Moclobemid

Moclobemid ist ein reversibler Hemmer der Monoaminoxidase-A, der zur Behandlung von Depressionen und sozialer Phobie eingesetzt wird.

Moclobemid

Anwendung

Moclobemid ist ein Antidepressivum, das in der Therapie von Depressionen und bei sozialer Phobie eingesetzt wird

Wirkmechanismus

Moclobemid ist ein reversibler, selektiver Inhibitor der Monoaminooxidase-A (MAO-Hemmer), einem Enzym, das für den Abbau von Neurotransmittern wie Serotonin, Noradrenalin und Dopamin im Gehirn verantwortlich ist. Durch die Hemmung von MAO-A erhöht Moclobemid die Konzentration dieser Neurotransmitter im synaptischen Spalt, was zu einer verbesserten Signalübertragung im Gehirn führen kann.

Im Gegensatz zu älteren MAO-Hemmern wie Tranylcypromin hat Moclobemid einen geringeren Einfluss auf die MAO-B-Aktivität, was zu einer geringeren Wahrscheinlichkeit von gefährlichen Wechselwirkungen mit bestimmten Lebensmitteln und Medikamenten führt.

Pharmakokinetik

Resorption

  • Moclobemid wird nach oraler Gabe vollständig aus dem Magen-Darm-Trakt resorbiert.

Verteilung

  • Moclobemid hat lipophile Eigenschaften und verteilt sich stark im Körper.
  • Das Verteilungsvolumen beträgt ca. 1,0 l/kg.
  • Die Bindung an Plasmaproteine ist gering.
  • Die Spitzenkonzentrationen im Plasma werden etwa eine Stunde nach Verabreichung erreicht.
  • Bei mehrfachen Gaben nimmt die Plasmakonzentration während der ersten Behandlungswoche zu und stabilisiert sich anschließend.

Metabolismus

  • Moclobemid wird fast vollständig metabolisiert, bevor es ausgeschieden wird.
  • Die Metabolisierung erfolgt überwiegend über oxidative Reaktionen am Morpholinteil des Moleküls.
  • Die Hauptmetaboliten im Plasma sind ein Lactam-Derivat und ein Stickstoffoxid-Derivat. Moclobemid wird teilweise durch die polyphenen Isoenzyme CYP2C19 und CYP2D6 metabolisiert.
  • Der Metabolismus der Substanz ist bei genetisch bedingten oder Arzneimittel-induzierten langsamen Metabolisierern nicht therapeutisch relevant.

Elimination

  • Moclobemid wird rasch aus dem Körper ausgeschieden.
  • Die durchschnittliche Eliminationshalbwertszeit beträgt bei Verabreichung von zweimal täglich 300 mg ca. 3 Stunden und liegt bei den meisten Patienten zwischen 2 und 4 Stunden.
  • Weniger als 1% einer Dosis wird unverändert durch die Nieren ausgeschieden.
  • Die gebildeten Metaboliten werden renal eliminiert.

Dosierung

Der Dosierungsbereich für Moclobemid liegt zwischen 300 mg und 600 mg pro Tag und wird normalerweise auf zwei bis drei Dosen nach den Mahlzeiten verteilt. Die Initialdosis bei der Behandlung von Depressionen beträgt 300 mg pro Tag und kann bei schweren Depressionen auf 600 mg erhöht werden. Die Dosissteigerung sollte jedoch nicht vor Ablauf der ersten Behandlungswoche erfolgen.

Für die Behandlung von sozialen Phobien wird ebenfalls eine Dosierung von 600 mg pro Tag empfohlen, die auf zwei Dosen verteilt wird. Die Behandlung sollte mit einer Dosis von 300 mg pro Tag begonnen werden und ab dem 4. Tag auf 600 mg pro Tag erhöht werden. Eine längere Anwendung von 300 mg pro Tag wird nicht empfohlen, da die wirksame Tagesdosis 600 mg beträgt.

Nebenwirkungen

Im Gegensatz zu anderen MAO-Hemmern wirkt Moclobemid hauptsächlich auf MAO vom Typ A. Daher sind die Nebenwirkungen und Arzneimittelinteraktionen von Moclobemid geringer ausgeprägt als bei MAO-Hemmern, die auch den B-Typ des Enzyms hemmen.

Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Moclobemdid zu beachten:

  • Moclobemid darf nicht zusammen mit Selegilin oder Linezolid eingenommen werden.
  • Die gleichzeitige Anwendung von Moclobemid und Triptanen oder Tramadol ist kontraindiziert.
  • Eine Dosisanpassung von Opiaten wie Morphin, Fentanyl und Codein könnte notwendig werden, wenn sie zusammen mit Moclobemid verwendet werden.
  • Die Kombination von Pethidin und Moclobemid ist kontraindiziert, da ein erhöhtes Risiko für serotonerge Symptome besteht.
  • Moclobemid zeigt ein geringes Potenzial für Interaktionen mit Tyramin.
  • Die Tagesdosis von Moclobemid sollte verringert werden, wenn es zusammen mit Arzneimitteln eingenommen wird, die bestimmte Leberenzyme hemmen.
  • Vorsicht wird bei der Anwendung von Moclobemid zusammen mit Arzneimitteln empfohlen, die durch CYP2C19 metabolisiert werden.
  • Die Plasmakonzentrationen von Trimipramin und Maprotilin steigen bei gleichzeitiger Gabe von Moclobemid an.
  • Moclobemid kann die Wirkung von sympathomimetischen Stoffen verstärken und verlängern.
  • Moclobemid sollte nur mit Vorsicht angewendet werden, wenn es zusammen mit anderen serotonerg wirkenden Arzneimitteln wie Antidepressiva eingenommen wird.
  • Eine Auswaschphase wird empfohlen, wenn man von anderen Antidepressiva auf Moclobemid umstellt.
  • Die gleichzeitige Anwendung von Moclobemid mit Johanniskrautpräparaten wird nicht empfohlen.
  • Moclobemid darf nicht mit Dextromethorphan eingenommen werden.
  • Sibutramin verstärkt die Wirkung von MAOIs, daher wird eine Kombination mit Moclobemid nicht empfohlen. Die gleichzeitige Anwendung von Moclobemid mit Dextropropoxyphen wird nicht empfohlen.

Kontraindikationen

Moclobemid darf nicht angewendet werden bei:

  • bekannter Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff
  • Vorliegen akuter Verwirrtheitszustände
  • Kindern, da ausreichende klinische Erfahrungen bei dieser Gruppe von Patienten nicht vorliegen
  • Anwendung von Selegilin, Triptanen, Pethidin, Tramadol, Bupropion, Dextromethorphan, Linezolid

Schwangerschaft

Der Einsatz von Moclobemid während der Schwangerschaft und Stillzeit sollte sorgfältig abgewogen werden, da keine ausreichenden Erfahrungen am Menschen vorliegen. Tierversuche haben jedoch keine Hinweise auf Risiken für den Fetus ergeben.

Stillzeit

Moclobemid geht in geringen Mengen in die Muttermilch über, daher sollte das Risiko einer Behandlung mit dem erwarteten therapeutischen Nutzen abgewogen werden.

Verkehrstüchtigkeit

In der Regel wird das Reaktionsvermögen durch die Einnahme von Moclobemid nicht beeinträchtigt. Allerdings sollten individuelle Reaktionen zu Beginn der Behandlung aufmerksam beobachtet werden.

Anwendungshinweise

  • Patienten mit suizidalem Verhalten oder Suizidabsichten in der Anamnese sollten während der Behandlung besonders sorgfältig überwacht werden.
  • Patienten sollten auf die Notwendigkeit einer Überwachung hinsichtlich jeder klinischen Verschlechterung, des Auftretens von suizidalem Verhalten oder Suizidgedanken und ungewöhnlicher Verhaltensänderungen hingewiesen werden.
  • Bei Patienten mit schizophrenen oder schizoaffektiven Psychosen ist eine Exazerbation schizophrener Symptome bei der Behandlung möglich.
  • Bei prädisponierten Patienten können Überempfindlichkeitsreaktionen auftreten.
  • Eine Kombination von Moclobemid mit bestimmten anderen Arzneimitteln, darunter Clomipramin und Dextromethorphan, wird nicht empfohlen.
  • Eine Kombination von Moclobemid mit pflanzlichen Präparaten, die Johanniskraut enthalten, sollte nur mit Vorsicht erfolgen.
  • Schlaflosigkeit, Nervosität oder Überspanntheit zu Beginn der Behandlung mit Moclobemid können eine Reduzierung der Dosis oder eine kurzfristige symptomatische Behandlung rechtfertigen.

Alternativen

Es gibt verschiedene Alternativen für Moclobemid, die zur Behandlung von Depressionen eingesetzt werden können. Dazu gehören andere Antidepressiva wie selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) wie Fluoxetin, Sertralin oder Escitalopram, sowie Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRIs) wie Venlafaxin oder Duloxetin.

Darüber hinaus können auch Wirkstoffe wie Bupropion oder Trizyklische Antidepressiva (TZA) als Alternativen in Frage kommen.

Welches Antidepressivum für einen bestimmten Patienten am besten geeignet ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab wie  z.B. der Art und Schwere der Depression, dem Alter und Geschlecht des Patienten, dem Vorhandensein von Begleiterkrankungen oder anderen medizinischen Bedingungen, dem Ansprechen auf frühere Behandlungen und möglichen Nebenwirkungen.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
268.74 g·mol-1
Mittlere Halbwertszeit:
ca. 1.5 H
Q0-Wert:
1.0
Autor:
Stand:
31.03.2023
Quelle:
  1. Fachinformation Moclobemid-neuraxpharm
  2. Benkert, Otto, et al. "Moclobemid." Pocket Guide Psychopharmaka von A bis Z (2010): 159-161.
  3. Riederer, P., L. Lachenmayer, and G. Laux. "Clinical applications of MAO-inhibitors." Current medicinal chemistry 11.15 (2004): 2033-2043.
  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden