Naphazolin
Naphazolin ist ein Alpha-Adrenozeptor-Agonist, der an Alpha-1-Rezeptoren bindet und eine Vasokonstriktion der Blutgefäße bewirkt, was zu einer Abschwellung der Nasen- und Augenschleimhäute führt. Der Wirkstoff wird zur symptomatischen Behandlung von nasaler Kongestion bei Rhinitis und zur Linderung von okularen Reizungen und Rötungen eingesetzt.
Naphazolin: Übersicht

Anwendung
Naphazolin wird hauptsächlich als abschwellendes Mittel zur Behandlung von nasalen und okularen Beschwerden eingesetzt.
- Nasale Anwendung: In Form von Nasensprays oder -tropfen wird Naphazolin verwendet, um die Schleimhäute bei einer verstopften Nase durch Erkältungen, Allergien oder andere nasale Irritationen abzuschwellen. Es wirkt, indem es die Blutgefäße in der Nase verengt, was zu einer Reduzierung der Schwellung und einer Verbesserung der Nasenatmung führt.
- Okulare Anwendung: Als Bestandteil von Augentropfen wird Naphazolin zur Linderung von Reizungen und Rötungen der Augen eingesetzt, die durch Wind, Sonne, Chlorwasser, Allergien oder andere externe Faktoren verursacht werden. Es wirkt auch hier durch die Verengung der Blutgefäße im Auge, was zu einer Verringerung der Rötung und Schwellung führt.
Wirkmechanismus
Naphazolin wirkt als Agonist an Alpha-1-Adrenozeptoren, die zu den G-Protein-gekoppelten Rezeptoren (GPCRs) gehören. Die Bindung von Naphazolin an diese Rezeptoren führt zur Aktivierung des G-Proteins, spezifisch der Gq-Untereinheit. Diese Aktivierung bewirkt eine Kaskade intrazellulärer Signale, die mit der Aktivierung der Phospholipase C (PLC) beginnt. PLC katalysiert die Umwandlung von Phosphatidylinositol-4,5-bisphosphat (PIP2) in Inositoltrisphosphat (IP3) und Diacylglycerol (DAG).
IP3 setzt Calciumionen (Ca2+) aus dem endoplasmatischen Retikulum frei, was zu einer Erhöhung der intrazellulären Ca2+-Konzentration führt. Diese Erhöhung der Ca2+-Konzentration ist entscheidend für die Kontraktion der glatten Muskulatur in den Blutgefäßen, da Ca2+ als sekundärer Botenstoff dient, der die Interaktion von Aktin und Myosin und somit die Muskelkontraktion fördert.
DAG aktiviert wiederum die Proteinkinase C (PKC), die verschiedene Proteine phosphoryliert und dadurch weitere Effekte innerhalb der Zelle auslöst, die zur Vasokonstriktion beitragen. Durch diese Signalkaskade führt Naphazolin zur Verengung der Blutgefäße, was die Schwellung und Rötung in den betroffenen Geweben reduziert.
Dosierung
Nasale Anwendung:
- Naphazolin-haltige Nasentropfen oder Nasensprays für Erwachsene und Kinder über 6 Jahre enthalten typischerweise eine Konzentration von 0,05% bis 0,1%.
- Die übliche Dosierung ist mehrmals täglich (oft bis zu 3-4 Mal täglich) je ein Sprühstoß oder Tropfen in jedes Nasenloch.
Okulare Anwendung:
- In Augentropfen liegt die Konzentration von Naphazolin meist bei 0,01% bis 0,1%.
- Die empfohlene Anwendung für Erwachsene ist in der Regel 1-2 Tropfen in das betroffene Auge, bis zu 4 Mal täglich.
Nebenwirkungen
Die Anwendung von Naphazolin kann zu folgenden Nebenwirkungen führen:
Nasal:
- Brennen, Trockenheit, Niesen
- Bei Übernutzung: chronische Nasenverstopfung (Rhinitis medicamentosa)
- Selten: erhöhter Blutdruck
Okular:
- Brennen, Stechen, verstärkte Rötung
- Erweiterte Pupillen, Sehstörungen
- Selten: systemische kardiovaskuläre Effekte
Wechselwirkungen
Wenn Naphazolin zusammen mit anderen Medikamenten, die ähnlich wie Sympathomimetika wirken, eingenommen wird, kann dies die Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System verstärken. Außerdem kann die gleichzeitige Anwendung von Naphazolin mit Monoaminoxidasehemmern (MAO-Hemmern) vom Typ Tranylcypromin oder mit trizyklischen Antidepressiva zu einem Anstieg des Blutdrucks führen.
Kontraindikationen
Naphazolin darf nicht angewendet werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen Naphazolin
- Rhinitis sicca
- 1. Schwangerschaftsdrittel
- Engwinkelglaukom
- Zustand nach transsphenoidaler Hypophysektomie oder anderen operativen Eingriffen, die die Dura Mater beschädigen
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Naphazolin zu beachten:
- Vorsicht bei bestimmten Medikamenten: Die Anwendung sollte nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen bei Patienten, die MAO-Hemmer, trizyklische Antidepressiva oder andere Medikamente einnehmen, die den Blutdruck steigern können.
- Erhöhter Augeninnendruck: Vorsicht bei Personen mit erhöhtem Augeninnendruck anderer Ursachen.
- Herz-Kreislauferkrankungen: Personen mit schweren Herz-Kreislauferkrankungen wie koronarer Herzkrankheit oder Hypertonie sollten vorsichtig sein.
- Phäochromozytom: Patienten mit diesem Tumor sollten Naphazolin nur nach Abwägung anwenden.
- Stoffwechselstörungen: Bei Hyperthyreose, Diabetes und Porphyrie ist Vorsicht geboten.
- Prostatahyperplasie: Männer mit vergrößerter Prostata sollten auf die Anwendung achten.
- Reaktion auf Sympathomimetika: Personen, die empfindlich auf Sympathomimetika reagieren, z.B. mit Schlaflosigkeit oder Schwindel, sollten vorsichtig sein.
- Konservierungsmittel Benzalkoniumchlorid: Kann bei längerer Anwendung Schwellungen der Nasenschleimhaut verursachen. Bei anhaltend verstopfter Nase sollte möglichst ein konservierungsmittelfreies Präparat oder eine andere Darreichungsform gewählt werden. Benzalkoniumchlorid kann zudem Hautreizungen hervorrufen.
- Dauergebrauch: Langzeitnutzung schleimhautabschwellender Mittel kann zu chronischer Schwellung und Schwund der Nasenschleimhaut führen.
- Glaukom: Patienten mit Glaukom sollten vor der Anwendung von Naphazolin den Arzt konsultieren.
Alternativen
Für nasale Beschwerden:
- Salzlösungen (isotonische oder hypertonische): Diese können helfen, die Nasenschleimhäute zu befeuchten und zu reinigen, was besonders bei trockener oder verstopfter Nase nützlich ist.
- Andere abschwellende Wirkstoffe: Oxymetazolin oder Xylometazolin sind Alternativen, die ähnlich wirken, aber unterschiedliche Wirkdauern oder Nebenwirkungsprofile haben können.
- Steroid-Nasensprays: Beispielsweise Fluticason oder Mometason können bei allergischer Rhinitis zur Reduzierung von Entzündungen und Schwellungen eingesetzt werden.
- Antihistaminika: Oral oder als Nasenspray (z.B. Azelastin, Levocabastin) können sie bei allergiebedingter verstopfter Nase helfen.
Für okulare Beschwerden:
Wirkstoff-Informationen
- Fachinformation Rhinex
- Steinhilber, Dieter, Manfred Schubert-Zsilavecz, and Hermann Roth. "Medizinische Chemie." (2017).










