Nifuroxazid

Nifuroxazid ist ein intestinal wirkendes Antibiotikum, das durch Hemmung der bakteriellen Enzymaktivität wirkt und hauptsächlich zur Behandlung akuter infektiöser Diarrhoe eingesetzt wird. Es zeigt selektive Wirkung im Darm ohne systemische Resorption.

Anwendung

Nifuroxazid wird zur Behandlung akuter, bakteriell bedingter Durchfallerkrankungen ohne Anzeichen einer invasiven Infektion eingesetzt. Die Empfindlichkeit der Erreger gegen Nifuroxazid muss gegeben sein.

Wirkmechanismus

Nifuroxazid ist ein Nitrofuranderivat, dessen Nitrogruppe am C5 des Furanrings nach Aufnahme durch bakterielle Enzyme zu reaktiven Nitroso- und Hydroxylamino-Derivaten reduziert wird. Diese Metaboliten hemmen die Aktivität bakterieller Dehydrogenasen, was zu einer Störung des Elektronentransports führt und die Energieproduktion der Zellen beeinträchtigt.

Dadurch wird die bakterielle Proteinsynthese unterbrochen, was das Wachstum der Erreger hemmt. In niedrigen Konzentrationen (Verdünnungen 1:100.000 bis 1:250.000) wirkt Nifuroxazid bakteriostatisch, während es in höheren Konzentrationen (Verdünnungen ab 1:25.000) bakterizid wirkt. Die Wirkung bleibt lokal im Darm, da Nifuroxazid kaum systemisch resorbiert wird.

Pharmakokinetik

Resorption

  • Nach oraler Gabe zu 10-20 % resorbiert (entgegen früherer Annahme einer rein lokalen Wirkung)

Verteilung

  • Resorbierter Anteil wird systemisch verteilt, jedoch primär lokale Wirkung im Darm.

Elimination

  • Nicht resorbierter Anteil wird unverändert über den Stuhl ausgeschieden
  • Resorbierte Anteile werden über den Urin eliminiert.

Spezielle Hinweise zur Pharmakokinetik und therapierelevante Schlussfolgerungen

  • Resorption und systemische Wirkung: Die frühere Annahme einer rein lokal begrenzten Wirkung im Darm wurde revidiert. Die teils systemische Resorption (10-20%) kann potenziell zu unerwünschten systemischen Effekten führen, weshalb eine Überwachung in speziellen Patientengruppen, z. B. bei Nieren- oder Leberinsuffizienz, wichtig ist.
  • Dosisanpassung: Obwohl Nifuroxazid primär lokal im Darm wirkt, sollte eine Überdosierung vermieden werden, da der resorbierte Anteil systemisch aktiv werden kann. Spezielle Vorsicht bei langfristiger Anwendung oder in Kombination mit anderen hepatotoxischen Medikamenten ist geboten.

Dosierung

Nifuroxazid kann ab 10 Jahren in folgenden Dosierungen eingenommen werden:

Erwachsene und Kinder ab 10 Jahren

  • Standarddosierung: bis 4 Kapseln täglich
  • Einzeldosis: 200 mg pro Kapsel
  • Gesamttagesdosis: 400 mg bis 800 mg

Einnahmeempfehlung

  • Kapseln mit Flüssigkeit (z. B. 1 Glas Wasser) einnehmen.
  • Alternativ kann der Inhalt der Kapseln mit den Mahlzeiten vermischt werden.

Nebenwirkungen

Mögliche Nebenwirkungen von Nifuroxazid können sein:

Häufig (≥ 10 %)

  • Überempfindlichkeitsreaktionen: Hautausschlag, Urtikaria, Pruritus

Gelegentlich (weniger als 10 %)

  • Gastrointestinale Reaktionen: Diarrhoe, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Unwohlsein
  • Hämatologische Reaktionen: Agranulozytose, Neutropenie

Selten

  • Allergische Reaktionen: Gesichtsödem, Angioödem, anaphylaktischer Schock
  • Immuntoxische Reaktionen: Thrombozytopenie, akute Pankreatitis

Wechselwirkungen

Chelatbildende Harze

  • Die Einnahme von chelatbildenden Harzen kann die Darmabsorption und damit die Wirksamkeit von Nifuroxazid und anderen gleichzeitig eingenommenen Arzneimitteln verringern.
  • Es sollte ein Abstand von mehr als 2 Stunden zwischen der Einnahme von Nifuroxazid und chelatbildenden Harzen eingehalten werden.

Colestipol

  • Ähnlich wie bei chelatbildenden Harzen kann Colestipol die Absorption von Nifuroxazid und anderen Arzneimitteln im Darm vermindern.
  • Auch hier sollte ein Abstand von mehr als 2 Stunden zur Einnahme von Colestipol beachtet werden.

Topische Arzneimittel zur Anwendung bei Magen-Darm-Erkrankungen, Antazida und Adsorbantien

  • Diese Präparate können die Absorption von Nifuroxazid und anderen Arzneimitteln reduzieren, wenn sie gleichzeitig eingenommen werden.
  • Ein zeitlicher Abstand von möglichst mehr als 2 Stunden zur Einnahme dieser Medikamente wird empfohlen.

Kontraindikationen

Nifuroxazid darf nicht angewendet werden bei:

  • Viral bedingten Durchfallerkrankungen: Nifuroxazid ist gegen virale Infektionen unwirksam.
  • Kindern unter 6 Jahren
  • Schwerer Erkrankung oder komplizierten Verläufen: Bei blutiger Diarrhoe, Immunsuppression oder schwereren Symptomen sollte eine gezielte Erregerdiagnostik erfolgen, gefolgt von einer empirischen antibiotischen Therapie, nicht mit Nifuroxazid.
  • Fehlender Erregerdiagnostik: Nifuroxazid sollte nicht eingesetzt werden, wenn keine klare Diagnose der bakteriellen Ursache vorliegt und eine gezielte Therapie erforderlich ist.
  • Bei leichten, selbstlimitierenden Infektionen ist keine spezifische medikamentöse Therapie erforderlich.
  • Bei bekannter Allergie oder Überempfindlichkeit gegenüber Nitrofuranderivaten.

Schwangerschaft

Nifuroxazid sollte während der Schwangerschaft vermieden werden, da ein genotoxisches Potential besteht, das potenziell Risiken für das ungeborene Kind birgt.

Stillzeit

In der Stillzeit sollte Nifuroxazid ebenfalls nicht angewendet werden, da es nicht ausgeschlossen werden kann, dass der Wirkstoff in die Muttermilch übertritt und das gastrointestinale Mikrobiom des Säuglings beeinflusst.

Verkehrstüchtigkeit

Nifuroxazid selbst hat keinen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit.

Anwendungshinweise

Folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen sind bei der Anwendung von Nifuroxazid zu beachten:

  • Genotoxisches Potential: Nifuroxazid kann genotoxische Effekte haben; daher sollte es während der Schwangerschaft vermieden werden.
  • Fehlende Wirkung bei Viren: Nifuroxazid ist gegen virale Durchfallerkrankungen nicht wirksam; daher sollte die Ursache der Infektion festgestellt werden, bevor Nifuroxazid angewendet wird.

Alternativen

Pharmakologische Alternativen zu Nifuroxazid:

Diese Alternativen wirken entweder durch Symptomlinderung, wie bei Loperamid und medizinischer Kohle. Sie sind meist zur symptomatischen Behandlung von Durchfallerkrankungen geeignet und bieten den Vorteil, dass es hierbei zu keiner Resistenzbildung kommen kann.

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
275.22 g·mol-1
Autor:
Stand:
12.11.2024
Quelle:
  1. Gebrauchinformation Pentofuryl 200 mg, (2007). Aufgerufen: 18.09.2024
  2. Sachverständigenausschuss für Verschreibungspflicht, Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) (2023). Aufgerufen: 18.09.2024
  3. Nifuroxazid 200 mg Gelantinekapseln (2018). Gelbe Liste. Aufgerufen: 18.09.2024
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1 Präparate mit Nifuroxazid