Nicergolin
Nicergolin ist ein halbsynthetisches Mutterkornalkaloid mit vasodilatierenden und sympatholytischen Eigenschaften. Es wird als durchblutungsförderndes Arzneimittel bei zerebralen Durchblutungsstörungen im Alter eingesetzt und verbessert die kognitive Leistungsfähigkeit sowie die zerebrale Stoffwechsellage.
Nicergolin: Übersicht

Anwendung
Nicergolin wird angewendet als unterstützende Maßnahme bei Hirnleistungsstörungen im Alter (hirnorganisches Psychosyndrom) mit Leitsymptomen wie Einschränkungen der Konzentrations- und Merkfähigkeit, der Gesamtorientierung sowie bei Schlafstörungen.
Anwendungsart
Nicergolin wird oral in Form von Filmtabletten verabreicht. Die Einnahme erfolgt idealerweise vor den Mahlzeiten mit ausreichend Flüssigkeit und über einen längeren Zeitraum. Eine regelmäßige Überprüfung der Therapieindikation wird empfohlen.
Wirkmechanismus
Nicergolin wirkt primär über eine Blockade postsynaptischer α1-Adrenorezeptoren und zeigt zusätzlich eine Affinität zum 5HT-1A-Serotonin-Rezeptor. Dies führt zu einer Vasodilatation und einer Verbesserung der zerebralen Mikrozirkulation. Darüber hinaus hemmt Nicergolin die Thrombozytenaggregation, beeinflusst den Hirnstoffwechsel positiv und fördert kognitive Funktionen wie Aufmerksamkeit, Konzentration und Antrieb.
Pharmakokinetik
- Resorption: Schnelle und nahezu vollständige Aufnahme aus dem Magen-Darm-Trakt mit ausgeprägtem First-Pass-Effekt.
- Verteilung: Hohe Bindung an alpha1-saures Glykoprotein, geringe Affinität zu Albumin.
- Metabolisierung: Umfassende Biotransformation durch Hydrolyse und N-Demethylierung. Metaboliten werden glucuronidiert.
- Elimination: Hauptsächlich renal (ca. 80 %), zu 10 % fäkal. Halbwertszeit: Nicergolin ca. 2,5 Stunden; Hauptmetaboliten 12–17 Stunden.
Dosierung
Die empfohlene Tagesdosis beträgt 20–30 mg Nicergolin, verteilt auf ein- bis dreimal tägliche Einnahme. Bei unzureichendem Ansprechen kann die Tagesdosis auf bis zu 60 mg erhöht werden. Nach Besserung der Symptome ist häufig eine Dosisreduktion möglich. Bei Niereninsuffizienz (Serumkreatinin >175 µmol/l) ist eine Dosisanpassung erforderlich.
Nebenwirkungen
Gelegentlich bis häufig auftretende Nebenwirkungen sind:
- ZNS: Somnolenz, Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Verwirrtheit
- Gastrointestinaltrakt: Übelkeit, Diarrhoe, Bauchbeschwerden, Verstopfung
- Kardiovaskulär: Blutdruckabfall, Flush
- Haut: Pruritus, Exanthem
- Psychiatrisch: Agitation, Schlafstörungen
- Labordiagnostik: Erhöhte Harnsäurekonzentrationen im Serum
Wechselwirkungen
Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Nicergolin zu beachten:
- Antihypertensiva: Verstärkung der Wirkung möglich
- Betablocker: Verstärkung der kardialen Effekte
- Sympathomimetika (α-/β-agonistisch): Wirkung kann abgeschwächt werden
- CYP2D6-Substrate: Wechselwirkungen durch gemeinsame Metabolisierung möglich
- Thrombozytenaggregationshemmer / Antikoagulanzien: Erhöhtes Blutungsrisiko
- Arzneimittel, die den Harnsäuremetabolismus beeinflussen: Verstärkung der Harnsäure-Retention
Kontraindikationen
Nicergolin darf nicht angewendet werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen Nicergolin, Mutterkornalkaloide oder sonstige Bestandteile
- Frischem Herzinfarkt
- Akuten Blutungen
- Schwerer Bradykardie (< 50/min)
- Kollapsneigung
- Orthostatischer Dysregulation
- Gleichzeitiger Therapie mit α- oder β-Rezeptor-stimulierenden Sympathomimetika
Schwangerschaft
Nicergolin sollte während der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn der potenzielle Nutzen für die Patientin das potenzielle Risiko für den Fötus überwiegt.
Stillzeit
Es ist nicht bekannt, ob Nicergolin in die Muttermilch übergeht. Eine Anwendung in der Stillzeit wird daher nicht empfohlen.
Verkehrstüchtigkeit
Nicergolin kann Symptome wie Schwäche oder Schläfrigkeit verursachen, insbesondere zu Beginn der Behandlung oder in Kombination mit Alkohol. Die Auswirkungen auf die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen wurden nicht explizit untersucht. Vorsicht ist geboten.
Anwendungshinweise
Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Nicergolin zu beachten:
- Blutdruckveränderungen: Bei Hypertonie kann es zu einer allmählichen Blutdrucksenkung kommen.
- Gicht / Hyperurikämie: Vorsicht bei bestehender Gicht oder entsprechender Medikation.
- Fibrose-Risiko: Ein kausaler Zusammenhang mit Fibrosen unter Nicergolin ist nicht gesichert, jedoch nicht auszuschließen.
- Ergotismus: Symptome wie Übelkeit, Bauchschmerzen und Vasokonstriktion wurden in Zusammenhang mit anderen Ergotalkaloiden berichtet.
- Bradykardie: Vorsicht bei leichter Bradykardie.
Alternativen
Als mögliche Alternativen zu Nicergolin kommen folgende Wirkstoffe infrage:
- Ginkgo biloba-Extrakte: Pflanzliche Mittel zur Verbesserung der kognitiven Leistung
- Piracetam: Nootropikum zur Behandlung kognitiver Einschränkungen
- Donepezil, Rivastigmin, Galantamin: Bei diagnostizierter Demenz (insbesondere Alzheimer)
Fachinformation Nicergolin-neuraxpharm®, Stand 01/2021










