mutter zu berücksichtigen.

Verkehrstüchtigkeit

Mepolizumab hat keinen oder lediglich einen vernachlässigbaren Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Mepolizumab zu beachten:

  • Rückverfolgbarkeit: Zur eindeutigen Identifikation biologischer Arzneimittel müssen der Handelsname und die Chargennummer jeder Anwendung sorgfältig dokumentiert werden.
  • Keine Anwendung bei akuten Exazerbationen: Mepolizumab ist nicht zur Behandlung akuter Asthma- oder COPD-Verschlechterungen geeignet. Bei anhaltender Symptomkontrolle oder Verschlechterung der Erkrankung während der Therapie sollten Patienten ärztlichen Rat einholen.
  • Umgang mit Kortikosteroiden: Ein abruptes Absetzen von begleitenden Kortikosteroide ist zu vermeiden. Eine Dosisreduktion darf nur schrittweise und unter ärztlicher Kontrolle erfolgen.
  • Überempfindlichkeitsreaktionen: Nach der Anwendung können sowohl sofortige als auch verzögerte systemische Reaktionen auftreten, darunter Anaphylaxie, Hautreaktionen, Bronchospasmus oder Blutdruckabfall. Diese können auch nach längerer Therapiedauer erstmals auftreten. Bei entsprechenden Symptomen ist eine sofortige medizinische Behandlung erforderlich.
  • Parasitäre Infektionen: Da Eosinophile eine Rolle in der Abwehr von Parasiten spielen, sollten bestehende Helmintheninfektionen vor Therapiebeginn behandelt werden. Bei neu auftretenden und therapieresistenten Infektionen kann ein vorübergehendes Aussetzen von Mepolizumab notwendig sein.
  • Eingeschränkte Wirksamkeit bei niedrigen Eosinophilenzahlen (COPD): Für COPD-Patienten mit niedrigen Eosinophilenwerten im Blut ist kein ausreichender Nutzen belegt. In dieser Patientengruppe wird die Anwendung daher nicht empfohlen.
  • Eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis (EGPA): Für Patienten mit schweren, lebensbedrohlichen oder organschädigenden Verläufen der EGPA liegen keine ausreichenden Studiendaten vor. Eine Anwendung erfordert daher besondere Vorsicht.
  • Hypereosinophiles Syndrom (HES): Auch bei Patienten mit lebensbedrohlichen Manifestationen des HES wurde Mepolizumab bislang nicht ausreichend untersucht, sodass hier nur begrenzte Erfahrungen vorliegen.

Alternativen

Ein weiterer Anti-IL-5-Antikörper ist Reslizumab. Darüber hinaus befindet sich der Anti-IL-5Rα-Antikörper Benralizumab auf dem Markt.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse: 149 kDa

Quelle:
  1. Freissmuth et al., Pharmakologie und Toxikologie, 2020, Springer.
  2. Scholz et al., Taschenbuch der Arzneibehandlung, 2005, Springer.
  3. Fachinformationen des Mepolizumab-Herstellers GSK (Nucala 100 mg Injektionslösung im Fertigpen/in einer Fertigspritze).

Abbildung

Adapted from „Antibody Targeting in Eosinophil-Associated Diseases”, by BioRender.com.

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