Norethisteron

Norethisteron ist ein synthetisches Progestogen mit ähnlicher Wirkung wie das natürliche Progesteron. Es wird hauptsächlich zur Behandlung von Menstruationsstörungen, Endometriose und in der Hormonersatztherapie eingesetzt. Der Wirkmechanismus umfasst die Hemmung der Ovulation und die Veränderung des Endometriums.

Norethisteron

Anwendung

Als pharmazeutische Wirkstoffe werden Norethisteron-Acetat und Norethisteron-Enantat meist in Kombination mit Östrogenen (Estradiol) vor allem gegen hormonabhängige Beschwerden und Erkrankungen eingesetzt. Dazu zählen beispielsweise Wechseljahresbeschwerden, Zyklusbeschwerden und Zyklusunregelmäßigkeiten sowie Endometriose. Auch zur Vorbeugung von Osteoporose und zur Verhütung einer Schwangerschaft kann Norethisteron eingesetzt werden.

Wirkmechanismus

Norethisteron imitiert die Wirkung des natürlichen weiblichen Sexualhormons Progesteron und bindet an Progesteronrezeptoren in verschiedenen Zielgeweben, wie dem Endometrium der Gebärmutter, und beeinflusst dadurch die Gebärmutterschleimhaut. Durch diese Bindung hemmt Norethisteron die Freisetzung von Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH) aus dem Hypothalamus und folglich die Sekretion der Gonadotropine LH (Luteinisierendes Hormon) und FSH (Follikelstimulierendes Hormon) aus der Hypophyse, was letztendlich die Ovulation unterdrückt. Zusätzlich bewirkt Norethisteron eine Verdickung des Zervixschleims, wodurch das Eindringen von Spermien in die Gebärmutter erschwert wird. Es verändert auch das Endometrium, wodurch es für eine mögliche Schwangerschaft weniger empfänglich wird und somit als effektives Mittel in der hormonellen Kontrazeption dient.

Dosierung

Die Dosierung von Norethisteron variiert je nach dem spezifischen Anwendungsgebiet. Bei der Verwendung von Norethisteron als orales Kontrazeptivum wird der Wirkstoff meist mit einer Dosis von 500 μg täglich eingesetzt.

Nebenwirkungen

Die am häufigsten innerhalb klinischer Studien mit Estradiol mit Norethisteron gemeldeten Nebenwirkungen waren Vaginalblutungen und Brustschmerzen/Empfindlichkeit bei etwa 10% bis 20% der Patientinnen.

Wechselwirkungen

Wirkstoffe, die Arzneimittel-metabolisierende Enzyme, insbesondere Cytochrom P450-Enzyme, induzieren, können den Abbau von Estrogenen und Gestagenen beschleunigen. Zu diesen Substanzen zählen bestimmte Antikonvulsiva (wie Phenobarbital, Phenytoin, Carbamazepin) und Antiinfektiva (wie Rifampicin, Rifabutin, Nevirapin, Efavirenz). Überraschenderweise können auch Ritonavir, Telaprevir und Nelfinavir, die normalerweise als starke Enzymhemmer gelten, bei gleichzeitiger Anwendung mit Steroidhormonen enzyminduzierende Eigenschaften aufweisen. Auch pflanzliche Arzneimittel mit Johanniskraut können den Metabolismus dieser Hormone induzieren. Diese Wechselwirkungen können klinisch zu einer verminderten Wirksamkeit der Hormone und zu Veränderungen im uterinen Blutungsmuster führen.

Pharmakodynamische Wechselwirkungen wurden insbesondere in klinischen Studien mit der HCV-Medikamentenkombination Ombitasvir/Paritaprevir/Ritonavir mit und ohne Dasabuvir beobachtet, wo signifikant häufigere ALT-Erhöhungen bei Frauen auftraten, die ethinylestradiolhaltige Arzneimittel einnahmen.

Arzneimittel, die hepatische mikrosomale metabolisierende Enzyme hemmen, wie Ketoconazol, können die Plasmaspiegel der Wirkstoffe von hormonellen Arzneimitteln erhöhen.

Die gleichzeitige Verabreichung von Ciclosporin und hormonellen Arzneimitteln kann zu erhöhten Blutwerten von Ciclosporin, Creatinin und Transaminasen führen.

Kontraindikationen

In Kombination mit Estradiol besitzt Norethisteron folgende Kontraindikationen:

  • Bestehender oder früherer Brustkrebs bzw. ein entsprechender Verdacht
  • Bestehender oder früherer estrogenabhängiger maligner Tumor bzw. ein entsprechender Verdacht (z. B. Endometriumkarzinom)
  • Nicht abgeklärte Blutung im Genitalbereich
  • Unbehandelte Endometriumhyperplasie
  • Frühere oder bestehende venöse thromboembolische Erkrankungen (tiefe Venenthrombose, Lungenembolie)
  • Bekannte thrombophile Erkrankungen (z. B. Protein C-, Protein S- oder Antithrombin-Mangel
  • Bestehende oder frühere arterielle thromboembolische Erkrankung (z. B. Angina pectoris, Myokardinfarkt)
  • Akute Lebererkrankung oder zurückliegende Lebererkrankungen, solange sich die relevanten Leberfunktionswerte nicht normalisiert haben
  • Bekannte Überempfindlichkeit gegen die Wirkstoffe
  • Porphyrie

Wirkstoff-Informationen

Molare Masse:
298.42 g·mol-1
Autor:
Stand:
16.01.2023
Quelle:

Fachinformationen der einzelnen Präparate

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