Naftidrofuryl
Naftidrofuryl ist ein peripherer Vasodilatator aus der Gruppe der nichtselektiven Serotoninantagonisten. Der Wirkstoff wird zur Behandlung der Claudicatio intermittens im Rahmen einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) im Stadium IIb nach Fontaine eingesetzt, wenn andere therapeutische Maßnahmen wie Gehtraining oder gefäßlumeneröffnende Verfahren nicht indiziert sind.
Naftidrofuryl: Übersicht

Anwendung
Naftidrofuryl wird eingesetzt zur Verlängerung der Gehstrecke bei chronischer peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) im Stadium IIb nach Fontaine (Claudicatio intermittens), sofern andere Maßnahmen wie Gehtraining oder invasive Verfahren nicht möglich sind.
Anwendungsart
Naftidrofuryl wird oral in Form von Retardkapseln eingenommen. Die Kapseln sind unzerkaut mit reichlich Flüssigkeit zu schlucken.
Wirkmechanismus
Naftidrofuryl wirkt über eine kompetitive Hemmung von Serotonin am 5-HT₂-Rezeptor. Es vermindert den Arteriolentonus, hemmt die Thrombozytenaggregation und verbessert dadurch die Mikrozirkulation. Zusätzlich zeigt Naftidrofuryl lokalanästhetische Eigenschaften. Studien zur kardiovaskulären Mortalitäts- oder Morbiditätsreduktion liegen nicht vor.
Pharmakokinetik
- Nach oraler Gabe rasche Resorption.
- Bioverfügbarkeit ca. 33 %.
- Metabolisierung durch unspezifische Cholinesterasen und Hepatik.
- Metaboliten werden überwiegend renal ausgeschieden.
- Plasmaproteinbindung: 65 %.
- Eliminationshalbwertszeit: ca. 60 Minuten.
- Bei Leberfunktionsstörung: verlängerte Halbwertszeit.
Dosierung
- Standarddosis: 3 × täglich 1 Retardkapsel (600 mg/Tag).
- Bei schwerer Niereninsuffizienz oder Pseudo-Cholinesterasemangel: Dosisanpassung erforderlich.
- Therapiekontrolle alle 3 Monate empfohlen.
Nebenwirkungen
Häufig
- Übelkeit, Erbrechen, Magen-Darm-Beschwerden, Diarrhoe
- Appetitlosigkeit
Gelegentlich
- Schlaflosigkeit, Unruhe, Schwindel, Kopfschmerzen
- orthostatische Dysregulation, Benommenheit
- Müdigkeit, Blutdrucksenkung, Urtikaria
- Ösophagitis
Selten
- Herzrhythmusstörungen, Parästhesie
- Angina pectoris
Sehr selten
Wechselwirkungen
Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Naftidrofuryl zu beachten:
- Antiarrhythmika: Wirkungsverstärkung möglich.
- β-Rezeptorenblocker: Wirkungsverstärkung möglich.
- Antihypertensiva: Verstärkung der blutdrucksenkenden Wirkung möglich.
Kontraindikationen
Naftidrofuryl darf nicht angewendet werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen Naftidrofuryl oder einen der sonstigen Bestandteile
- akutem Herzinfarkt
- dekompensierter Herzinsuffizienz
- schweren kardialen Überleitungsstörungen
- schwerer Angina pectoris
- arteriellen Blutungen
- sehr niedrigem systolischem Blutdruck (< 90 mmHg)
- orthostatischer Dysregulation
- frischem hämorrhagischen Insult
- Leberfunktionsstörungen
- zerebraler Krampfneigung
- bekannter Hyperoxalurie oder calciumhaltigen Nierensteinen
Schwangerschaft
Naftidrofuryl sollte während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, da keine ausreichenden Daten zur Anwendung beim Menschen vorliegen.
Stillzeit
Naftidrofuryl sollte während der Stillzeit nicht angewendet werden, da keine Informationen über den Übergang in die Muttermilch vorliegen.
Verkehrstüchtigkeit
Naftidrofuryl kann in geringem bis mäßigem Ausmaß die Verkehrstüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen beeinträchtigen.
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Naftidrofuryl zu beachten:
- Koronarsklerose: Eine besonders sorgfältige Überwachung ist erforderlich.
- Herzrhythmusstörungen: Vor Therapiebeginn sollte ein EKG durchgeführt werden.
- Flüssigkeitszufuhr: Während der Behandlung sollte auf ausreichende Hydratation geachtet werden.
- Stoffwechselerkrankungen: Patienten mit hereditärer Fructose-/Galactose-Intoleranz, Glucose-Galactose-Malabsorption oder Sucrase-Isomaltase-Insuffizienz dürfen das Präparat nicht einnehmen.
Alternativen
Als mögliche Alternativen zu Naftidrofuryl kommen folgende Wirkstoffe infrage:
- Cilostazol: PDE-III-Hemmer mit Thrombozytenaggregationshemmung und Vasodilatation
- Pentoxifyllin: Verbesserung der Mikrozirkulation durch Reduktion der Blutviskosität
- Iloprost: Prostazyklinanalogon zur Vasodilatation und Thrombozytenhemmung
- Acetylsalicylsäure (nur zur Sekundärprophylaxe, keine symptomatische Verbesserung der Gehstrecke)
Wirkstoff-Informationen
Fachinformation Nafti-CT 200 mg Retardkapseln, Stand: März 2018










