Methacetin[13C]
Methacetin ist ein diagnostisches Arzneimittel, das zur quantitativen Bestimmung der Leberfunktionskapazität im Rahmen des LiMAx-Tests eingesetzt wird. In Kombination mit stabilen Isotopen (^13C) dient es als Substrat für Atemtests zur nicht-invasiven Bestimmung der hepatischen Metabolisierungsleistung, insbesondere der Aktivität des Cytochrom-P450-Enzymsystems.
Methacetin: Übersicht
Anwendung
Methacetin ist ein Dagnostikum zur Durchführung des LiMAx-Tests zur Quantifizierung der Leberfunktionskapazität bei Erwachsenen, bei denen eine Leberoperation erwogen wird.
Der LiMAx-Test kann prä- und postoperativ zur Prognose und Überwachung der postoperativen Leberfunktion bei Leberresektion und -Transplantation angewendet werden.
Es handelt sich dabei um einen nicht-invasiven Atemtest, der in Verbindung mit der klinischen Bewertung anzuwenden ist.
Anwendungsart
Intravenöse Bolusinjektion
Die Durchführung erfolgt ausschließlich unter Aufsicht medizinisch geschulten Fachpersonals mit einer peripheren oder zentralen Venenverweilkanüle. Vor der Applikation muss der Patient nüchtern sein.
Wirkmechanismus
(4'-O-13C)Methacetin wird in der Leber über das Enzym CYP1A2 des Cytochrom-P450-Systems O-Demethyliert. Dabei entstehen Paracetamol und das stabile Isotop 13CO₂. Letzteres wird über die Lunge abgeatmet und mit dem FLIP-Messgerät analysiert. Die Menge an 13CO₂ korreliert direkt mit der funktionellen Leberkapazität.
Pharmakokinetik
- Absorption: Rasche Resorption nach oraler Gabe.
- Verstoffwechselung: Lebermetabolisierung über CYP1A2 zu Paracetamol und 13CO₂.
- Elimination: 13CO₂ wird abgeatmet, Paracetamol renal ausgeschieden.
- Halbwertszeit: Kurz; die Atemtestauswertung erfolgt typischerweise über 20–60 Minuten.
Dosierung
- Standarddosierung: 2 mg Methacetin pro kg Körpergewicht (i.v. Bolus)
- Anwendung maximal einmal alle 24 Stunden
- Keine Dosisanpassung bei älteren Patienten, Leber- oder Niereninsuffizienz notwendig
- Anwendung bei Kindern und Jugendlichen <18 Jahren nicht empfohlen
Nebenwirkungen
Bislang wurden keine Nebenwirkungen bei der klinischen Anwendung oder in der Literatur berichtet.
Wechselwirkungen
- Starke CYP1A2-Inhibitoren (z. B. Ciprofloxacin, Fluvoxamin): können das Testergebnis verfälschen
- Weitere CYP1A2-Modulatoren (z. B. Rauchen, bestimmte Arzneimittel)
- Paracetamol: gleichzeitige Einnahme beeinflusst das Testergebnis nicht
- Nahrungsmittel und Infusionen: mind. 3 Stunden vor Test keine Nahrung oder zuckerhaltigen Getränke
Kontraindikation
Methacetin darf nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit gegen Methacetin, Paracetamol oder andere Bestandteile.
Schwangerschaft
Die Anwendung in der Schwangerschaft ist nur bei fehlenden alternativen Diagnoseverfahren und nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung indiziert. Tierdaten zeigen keine Hinweise auf Reproduktionstoxizität. Paracetamol, der Hauptmetabolit, gilt in therapeutischen Dosen als sicher.
Stillzeit
Da Paracetamol in die Muttermilch übergeht, sollte das Stillen während der Testdurchführung unterbrochen werden. Es sind keine schädlichen Wirkungen beim gestillten Säugling bekannt.
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Methacetin zu beachten:
- Anwendung nur durch Fachpersonal: Die Anwendung darf ausschließlich unter der Aufsicht von erfahrenem, medizinisch geschultem Personal erfolgen.
- Einfluss von CYP1A2-Inhibitoren: Arzneimittel wie Ciprofloxacin, Fluvoxamin oder Enoxacin, die das Enzymsystem CYP1A2 hemmen, können den Abbau von Methacetin in der Leber beeinflussen und damit das Testergebnis verfälschen.
- Leberfunktionsstörungen: Da keine spezifische Hepatotoxizität beschrieben ist, kann Methacetin auch bei eingeschränkter Leberfunktion ohne Einschränkung eingesetzt werden.
- Nierenfunktionsstörungen: Ebenso besteht bei eingeschränkter Nierenfunktion keine Kontraindikation – Methacetin ist nierentoxikologisch unbedenklich.
- Kinder und Jugendliche: Die Anwendung bei Personen unter 18 Jahren ist nicht erlaubt, da keine ausreichenden Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit vorliegen.
- Paracetamol-Metabolisierung: Methacetin wird zu Paracetamol metabolisiert. Da die dabei erreichten Konzentrationen deutlich unterhalb therapeutischer Dosen liegen, sind keine zusätzlichen Vorsichtsmaßnahmen erforderlich.
- LiMAx-Atemmaske: Die Maske besteht aus latexfreiem Silikonkautschuk. In seltenen Fällen kann es zu Hautunverträglichkeiten kommen. Bei Bedarf kann ein Schutzgel (z. B. Hydrokolloidverband) zwischen Maske und Haut verwendet werden.
- FLIP-Messgerät bei Infektionsrisiko: Bei Patienten mit hochinfektiösen Lungenerkrankungen (z. B. multiresistente Keime oder offene Tuberkulose) muss ein geeigneter Bakterienfilter zwischen Atemschlauch und Messgerät eingesetzt werden.
- Auswertung der LiMAx-Messwerte: Die Beurteilung der Leberfunktion erfolgt auf Basis eines Referenzwerts von 315 μg/kg/h. Je nach klinischer Fragestellung (z. B. Leberresektion, Transplantation) gelten unterschiedliche Cut-off-Werte zur Risikoabschätzung.
Alternativen
1. Atemtests mit anderen Substraten
13C-Galaktose-Atemtest
- Misst die Aktivität der Galaktose-1-Phosphat-Uridyltransferase in der Leber.
- Weniger sensitiv für frühe Leberfunktionsstörungen.
- Eher in der Forschung oder bei speziellen Fragestellungen.
13C-Aminopyrin-Atemtest (13C-ABT)
- Ähnlich zum LiMAx, misst CYP450-vermittelte Metabolisierung.
- Methodisch vergleichbar, aber weniger verbreitet und potenziell weniger spezifisch.
2. Dynamische Leberfunktionstests (nicht-atembasiert)
Indocyaningrün-Test (ICG-Clearance)
- ICG wird ausschließlich hepatobiliär eliminiert → Messung der Plasmaelimination.
- Sehr gut geeignet zur präoperativen Risikoeinschätzung bei Leberresektion.
- Intraoperativ messbar (ICG-PDR: plasma disappearance rate).
- Kein Atemgas notwendig, aber invasiv (i. v. Applikation).
Galaktose-Eliminationstest
- IV-Applikation von Galaktose, Bestimmung der Galaktose-Clearance.
- Ermöglicht Aussage zur hepatozellulären Funktion, aber eher historisch.
3. Klassische Laborparameter / Scores (indirekt)
MELD-Score (Model for End-Stage Liver Disease)
- Berechnet aus Bilirubin, Kreatinin, INR → v. a. bei Transplantationspriorisierung.
- Gute prädiktive Aussagekraft, aber rein biochemisch und nicht dynamisch.
Child-Pugh-Score
- Subjektiver als MELD, berücksichtigt Enzephalopathie und Aszites.
- Eher zur allgemeinen Einschätzung bei Leberzirrhose.
Quick/INR, Albumin, Bilirubin, Ammoniak, Cholinesterase etc.
- Einzelne Laborparameter geben Hinweise auf Synthese- oder Entgiftungsleistung,
aber nicht ausreichend präzise zur funktionellen Einschätzung.
4. Bildgebende Verfahren mit Funktionskomponente
Hepatobiliäre Funktionsszintigrafie (z. B. mit 99mTc-Mebrofenin)
- Visualisierung und Quantifizierung der Leberfunktion (z. B. segmental).
- Vorteilhaft vor Leberresektion oder bei fokalen Pathologien.
- Zeitaufwendig, teurer und mit Strahlenbelastung.
Gadoxetate-enhanced MRT (Primovist®)
- Dynamische Kontrastmittelanreicherung reflektiert funktionelles Lebergewebe.
- Kombination von morphologischer und funktioneller Bildgebung
Wirkstoff-Informationen
Fachinformation LiMAxetin










