Methylergometrin
Methylergometrin ist ein halbsynthetisches Mutterkornalkaloid mit ausgeprägter uterotoner Wirkung. Es wird zur Behandlung postpartaler Blutungen und der Subinvolutio uteri bei nicht stillenden Frauen eingesetzt und ist bei stillenden Frauen Mittel der zweiten Wahl.
Methylergometrin: Übersicht

Anwendung
Methylergometrin wird angewendet bei:
- Blutungen nach Abort
- Verstärkten postpartalen Blutungen
- Subinvolutio uteri (verzögerte Rückbildung der Gebärmutter) im Wochenbett bei nicht stillenden Frauen
- Stillende Frauen: nur als Mittel der zweiten Wahl, wenn Oxytocin oder Prostaglandine unwirksam oder kontraindiziert sind
Anwendungsart
Intramuskuläre oder intravenöse Injektion. Die intravenöse Applikation muss langsam erfolgen.
Wirkmechanismus
Methylergometrin stimuliert die glatte Muskulatur des Uterus und der Gefäße über alpha-adrenerge und serotoninerge Rezeptoren. Es steigert dosisabhängig Tonus, Frequenz und Amplitude der Uteruskontraktionen. Niedrige Dosen führen zu physiologischen Kontraktionen mit Relaxationsphasen; hohe Dosen können zu tonischen Dauerkontraktionen führen. Zusätzlich wird die Prostaglandinsynthese im Uterus moduliert. Methylergometrin reduziert außerdem die Prolaktinsekretion und senkt dadurch die Milchproduktion.
Pharmakokinetik
Wirkbeginn:
- i.v.: nach 0,5–1 Minute
- i.m.: nach 2–10 Minuten
- oral: nach 3–5 Minuten
Cmax:
- i.v.: nach 1–3 Minuten
- i.m.: nach 30 Minuten
- oral: nach ca. 3 Stunden
Bioverfügbarkeit oral: ca. 60 %
Metabolismus: Hepatisch, Stoffwechselwege weitgehend unbekannt
Elimination:
- 90 % über die Galle
- ca. 3 % unverändert renal
Halbwertszeit: 30–120 Minuten
Plasma-Clearance: 120–240 ml/min
Muttermilch: Milch-Plasma-Quotient ca. 0,3 bei längerer Anwendung
Dosierung
- i.v. Anwendung: 1–3× täglich bis zu ½ Ampulle (max. 300 µg/Tag)
- i.m. Anwendung: 1–3× täglich bis zu 1 Ampulle (max. 600 µg/Tag)
Nebenwirkungen
Sehr häufig:
- Blutdrucksteigerung bei präexistierender Hypertonie
- Unterbauchschmerzen (durch Kontraktionen), verminderte Laktation
Häufig:
- Kopfschmerzen, Schwindel, Tachykardie
- Übelkeit, Erbrechen
- Hautreaktionen, Schwitzen
- Blutdruckanstieg bei normotonen Patientinnen
Gelegentlich:
- Angina-pectoris-artige Beschwerden
- Blutdruckabfall
Nicht bekannt:
- Anaphylaktische Reaktionen
- Herzrhythmusstörungen, Myokardinfarkt
- Vasokonstriktion, zerebrale Arteriospasmen
- Krampfanfälle beim Säugling nach Muttermilchaufnahme
Wechselwirkungen
- Secale-Alkaloide: Additive Wirkung möglich, Risiko für Überdosierung erhöht
- Sympathomimetika: Verstärkte vasopressorische Wirkung
- Oxytocin/Prostaglandine: Potenziert uterotone Wirkung; Risiko für hypertensive Krisen mit zerebralem Ödem und Krämpfen
- Halothan, Methoxyfluran: Abschwächung der uterotonen Wirkung
- Methysergid: Metabolismus zu Methylergometrin kann kumulative Effekte auslösen
Kontraindikationen
Methylergometrin darf nicht angewendet werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen Methylergometrin, Mutterkornalkaloide oder sonstige Bestandteile
- Arterieller Hypertonie
- Zustand nach Präeklampsie oder Eklampsie
- Schweren Leber- oder Nierenfunktionsstörungen
- Ischämischen Gefäßerkrankungen
- Sepsis
- Zur Geburtseinleitung oder bei Wehenschwäche
Stillzeit
Methylergometrin geht in die Muttermilch über und hemmt die Laktation. Bei gestillten Säuglingen können kardiovaskuläre und neurologische Symptome auftreten. Das Stillen unter Methylergometrin sollte deshalb vermieden werden.
Verkehrstüchtigkeit
Zentralnervöse Nebenwirkungen (z. B. Schwindel, Kopfschmerzen) können die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigen, insbesondere in Kombination mit zentral wirksamen Arzneimitteln oder Alkohol.
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Methylergometrin zu beachten:
- Blutdruckkontrolle: Regelmäßige Kontrolle erforderlich, besonders bei Risikopatientinnen
- KHK-Risiko: Patientinnen mit koronaren Risikofaktoren haben ein erhöhtes Risiko für Myokardischämien oder Infarkte
- Stillzeit: Übertritt in die Muttermilch kann zu unerwünschten Wirkungen beim Säugling führen (z. B. Krämpfe, Hypertonie)
Alternativen
Bei postpartalen Blutungen und Uterusatonie:
- Oxytocin
- Carbetocin
- Prostaglandine (z. B. Misoprostol)
Methylergometrin gilt bei stillenden Frauen als Mittel der zweiten Wahl.
Wirkstoff-Informationen
Fachinformation Methylergometrin PANPHARMA 200 µg/ml Injektionslösung (Stand: Februar 2020)










